Sun Contracting: Gericht prüft Millionen-Forderungen
04.02.2026 - 18:53:12Ein Linzer Gericht hat die Forderungen gegen die insolvente Sun Contracting Gruppe geprüft. Das Verfahren betrifft tausende Anleger und läuft parallel zu schweren Betrugsermittlungen.
Die Prüfungstagsatzung am Landesgericht Linz markiert einen entscheidenden Schritt im Insolvenzverfahren der fünf österreichischen Tochtergesellschaften. Die Gläubiger fordern insgesamt rund 47 Millionen Euro, dem stehen laut Insolvenzverwalter nur etwa 16,6 Millionen Euro an verwertbaren Vermögenswerten gegenüber. Eine Sanierung ist nicht geplant – die Firmen werden abgewickelt.
Tausende Anleger stehen vor Totalverlust
Besonders betroffen sind Privatanleger, die über Nachrangdarlehen oder Crowdfunding-Plattformen investiert haben. Ihre Forderungen werden erst ganz zum Schluss bedient, was einem kompletten Kapitalverlust gleichkommt. Im Insolvenzverfahren der liechtensteinischen Muttergesellschaft haben bereits etwa 6.000 Anleger Ansprüche angemeldet. Der dortige Verwalter schätzt, dass die Gruppe insgesamt zwischen 200 und 250 Millionen Euro an Fremd- und Eigenkapital eingesammelt hat.
Können die Geschädigten überhaupt noch etwas retten? Für nicht-nachrangige Gläubiger gibt es Hoffnung auf eine geringe Quote. Alle anderen müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Verbraucherschützer raten Betroffenen, ihre Ansprüche prüfen zu lassen und sich dem Strafverfahren als Privatbeteiligte anzuschließen.
WKStA ermittelt gegen 27 Beschuldigte
Parallel zur Insolvenz läuft ein großangelegtes Strafverfahren. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt wegen schweren Betrugs, Untreue und Bilanzfälschung. Der Kreis der Beschuldigten umfasst mittlerweile 27 Personen und vier Unternehmensverbände.
Die Ermittler gingen bereits mehrfach durch:
* Im Dezember 2024 fanden Hausdurchsuchungen in Linz statt.
* Im Dezember 2025 nahm die Polizei drei mutmaßliche Hauptverantwortliche fest.
* Die WKStA geht von einem Gesamtschaden von über 20 Millionen Euro aus.
Die Behörde untersucht auch die engen Verflechtungen mit der Green Finance Gruppe, die als zentraler Vertriebspartner fungierte.
Wie das Geschäftsmodell kollabierte
Sun Contracting setzte auf Photovoltaik-Contracting. Das Unternehmen baute Solaranlagen auf fremden Dächern, übernahm alle Kosten und verdiente am verkauften Strom. Finanziert wurde das Wachstum aggressiv durch Anleihen und eben jene riskanten Nachrangdarlehen.
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Doch das Modell kollabierte. Als Gründe für die Pleite nennt das Unternehmen selbst:
* Einen massiven Preisverfall am Energiemarkt
* Explodierende Material- und Baukosten durch Inflation
* Deutlich höhere Zinsen
Diese Faktoren führten im Herbst 2025 zur Insolvenz der Muttergesellschaft in Liechtenstein und zogen umgehend die österreichischen Tochterfirmen in den Abgrund.
Der Fall Sun Contracting zeigt die dunkle Seite von als nachhaltig beworbenen Investments. Die Debatte über mehr Anlegerschutz und schärfere Regeln für Crowdfunding wird dieser Skandal weiter anheizen.
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