Stellar und Ripple starten Offensive für private Krypto-Zahlungen
15.02.2026 - 21:11:12Die großen Blockchain-Netzwerke rüsten ihre Systeme mit neuen Datenschutzfunktionen auf. Ziel ist es, Unternehmen und Institutionen für Krypto-Zahlungen zu gewinnen.
Innerhalb weniger Stunden haben mit Stellar und Ripple zwei der führenden Zahlungsprotokolle bedeutende Upgrades angekündigt. Beide setzen auf Technologien, die Transaktionsdetails vor der öffentlichen Einsicht schützen. Branchenbeobachter sehen darin einen Wendepunkt. Denn die vollständige Transparenz öffentlicher Blockchains galt bisher als größtes Hindernis für die geschäftliche Nutzung.
„Für Kryptowährungen, die sich als alltägliches Zahlungsmittel etablieren wollen, kann Privatsphäre kein nachträglicher Gedanke sein – sie muss ein Grundmerkmal sein“, kommentiert ein Analyst die parallelen Ankündigungen.
Stellar setzt auf „konformen Datenschutz“ mit Zero-Knowledge-Technik
Am 15. Februar stellte das Stellar Network seine Open-Source-Technologie Stellar Private Payments (SPP) vor. Das System nutzt sogenannte Zero-Knowledge Proofs. Diese kryptografische Methode erlaubt es, eine Transaktion zu verifizieren, ohne die zugrundeliegenden Daten wie Betrag oder Parteien öffentlich preiszugeben.
Doch Stellar zielt nicht auf absolute Anonymität ab, sondern auf einen „konformen Datenschutz“. Ein integrierter Compliance-Layer mit „Association Set Providers“ (ASPs) ermöglicht administrative Kontrollen. Dieser hybride Ansatz soll das zentrale Dilemma lösen: die Balance zwischen dem Schutz der Nutzerdaten und der Einhaltung globaler Geldwäschebekämpfung (AML) und Kundenidentifikation (KYC).
Die Technologie, die auf Soroban Smart Contracts basiert, steht Entwicklern ab sofort zur Integration zur Verfügung.
Ripple lockt Finanzriesen mit diskreten XRP-Transfers
Fast zeitgleich präsentierte Ripple in seinem Februar-Update für das XRP Ledger (XRPL) die Funktion „Confidential Transfers“. Sie ist Kernstück eines Pakets, das explizit auf institutionelle Akteure im dezentralen Finanzwesen (DeFi) abzielt.
Für große Finanzinstitute ist die vollständige Transparenz öffentlicher Blockchains ein Risiko. Sie könnte Handelsstrategien und sensible Geschäftsbeziehungen offenlegen. Durch die eingebettete Privatsphäre-Funktion positioniert Ripple die XRPL als Plattform für institutionelle Kreditmärkte und Liquiditätslösungen.
Der Markt honoriert die Strategie: Der Kurs von XRP verzeichnete nach der Ankündigung einen spürbaren Aufwärtstrend.
Branchentrend: Privatsphäre wird zum neuen Standard
Die Schritte von Stellar und Ripple sind Teil eines breiten Branchenumbruchs. Erst diese Woche lancierten Paxos und Aleo den Stablecoin USAD, der speziell für vertrauliche Geschäftstransaktionen zwischen Unternehmen entwickelt wurde.
Auch große Börsen ziehen nach. Berichten zufolge plant Coinbase, eigene Datenschutz-Tools für institutionelle Kunden zu testen. Die Botschaft ist klar: Um institutionelles Kapital anzulocken, müssen Plattformen die Risiken öffentlicher Ledger minimieren.
Barry Silbert, CEO der Digital Currency Group, geht sogar weiter. Er spekuliert, dass 5 bis 10 Prozent des Bitcoin-Kapitals langfristig in datenschutzfokussierte Kryptowährungen wie Zcash fließen könnten.
Analyse: Das Ende der „radikalen Transparenz“
Jahrelang war die lückenlose Nachverfolgbarkeit jedes einzelnen Transfers das Mantra der Blockchain-Welt. Heute wird diese Transparenz zunehmend als Problem für die geschäftliche Nutzung gesehen. Welches Unternehmen möchte schon, dass seine Zahlungsströme und Lieferketten für die Konkurrenz einsehbar sind?
Es entsteht ein „Privacy Premium“: Netzwerke und Assets, die verbesserte Vertraulichkeit bieten, erzielen eine höhere Bewertung. Die große Herausforderung bleibt, Datenschutz ohne Missbrauchsmöglichkeiten für illegale Aktivitäten zu ermöglichen.
Die neuen Technologien von Stellar und Ripple bieten einen potenziellen Ausweg: programmierbaren oder „konformen“ Datenschutz. Durch eingebaute Kontrollmechanismen wollen sie das Beste aus beiden Welten vereinen – legitime Daten schützen, aber regulatorische Anforderungen erfüllen können. Dieser Ansatz wird entscheidend, während Aufsichtsbehörden, auch in der EU, ihre Regulierung verschärfen.
Wenn Unternehmen jetzt auf konformen Datenschutz in Blockchain-Zahlungen setzen, müssen sie genau dokumentieren, wie personenbezogene Daten verarbeitet werden. Eine praxisnahe Excel-Vorlage für das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten (Art. 30 DSGVO) hilft dabei, Compliance lückenlos und zeitsparend umzusetzen. Verarbeitungsverzeichnis jetzt kostenlos herunterladen
Ausblick: Druck auf andere Netzwerke wächst
Die Entwicklungen im Februar 2026 markieren den Startschuss für eine Ära, in der Privatsphäre zum Standard für jedes zahlungsorientierte Protokoll wird. Der Erfolg wird nicht nur von der technischen Robustheit abhängen, sondern auch von einer nahtlosen Nutzererfahrung und klarer regulatorischer Akzeptanz.
Sollten sich diese Modelle bewähren, könnten sie endlich die Brücke schlagen zwischen der dezentralen Krypto-Welt und den strengen Anforderungen der globalen Finanzwirtschaft. Der Weg für den breiten Einsatz von Krypto-Zahlungen im Alltag wäre dann endlich frei.
@ boerse-global.de
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