Start-up-Verband fordert weniger Kündigungsschutz für Top-Verdiener
25.03.2026 - 05:22:17 | boerse-global.deDer Bundesverband Deutsche Startups will den Kündigungsschutz für hochbezahlte Fachkräfte lockern. Der Vorstoß zielt auf mehr Flexibilität für junge Unternehmen – und steht gegen den Trend der Rechtsprechung.
Verena Pausder, die Vorsitzende des Start-up-Verbands, hat in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ eine Debatte neu entfacht. Sie fordert spezielle Erleichterungen beim Kündigungsschutz für gut verdienende Mitarbeiter, vor allem in jungen Unternehmen. Die „Kosten für Fehler“ seien in Deutschland zu hoch und würden Start-ups das „Atmen erschweren“, so Pausder. Ihr Ziel: mehr Agilität für die deutsche Wirtschaft.
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Klare Abfindungsregel statt Gerichtsstreit
Pausder schlägt keine generelle Abschaffung vor. Stattdessen plädiert sie für gezielte Lockerungen, etwa geknüpft an das Unternehmensalter. Gutverdiener fänden schneller neue Jobs und könnten Durststrecken besser überbrücken, argumentiert sie. Ein Kernpunkt ist eine klar definierte Abfindungsregel. Diese soll langwierige und teure Kündigungsschutzklagen vermeiden. Der aktuelle Prozess koste unnötig Nerven, Geld und Zeit – für beide Seiten.
Gerichte gehen in die Gegenrichtung
Diese Forderung nach mehr Flexibilität steht im krassen Gegensatz zu aktuellen Urteilen. Erst vor wenigen Tagen verschärfte das Bundesarbeitsgericht (BAG) den Kündigungsschutz. Bei Verfahrensfehlern müssen Arbeitgeber nun rückwirkend Gehälter ohne Obergrenze nachzahlen. Das macht jede formale Nachlässigkeit zum finanziellen Risiko.
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Ebenfalls im März stärkte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Rechte von Beschäftigten in religiösen Einrichtungen. Kirchen müssen nun strenger begründen, warum die Religionszugehörigkeit für einen Job zwingend nötig ist. Die Trendwende zu mehr Arbeitnehmerschutz ist also klar erkennbar.
Alte Debatte, neue politische Fronten
Die Idee, den Schutz für Spitzenverdiener aufzuweichen, ist nicht neu. Bereits im Januar brachten CDU-Politiker wie Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ähnliche Vorschläge ins Spiel. Sie argumentieren mit mehr Wachstum durch häufigere Jobwechsel. Carsten Linnemann (CDU) hatte sogar ein Optionsrecht ab 100.000 Euro Jahresbrutto vorgeschlagen.
Doch auf politischer Ebene ist die Sache festgefahren. Die SPD lehnt Verhandlungen zu dem Thema kategorisch ab. Sie fürchtet eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Arbeitsrecht. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Vorstoß des Start-up-Verbands neuen Schwung in die festgefahrene Debatte bringt. Die parallel laufenden Betriebsratswahlen bis Mai dürften die Diskussion zusätzlich anheizen.
Für Deutschlands Start-up-Szene ist die Entwicklung entscheidend. Mehr Flexibilität könnte Fehlbesetzungen weniger riskant machen und die Bereitschaft zu Neueinstellungen erhöhen. Ob daraus jedoch Gesetze werden, bleibt fraglich. Die Gerichte senden derweil ein eindeutiges Signal: Der Schutz der Arbeitnehmerrechte wird aktuell eher ausgebaut als abgebaut.
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