Sparkasse-Einbruch: Polizei startet Mammut-Befragung von 3000 Geschädigten
17.01.2026 - 23:23:12Die Gelsenkirchener Polizei startet eine beispiellose Befragungsaktion für die Opfer des spektakulären Bankeinbruchs. Ab Montag sollen rund 3000 Geschädigte strukturiert befragt werden – eine logistische Großoperation.
Der Überfall auf die Sparkasse-Filiale im Stadtteil Buer Ende Dezember 2025 war einer der professionellsten Bankraube der deutschen Kriminalgeschichte. Nun tritt die Sonderkommission „BAO Bohrer“ in eine entscheidende Phase: Die Ermittler müssen die Aussagen Tausender Opfer koordinieren und auswerten. Der Schaden wird auf 30 bis über 100 Millionen Euro geschätzt.
Logistischer Kraftakt für die Ermittler
Die Dimension des Verbrechens zwingt die Behörden zu Strategien, die sonst bei Großschadenslagen zum Einsatz kommen. Ab dem 19. Januar beginnt ein Team damit, jeden betroffenen Schließfachmieter persönlich zu befragen. Für die Terminvergabe wurde eine eigene Hotline eingerichtet (0209 3651661).
„Der Prozess läuft nicht automatisch ab“, betonen die Beamten. Die Geschädigten müssen sich aktiv melden, um ihre Identität zu verifizieren und den Ablauf zu straffen. Die Gespräche finden nicht in normalen Revieren, sondern in eigens angemieteten Büroräumen statt. Dort können der große Andrang und die Eingabe sensibler Daten bewältigt werden.
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Die rund 230-köpfige Sonderkommission hat die Befragungen in eine umfassende Datenanalysestrategie eingebettet. Jede Angabe zu gestohlenen Werten – von Goldbarren bis zu Familienschmuck – wird digital erfasst und mit den am Tatort gesicherten forensischen Spuren abgeglichen.
Digitale Spurensuche und Beweissicherung
Parallel setzen die Ermittler stark auf digitale Werkzeuge. Über ein Hinweisportal (nrw.hinweisportal.de) können Zeugen weiterhin Fotos, Videos oder Dateien hochladen, die Hinweise auf Täter oder Fahrzeuge liefern.
Diese digitale Spur ist für die Rekonstruktion des Verbrechens entscheidend. Die Ermittler sichten Terabytes an Daten, darunter Videomaterial von umliegenden Geschäften und Verkehrskameras sowie Funkzellendaten aus der Tatzeit.
Für die Geschädigten wird die Digitalisierung auch bei der Dokumentation des Diebesguts wichtig. Versicherungsexperten raten, digitale Inventare mit Fotos und Kaufbelegen zu erstellen. Diese Aufzeichnungen sind nicht nur für Versicherungsansprüche, sondern auch für die polizeiliche Fahndungsdatei essenziell. Sie kann Funde auf dem Schwarzmarkt automatisch melden.
Ein professionell geplanter Coup
Der Aufwand der Ermittlungen spiegelt die Perfektion der Tat wider. Der Einbruch, der am 29. Dezember 2025 entdeckt wurde, erfolgte durch ein gebohrtes Kernloch in einer Stahlbetonwand von einer Tiefgarage aus. So umgingen die Täter die Haupttresortür und gelangten unbemerkt über das Weihnachtswochenende an die Schließfächer.
Innenminister Herbert Reul bezeichnete die Aktion gegenüber dem Landtags-Innenausschuss als „hochprofessionell“. Die Täter nutzten Spezialbohrer und manipulierten Notausgänge für ihre Flucht. Dass sie bestimmte Alarmsensoren ausschalten oder umgehen konnten, ohne das Hauptsystem auszulösen, unterstreicht diesen Eindruck.
Die Präzision lässt die Ermittler auf Insiderwissen oder langfristige Observation schließen. Die „BAO Bohrer“ prüft, ob die Täter Zugang zu detaillierten Bauplänen oder Sicherheitsprotokollen hatten.
Versicherungsfragen und Sicherheitsdebatte
Während die digitale Schadensbearbeitung beginnt, wird die finanzielle Realität für viele Opfer schmerzhaft klar. Die Sparkasse Gelsenkirchen weist darauf hin, dass die Haftung pro Schließfach standardmäßig auf 10.300 Euro gedeckelt ist – sofern Kunden keine private Zusatzversicherung abgeschlossen haben.
Diese Deckelung befeuert eine grundsätzliche Debatte über die Sicherungspflichten von Banken. Juristen halten es für möglich, dass die Haftungsgrenzen vor Gericht angefochten werden können – falls Nachlässigkeit bei Sicherheitsupdates oder Alarmanlagen nachgewiesen wird. Die Sparkasse betont, ihre Maßnahmen hätten dem aktuellen technischen Standard entsprochen. Diese Behauptung wird in den kommenden Monaten forensisch überprüft werden.
Beobachter erwarten, dass der Vorfall die Einführung „smarter“ Schließfächer beschleunigen könnte. Diese wären mit individuellen Alarmsensoren und Echtzeit-Überwachung ausgestattet – ein Schritt weg von passiver physischer Sicherheit hin zu aktiven, IoT-gestützten Schutzsystemen.
Was kommt jetzt?
Die kommenden Wochen werden von der aufwändigen Opferbefragung geprägt sein, die nach Polizeiangaben mehrere Wochen dauern könnte. Die „BAO Bohrer“ erhofft sich von der Digitalisierung der Tausenden Aussagen neue Ermittlungsansätze, besonders zu den gestohlenen Hochwertgütern.
Bislang gibt es keine Festnahmen. Die Hoffnung der Ermittler liegt in der Kombination aus traditioneller Detektivarbeit und moderner Datenanalyse: Bewegungsprofile, Kommunikationsdaten und die digitale Spur der Beute sollen helfen, einen der dreistesten Finanzverbrechen Deutschlands aufzuklären. Für die 3000 Geschädigten ist der Anruf bei der Polizei-Hotline nur der erste Schritt auf einem langen Weg.
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