Solarförderung: Deutschland plant Kürzungen, Vietnam setzt auf Zwang
01.04.2026 - 06:51:29 | boerse-global.deDeutschland will die Einspeisevergütung für kleine Dachanlagen streichen, während Vietnam per Dekret zu Stromsparen und Solardächern verpflichtet. Die globalen Ansätze zur Energiewende könnten unterschiedlicher nicht sein.
Deutschland dreht an der Förderschraube
Das Bundeswirtschaftsministerium plant eine Zäsur: Die garantierte Einspeisevergütung für neue, kleine Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern soll auslaufen. Ein Entwurf sieht zudem vor, den vorrangigen Netzzugang für neue Ökostrom-Projekte einzuschränken. Die Pläne werden im April im Kabinett beraten.
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Wirtschaftsministerin Katherina Reiche begründet den Schritt mit der erreichten Marktreife. Angesichts gesunkener Modulkosten und hoher Strompreise rechneten sich Dachanlagen auch ohne Subvention. Das Ministerium erhofft sich so Kostensenkungen von über 20 Prozent für den weiteren Ausbau. Eine zentrale Neuerung ist das geplante „Netzanschlusspaket“. Es würde Betreiber in Netzengpässen an den Kosten für Abregelungen und Netzausbau beteiligen.
Solarbranche warnt vor dramatischen Folgen
Auf scharfe Kritik stoßen die Pläne bei der Solarindustrie und der SPD. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) warnt, das Ende der Einspeisevergütung könne den Ausbau in weiten Teilen Deutschlands zum Erliegen bringen. Die garantierte Vergütung über 20 Jahre galt bisher als Fundament für Investitionssicherheit.
Kritiker fürchten eine Verunsicherung der Verbraucher und einen Einbruch bei Neuinstallationen. Ein Rückgang wäre eine herbe Niederlage für die Klimaziele. „Die Einspeisevergütung ist das Rückgrat der Energiewende im Kleinen“, so ein Branchenvertreter. Ohne sie drohten Jobverluste im Handwerk.
Fokus verschiebt sich auf Eigenverbrauch
Trotz der geplanten Kürzungen bleiben andere Fördertöpfe offen. Die KfW vergibt weiterhin zinsgünstige Darlehen für PV-Anlagen und Speicher. Viele Bundesländer und Kommunen schütten eigene Zuschüsse aus.
Attraktiv bleibt die Steuerbefreiung: Anlagen bis 30 Kilowatt Leistung sind von der Mehrwertsteuer befreit. Zudem müssen Einnahmen aus dem selbst genutzten Strom nicht versteuert werden. Der Trend geht klar zum Eigenverbrauch. Die Kombination aus Solaranlage, Batteriespeicher und Wallbox fürs E-Auto erhöht die Unabhängigkeit vom Strommarkt.
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Vietnam setzt auf staatliche Vorgaben
Während Deutschland Subventionen streicht, geht Vietnam den entgegengesetzten Weg. Per Regierungsdirektive vom 30. März 2026 werden Ministerien, Provinzen und Unternehmen zu strikten Stromeinsparungen verpflichtet. Bis Jahresende soll der Gesamtverbrauch um mindestens drei Prozent sinken.
In den heißen Monaten April bis Juli sind sogar Einsparungen von zehn Prozent vorgeschrieben. Zudem wird der Ausbau von Solaranlagen auf Hausdächern forciert. Jährlich sollen zehn Prozent der Behörden und Privathaushalte eine Anlage installieren. Die Regierung in Hanoi setzt auf Planwirtschaft, um die Stromversorgung zu sichern.
Energiewende zwischen Markt und Dirigismus
Die gegensätzlichen Ansätze zeigen die Suche nach dem optimalen Weg. In der EU treiben die Regeln zur „Zufallsgewinn“-Abschöpfung eine Reform der Fördersysteme voran. Deutschland könnte mit seinen Plänen den Übergang von der staatlich getriebenen zu einer marktbasierten Energiewende einläuten.
Doch ist der Markt schon reif genug? Die Sorge ist, dass ohne die bewährte Einspeisevergütung der dezentrale Ausbau einbricht – genau dann, wenn er für die Netzstabilität und die Klimaziele dringend benötigt wird. Vietnams dirigistischer Ansatz unterstreicht indes die globale Dringlichkeit. Die Frage bleibt: Welches Modell bringt die Bürger schneller und kosteneffizienter zur Energiewende?
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