Solarbranche warnt vor Zehntausenden Jobverlusten durch EEG-Reform
16.03.2026 - 00:00:25 | boerse-global.deDie geplante Abschaffung der Einspeisevergütung für private Solaranlagen droht den deutschen Solarmarkt zu kollabieren zu lassen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vom Sonntag rechnet die Branche mit einem massiven Stellenabbau. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche treibt eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) voran, die Subventionen für neue Kleinanlagen streicht. Zehntausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.
EEG-Reform gefährdet Wirtschaftlichkeit
Im Zentrum des Streits steht ein Arbeitsentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums. Er sieht vor, die garantierte Vergütung für neuen Solarstrom aus Anlagen bis 25 Kilowatt zu streichen. Betreiber müssten ihren Überschussstrom künftig direkt an der Strombörse vermarkten. Das Ministerium argumentiert, kleine Anlagen seien auch ohne Förderung rentabel – vorausgesetzt, der Eigenverbrauch ist hoch genug. Die Reform solle die erneuerbaren Energien an den Markt anbinden und die Verbraucher entlasten.
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Die Branche widerspricht dieser Darstellung fundamental. „Die Amortisationszeit für eine typische Dachanlage verlängert sich von derzeit zehn auf mindestens 19 Jahre“, warnt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW), gegenüber der dpa. Für die meisten Hausbesitzer werde die Investition damit unattraktiv.
Dominoeffekt für Arbeitsmarkt und Handel
Die Folgen wären dramatisch: Die Nachfrage nach privaten Solaranlagen könnte von aktuell fünf Gigawatt pro Jahr auf unter zwei Gigawatt einbrechen. Da rund die Hälfte der etwa 100.000 Jobs in der Solarbranche im Wohngebäudesektor hängt, wären Zehntausende Stellen direkt bedroht. Vor allem mittelständische Handwerksbetriebe stünden vor dem Aus. Ein Umstieg auf große Solarparks ist für sie kaum möglich – dieses Geschäft ist kapitalintensiv und bietet weniger Arbeitsplätze pro Megawatt.
Die geplante Reform würde auch internationale Lieferketten erschüttern. Deutschland importiert den Großteil seiner Solarmodule, Wechselrichter und Batteriespeicher aus Asien. Ein Nachfrageeinbruch von drei Gigawatt bedeutet Millionen weniger transportierter Module. Großhändler müssten langfristige Verträge neu verhandeln, Handelslogistiker verlören Aufträge. Zudem müsste sich die Importstruktur grundlegend ändern – weg von Komponenten für Dächer, hin zu Großanlagen-Technik.
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Direktvermarktung als praktisches Hindernis
Die technischen Hürden der geplanten Direktvermarktung sind enorm. Bislang fehlen Dienstleister, die die Vermarktung kleiner Strommengen für Privathaushalte übernehmen wollen. Die notwendige Infrastruktur – vor allem flächendeckende Smart Meter – ist nicht vorhanden. Ohne sie ist die Integration Hunderttausender Kleinerzeuger in die Strombörse praktisch unmöglich.
Hinzu kommt eine weitere Unsicherheit: In Netzengpassgebieten sollen neue Anlagen künftig keine Entschädigung mehr erhalten, wenn ihr Strom nicht eingespeist werden kann. Diese finanzielle Risiko verschlechtert die Investitionsbedingungen zusätzlich.
Klimaziele in weiter Ferne?
In den kommenden Wochen wird der Gesetzentwurf im Kabinett beraten. Die Solarbranche und Umweltverbände fordern Nachbesserungen. Statt die dezentrale Energiewende auszubremsen, sollte die Regierung den Netzausbau und die Digitalisierung vorantreiben sowie Speicherlösungen fördern.
Sollten die Pläne von Ministerin Reiche unverändert umgesetzt werden, steht ein tiefgreifender Strukturwandel bevor. Kritiker bezweifeln, dass das Ziel von 80 Prozent Ökostrom bis 2030 mit einer lahmgelegten Privatkundensparte noch zu erreichen ist. Während sich internationale Lieferanten auf sinkende Orders einstellen, geraten auch Deutschlands Klimaversprechen und Handelsbilanz unter Druck.
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