Sicherheits-Beauftragte, Streit

Sicherheits-Beauftragte: Streit um Stellenabbau in deutschen Betrieben

15.03.2026 - 00:00:21 | boerse-global.de

Die Bundesregierung will die Pflicht zur Bestellung von Sicherheitsbeauftragten für kleinere Betriebe abschaffen. Experten warnen vor steigenden Unfallzahlen und höheren Risiken.

Sicherheits-Beauftragte: Streit um Stellenabbau in deutschen Betrieben - Foto: über boerse-global.de
Sicherheits-Beauftragte: Streit um Stellenabbau in deutschen Betrieben - Foto: über boerse-global.de

Eine geplante Deregulierung der Bundesregierung könnte die Sicherheit von Millionen Beschäftigten gefährden. Der Vorstoß sieht vor, die Pflicht zur Bestellung von Sicherheitsbeauftragten für Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern abzuschaffen. Experten warnen vor drastischen Folgen.

Regierung plant radikalen Bürokratieabbau

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Im Zentrum des Konflikts steht ein Gesetzespaket des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Es will die Schwelle für die verbindliche Bestellung eines Sicherheitsbeauftragten von derzeit 20 auf künftig 50 Beschäftigte anheben. Für Betriebe mit 50 bis 250 Mitarbeitern soll zudem nur noch ein einziger Beauftragter ausreichen.

Die Regierung begründet den Schritt mit einer Entlastung für den Mittelstand. Schätzungen zufolge könnten so rund 123.000 Positionen wegfallen und der Wirtschaft jährlich etwa 135 Millionen Euro erspart bleiben. Die Verantwortung für den Arbeitsschutz liege ohnehin bei der Gefährdungsbeurteilung und bei externen Fachkräften, so das Ministerium.

Unfallstatistik spricht gegen die Reform

Doch die Pläne stoßen auf massive Kritik. Aktuelle Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zeigen ein klares Risikomuster: In Betrieben mit 10 bis 49 Mitarbeitern geschehen statistisch 26,6 meldepflichtige Unfälle pro 1000 Vollarbeiter. In größeren Unternehmen (50-249 Beschäftigte) liegt die Rate bei nur 24,2.

„Die Regierung will genau in dem Segment Personal abbauen, wo die schweren Unfälle am häufigsten sind“, kritisiert ein TÜV-Experte. Für viele kleine Betriebe seien die ehrenamtlichen Sicherheitsbeauftragten die erste und oft einzige Kontrollinstanz vor Ort. Ihr Wegfall könnte die Lage verschärfen.

Studie offenbart Schwächen im System

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Eine DGUV-Studie von Ende 2023 beleuchtet die praktischen Probleme der Sicherheitsbeauftragten. Über die Hälfte gab an, selten von Kollegen angesprochen zu werden. Fast 48 Prozent erfuhren oft zu spät von Gefahrensituationen.

Befürworter der Reform werten dies als Beleg für Ineffektivität. Arbeitsschutzexperten sehen das Gegenteil: Die Zahlen zeigten vor allem mangelnde Unterstützung durch das Management. „Bei ausreichender Zeit, Training und Rückhalt sind Sicherheitsbeauftragte extrem wirksam“, betont eine Fachberaterin. Die peer-to-peer-Kommunikation verhindere Unfälle, bevor sie passieren.

Prävention als kostengünstiger Schutz

In Anhörungen im März 2026 verteidigten Gewerkschaften und Verbände das bestehende System. Sicherheitsbeauftragte seien die „Augen und Ohren“ des betrieblichen Schutzes. Sie übersetzten abstrakte Vorschriften in die Praxis vor Ort.

Unternehmensberater weisen auf den präventiven Nutzen hin. Die interne Expertise sei kostengünstig und wirkungsvoll. Ein Abbau der Stellen könnte kurzfristig sparen, aber langfristig teuer werden: durch höhere Versicherungsprämien, Produktionsausfälle und Haftungsrisiken.

Die Zukunft: Mehr Eigenverantwortung der Betriebe

Auch wenn die Pflicht zur Bestellung fällt, bleibt die rechtliche Verantwortung der Arbeitgeber unverändert. Juristen erwarten einen Shift hin zu dezentralen, selbstgesteuerten Sicherheitskonzepten.

Unternehmen müssen künftig nachweisen, dass ihre Gefährdungsbeurteilungen und externen Beratungen auch ohne tägliche Peer-Kontrolle ausreichen. Vorreiter dürften freiwillige Sicherheitsprogramme beibehalten. Eine starke Sicherheitskultur wird zum Wettbewerbsvorteil – für den Schutz der Belegschaft und die Produktivität.

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