SIBO-Diagnostik, Atemtests

SIBO-Diagnostik: Atemtests werden präziser

07.02.2026 - 02:30:11

Moderne Drei-Gas-Atemtests unterscheiden verschiedene Subtypen der bakteriellen Dünndarmfehlbesiedelung und ermöglichen so zielgerichtete Behandlungsansätze.

Die Diagnose der bakteriellen Dünndarmfehlbesiedelung (SIBO) wird genauer. Neue Atemtest-Verfahren unterscheiden erstmals zwischen verschiedenen Gas-Subtypen der Erkrankung. Das ebnet den Weg für zielgerichtetere Therapien gegen Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall.

Vom invasiven Eingriff zum Atemtest

Lange galt eine Dünndarmspiegelung mit Entnahme von Flüssigkeit als Goldstandard. Doch das Verfahren ist teuer, aufwendig und für Patienten belastend. Heute setzen Ärzte primär auf nicht-invasive Atemtests. Dabei trinkt der Patient eine Zuckerlösung. Anschließend messen Mediziner in regelmäßigen Abständen die Konzentration von Wasserstoff und Methan in der Atemluft. Ein früher, starker Anstieg zeigt: Bakterien im Dünndarm vergären den Zucker zu früh.

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Die Gretchenfrage: Glukose oder Laktulose?

Die Wahl des Test-Zuckers ist entscheidend und bleibt umstritten.
* Glukose wird schon im vorderen Dünndarm aufgenommen. Der Test ist damit spezifischer, kann aber Fehlbesiedelungen in hinteren Abschnitten übersehen.
* Laktulose durchwandert den gesamten Dünndarm. Das erhöht die Trefferquote, birgt aber auch ein höheres Risiko für falsch-positive Ergebnisse.

Die nordamerikanischen Leitlinien definieren einen positiven Befund als Anstieg des Wasserstoffs um mehr als 20 ppm innerhalb von 90 Minuten oder einen Methanwert von mindestens 10 ppm zu jedem Zeitpunkt.

Methan und Schwefelwasserstoff im Fokus

Die reine Wasserstoff-Messung gilt heute als veraltet. Sie übersieht eine große Patientengruppe: jene mit übermäßiger Methanproduktion. Diese wird von Urbakterien (Archaeen) verursacht und zählt mittlerweile als eigene Erkrankung (IMO), die oft mit Verstopfung einhergeht.

Der nächste große Schritt sind Tests für Schwefelwasserstoff (H2S). Forscher bringen ihn mit einer dritten Form der Fehlbesiedelung (ISO) in Verbindung, die häufig Durchfall verursacht. Moderne „Drei-Gas-Atemtests“ messen nun Wasserstoff, Methan und Schwefelwasserstoff parallel. So entsteht ein präziseres Bild für die Therapie.

Warum die genaue Diagnose so wichtig ist

Die Symptome von SIBO sind unspezifisch und ähneln stark denen eines Reizdarmsyndroms (RDS). Experten schätzen, dass ein großer Teil der RDS-Patienten in Wahrheit eine unerkannte SIBO hat. Eine präzise Diagnose ist deshalb der Schlüssel zur richtigen Behandlung – meist mit speziellen Antibiotika, gefolgt von Ernährungsanpassungen.

Die Zukunft liegt in der weiteren Erforschung von Biomarkern wie Schwefelwasserstoff und standardisierten Testprotokollen. Ziel sind personalisierte Ansätze, die das individuelle Gasmuster eines Patienten berücksichtigen, um Rückfälle langfristig zu verhindern.

@ boerse-global.de