SAP verlängert Vertrag von Personalvorständin Gina Vargiu-Breuer bis 2030
10.04.2026 - 15:31:50 | boerse-global.de
Der Aufsichtsrat des Walldorfer Softwarekonzerns SAP hat den Vertrag von Personalvorständin und Arbeitsdirektorin Gina Vargiu-Breuer vorzeitig bis Ende Januar 2030 verlängert. Die Entscheidung sichert der Schlüsselfigur für die umfassende Personaltransformation des DAX-Konzerns den Rücken, während SAP seinen Wandel zu einem KI-zentrierten Unternehmen vorantreibt.
Vargiu-Breuer, die im Februar 2024 zum Konzern stieß, steuert eine der größten Restrukturierungen in der SAP-Geschichte. Ihr ursprünglicher Dreijahresvertrag wäre Anfang 2027 ausgelaufen. Die fast dreijährige Verlängerung ist ein deutliches Vertrauensvotum des Aufsichtsrats. Sie soll ihr den nötigen Spielraum geben, die komplexen Personalherausforderungen zu meistern, die mit der Integration generativer KI in alle globalen Geschäftsbereiche einhergehen.
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Treiberin des KI-Wandels und der Personalumbauten
Seit ihrem Amtsantritt verantwortet Vargiu-Breuer ein Transformationsprogramm, das weltweit etwa 10.000 Stellen betrifft. Ursprünglich für 8.000 Positionen angekündigt, wurde der Umfang bis Juli 2024 ausgeweitet, um die Strategie zur Business AI besser zu unterstützen. Die Restrukturierung, die den Konzern rund drei Milliarden Euro kostete, setzte stark auf freiwillige Abfindungen und interne Qualifizierung statt auf betriebsbedingte Kündigungen.
Die Führungsspitze um CEO Christian Klein betont stets, diese Veränderungen seien nötig, um das Unternehmen für eine neue Ära der Softwareentwicklung zu „rüsten“. Unter Vargiu-Breuers Führung konzentriert sich SAP auf die Einstellung von Hochtechnologie-Spezialisten und startete gleichzeitig eine massive Weiterbildungsoffensive für bestehende Mitarbeiter. Interne Ziele sehen vor, bis 2028 eine kompetenzorientierte Organisation zu schaffen. Der Großteil der Belegschaft soll dann in modernisierten Rollen arbeiten, die KI-Kenntnisse und Cloud-Fähigkeiten in den Vordergrund stellen.
Angespanntes Betriebsklima und schwindendes Vertrauen
Die Vertragsverlängerung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt für die interne Kultur bei SAP. Während die finanziellen Ergebnisse 2024 und 2025 robust blieben, getragen von wachsenden Cloud-Umsätzen und der Einführung des KI-Assistenten Joule, geriet die Stimmung in der Belegschaft unter Druck.
Eine interne „Pulse“-Umfrage Ende 2025 zeigte, dass das Vertrauen in den Vorstand auf 59 Prozent gesunken war – ein Rückgang um sechs Prozentpunkte in einem halben Jahr. In Deutschland lagen die Werte für das Führungsvertrauen deutlich niedriger. Betriebsräte und der Europäische Betriebsrat äußerten wiederholt Skepsis gegenüber der Transformation und bezeichneten sie teils als reine Kostensenkungsmaßnahme.
Vargiu-Breuer räumte ein, die „substantiellen Veränderungen“ hätten Druck und Frustration erzeugt. Sie hält den eingeschlagenen Kurs dennoch für richtig, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Zusätzliche Komplikationen brachte die Einführung eines neuen leistungsbezogenen Vergütungssystems und Aktienanreizprogramms Anfang dieses Jahres. Das System, das bessere Leistungen fördern soll, stieß bei Mitarbeitern und Führungskräften auf Kritik. Berichten zufolge musste SAP im Februar 2026 Rückstellungen bilden, um Bedenken hinsichtlich der Fairness von Bonusauszahlungen zu adressieren – eine weitere Belastung für die Personalabteilung.
Die Vision: Die „kompetenzorientierte Organisation 2028“
Ein Kernauftrag Vargiu-Breuers für die kommenden Jahre ist die Umsetzung der Vision „Skills-led company 2028“. Diese Strategie umfasst eine KI-personalisierte Lernplattform und eine globale Kompetenztaxonomie mit etwa 1.500 „zukunftsfähigen“ Fähigkeiten. Der Konzern hat sich verpflichtet, 15 Prozent der Arbeitszeit für kontinuierliche persönliche Entwicklung bereit zustellen, damit die Mitarbeiter mit dem rasanten Technologiewandel Schritt halten können.
Als Arbeitsdirektorin bekleidet Vargiu-Breuer eine gesetzlich vorgeschriebene Rolle im deutschen Corporate-Governance-System. Sie ist die zentrale Schnittstelle zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern. Ihre Verlängerung unterstreicht, dass der Aufsichtsrat ihre internationale HR-Erfahrung – unter anderem bei Siemens Energy – als essenziell ansieht. Diese sei nötig, um die rechtlichen und sozialen Komplexitäten des deutschen Arbeitsmarktes zu navigieren und gleichzeitig globale Agilität voranzutreiben.
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Kontinuität in Zeiten des Vorstandswechsels
Die Entscheidung, Vargiu-Breuer zu halten, schafft Kontinuität in einer Phase mit erheblichem personellen Wandel in der SAP-Führungsetage. In den vergangenen zwei Jahren verließen mehrere hochrangige Vorstandsmitglieder das Unternehmen. Ende 2024 gingen Vertriebsvorstand Scott Russell und Marketingvorständin Julia White, was den Vorstand von acht auf sieben Mitglieder verkleinerte.
Erst im März 2026 kündigte Muhammad Alam, Leiter der Produktentwicklung, an, seinen Vertrag im März 2027 aus persönlichen Gründen nicht zu verlängern. Zudem wurde die Rolle des Chief Commercial Officer neu definiert: Thomas Saueressig übernahm erweiterte Verantwortung für die „Customer Value Group“, um Vertrieb und Service zu bündeln.
Mit der Vertragssicherung bis 2030 behält CEO Christian Klein eine wichtige Verbündete für sein Ziel, „SAP von Grund auf zu transformieren“. Die Verlängerung stellt sicher, dass die für den „menschlichen Faktor“ der KI-Strategie verantwortliche Managerin an Bord bleibt, um die mehrjährige Strategie zum Abschluss zu bringen.
Während SAP sich auf seine Flaggschiff-Veranstaltung SAP Sapphire 2026 vorbereitet, wo weitere KI-Innovationen präsentiert werden sollen, liegt der Fokus nun auf der Personalabteilung. Kann sie das verlorene Vertrauen der Mitarbeiter zurückgewinnen und bis Ende des Jahrzehnts tatsächlich eine durch KI gestützte, hochqualifizierte Belegschaft schaffen? Die Antwort auf diese Frage wird maßgeblich von Gina Vargiu-Breuers Arbeit abhängen.
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