Reliance, Milliarden

Reliance investiert 110 Milliarden Euro in Indiens KI-Zukunft

20.02.2026 - 07:00:12 | boerse-global.de

Mukesh Ambani kündigt einen Sieben-Jahres-Plan an, um Indien mit eigenen Rechenzentren, grünem Strom und einem flächendeckenden Netz zu einem souveränen KI-Architekten zu machen.

Mukesh Ambani, Chef des indischen Konglomerats Reliance, kündigt eine Investition von umgerechnet 110 Milliarden Euro an, um eine unabhängige KI-Infrastruktur für Indien aufzubauen. Die Ankündigung markiert den Startschuss für einen beispiellosen Technologie-Wettlauf im Land.

Der Plan zielt darauf ab, Indien vom Nutzer westlicher Technologie zu einem eigenständigen Architekten Künstlicher Intelligenz zu machen. „Wir dürfen Intelligenz nicht von anderen Nationen mieten“, erklärte Ambani auf dem India AI Impact Summit in Neu-Delhi. Das Investment über sieben Jahre soll eine komplette Ökosystem-Lücke schließen: von Rechenzentren im Gigawatt-Maßstab bis hin zu alltagstauglichen Anwendungen für Millionen Bürger.

Die drei Säulen der „souveränen KI“

Das Vorhaben ruht auf einem dreiteiligen Fundament. Zunächst baut Reliance unter dem Dach der neuen Tochter Reliance Intelligence massive Rechenkapazitäten auf. In Jamnagar, Gujarat, entsteht bereits ein KI-fähiges Datenzentrum. Die erste Ausbaustufe soll noch 2026 über 120 Megawatt Leistung bereitstellen, mit klarem Ziel: Gigawatt-Kapazität für das Training eigener, hochkomplexer KI-Modelle.

Die zweite Säule ist die Energieversorgung. Hier spielt Reliance seinen Vorteil als größter privater Ökostrom-Produzent Indiens aus. Bis zu 10 Gigawatt überschüssiger Solarstrom aus eigenen Anlagen sollen die energiehungrigen Rechenzentren versorgen. Das macht die KI-Infrastruktur nicht nur grüner, sondern auch unabhängiger von den Schwankungen des öffentlichen Netzes.

Drittens soll ein flächendeckendes Edge-Computing-Netz entstehen. Durch die Integration in das bestehende Jio-Mobilfunknetz mit über 500 Millionen Nutzern will Reliance KI-Dienste mit minimaler Latenzeit in jede Ecke des Landes bringen – von der Metropole bis zum Dorf.

Vom günstigen Datenvolumen zur Demokratisierung von Intelligenz

Die Strategie erinnert an den Markteintritt von Jio im Jahr 2016, der Mobilfunk- und Datentarife in Indien massiv verbilligte und eine digitale Revolution auslöste. Jetzt soll der „Jio-Moment“ für Künstliche Intelligenz kommen. Das erklärte Ziel: Die Kosten für Intelligenz ebenso radikal senken wie einst die Kosten für Daten.

Bereits am 17. Februar hatte Akash Ambani, Chairman von Jio, dem indischen Premierminister Narendra Modi erste KI-Anwendungen präsentiert. Dazu gehören branchenspezifische Lösungen wie Jio Arogya AI für das Gesundheitswesen, Jio Shiksha AI für Bildung und Jio Krishi AI für die Landwirtschaft. Ein besonderer Fokus liegt auf mehrsprachigen Lösungen, die die große sprachliche Vielfalt Indiens berücksichtigen. Ein allgemeiner KI-Assistent namens Jio Bharat IQ soll den Alltag der Menschen vereinfachen.

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Nationaler Wettlauf um die KI-Vorherrschaft

Reliance agiert nicht im luftleeren Raum. Das Investment heizt einen nationalen Wettbewerb der indischen Konglomerate an. Die Adani Group hat kürzlich eigene Pläne für KI-Datenzentren im Wert von rund 92 Milliarden Euro skizziert. Der Tata-Konzern wiederum ging eine bedeutende Partnerschaft mit OpenAI ein, um sichere KI-Infrastruktur in Indien zu errichten.

Gleichzeitig sucht Reliance die Zusammenarbeit mit globalen Playern. Eine bereits bestehende Joint Venture mit Meta, anfänglich mit 100 Millionen Euro ausgestattet, ist Teil dieser Strategie. Die Botschaft ist klar: Indien will mit heimischem Kapital und internationalem Know-how eine unabhängige, weltweit wettbewerbsfähige KI-Industrie aufbauen und heimische Start-ups stärken.

Langfristige Vision für eine entwickelte Nation

Der Sieben-Jahres-Plan ist auf den langen Atem ausgelegt. Die ersten konkreten Ergebnisse werden mit der Inbetriebnahme des Jamnagar-Datenzentrums Ende 2026 erwartet. Analysten sehen in der Bekämpfung der hohen Rechenkosten – von Ambani als größtes aktuelles KI-Hindernis benannt – das Potenzial für eine disruptive Wirkung.

Das Projekt versteht sich als Beschleuniger für die Vision von Premierminister Modi, Indien bis 2047 zu einer entwickelten Nation zu machen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob das Land nicht nur ein eigenständiges KI-Ökosystem erschaffen, sondern damit auch ein Modell für andere Schwellenländer der Welt liefern kann.

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