Rechnungshof rügt Prüfer-Aufsicht wegen Gehältern und Systemfehlern
20.02.2026 - 15:00:12 | boerse-global.deDie österreichische Abschlussprüferaufsicht (APAB) steht nach einem vernichtenden Bericht des Rechnungshofes am Pranger. Die Kritik zielt auf vorgezogene Millionengehälter für die Führungsetage und ein Aufsichtssystem, das seine eigene Unabhängigkeit untergräbt.
Bereits im Juli 2024 genehmigte sich die APAB drastische Gehaltssprünge von 20 bis 26 Prozent für Vorstand und Führungskräfte. Als Begründung diente eine anstehende EU-Richtlinie, die neue Aufgaben bringen würde. Der Rechnungshof entlarvt diese Argumentation als haltlos: Die Richtlinie wurde in Österreich erst Anfang 2026 umgesetzt. Die massive Gehaltserhöhung erfolgte damit fast zwei Jahre, bevor die behauptete Mehrbelastung überhaupt eintrat. Eine derartige Vorwegnahme auf Basis bloßer Erwartungen sei rechtlich nicht gedeckt, so die Prüfer.
Prüflinge dürfen Kontrolleure mitbestimmen
Noch schwerer wiegt ein struktureller Systemfehler. Bei den externen Qualitätskontrollen von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben die zu prüfenden Kanzleien ein Mitspracherecht bei der Auswahl ihrer Kontrolleure. Für den Rechnungshof ist dies ein klarer Verstoß gegen das Gebot der Unabhängigkeit. „Wenn der Geprüfte seinen Prüfer mitbestimmen kann, ist das Tor für Interessenkonflikte weit geöffnet“, heißt es im Bericht. Diese Praxis gefährde die Glaubwürdigkeit des gesamten Aufsichtssystems.
Grüne fordern sofortige Reformen
Die grüne Rechnungshofsprecherin Nina Tomaselli reagierte umgehend scharf. Sie forderte, dieses „Einfallstor für Abhängigkeiten“ sofort zu schließen. Strukturelle Interessenkonflikte in der Aufsicht würden das Vertrauen in die gesamte Prüfungsbranche untergraben. Die Aufsichtsbehörde, die eigentlich für Vertrauen an den Kapitalmärkten sorgen soll, stehe nun selbst im Fokus von Compliance-Versäumnissen.
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Kleiner Kreis an Kontrolleuren schafft Abhängigkeiten
Ein weiteres Problem ist die hohe Marktkonzentration. Nur eine Handvoll spezialisierter Personen und Kanzleien führt den Großteil der Qualitätskontrollen durch. Diese enge Verflechtung erschwert es der APAB laut Rechnungshof, wirklich unabhängige Experten zu finden. Die wenigen verfügbaren Spezialisten sind oft wirtschaftlich oder persönlich mit den großen, zu prüfenden Gesellschaften verbunden.
Druck auf das Finanzministerium wächst
Der Bericht setzt das zuständige Finanzministerium als Rechtsaufsicht unter Handlungsdruck. Die Opposition fordert gesetzliche Nachschärfungen für mehr Transparenz und Unabhängigkeit. Ob die vorgezogenen Gehaltserhöhungen rechtliche Konsequenzen oder sogar Rückforderungen nach sich ziehen, ist noch offen. Die APAB kündigte an, die Empfehlungen zu prüfen.
Für den Finanzstandort Österreich ist eine lückenlos funktionierende Aufsicht überlebenswichtig. Investoren vertrauen darauf, dass Unternehmensbilanzen nicht nur geprüft, sondern diese Prüfungen auch streng überwacht werden. Der heutige Bericht zeigt: Bis dieses Vertrauen vollständig gerechtfertigt ist, liegt noch ein weiter Weg vor der Behörde.
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