Prosus-Aktie: Warum der Tencent-Abschlag jetzt zur Chance werden kann
21.02.2026 - 07:47:49 | ad-hoc-news.deBottom Line upfront: Die Prosus-Aktie bleibt trotz der starken Beteiligung an Tencent und einem massiven Aktienrückkaufprogramm deutlich unter ihrem inneren Wert gehandelt. Für deutsche Anleger eröffnet sich damit eine seltene Sondersituation – mit Chancen, aber auch klaren Risiken, die Sie kennen müssen.
Was Sie jetzt wissen müssen: Prosus treibt die Vereinfachung der Konzernstruktur voran, baut die Beteiligung an Tencent systematisch ab und nutzt die Erlöse für Rückkäufe. Gleichzeitig belasten Schwächephasen bei chinesischen Techwerten und geopolitische Risiken den Kurs. Der Bewertungsabschlag im Vergleich zum Nettovermögen ist aber weiterhin deutlich – ein Kernargument vieler Profis.
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Analyse: Die Hintergründe des Kursverlaufs
Prosus N.V. ist die internationale Internet-Beteiligungsholding, die aus dem südafrikanischen Naspers-Konzern herausgelöst wurde und in Amsterdam gelistet ist. Der mit Abstand wichtigste Vermögenswert ist die Beteiligung am chinesischen Internetkonzern Tencent. Daneben hält Prosus Beteiligungen an E?Commerce-Plattformen, Essenslieferdiensten, Fintech- und Kleinanzeigen-Geschäften.
In den vergangenen Monaten war der Kursverlauf der Prosus-Aktie stark von zwei Faktoren geprägt: der Schwankungsbreite der Tencent-Aktie und den Kapitalmarktmaßnahmen von Prosus selbst – insbesondere dem fortlaufenden Verkauf von Tencent-Anteilen zur Finanzierung von Aktienrückkäufen. Während Schwächephasen bei chinesischen Techwerten immer wieder Druck auf den Kurs ausübten, wirkte der Rückkauf eigener Aktien als stabilisierender Gegengewichtsfaktor.
Wesentlich ist dabei der anhaltende Bewertungsabschlag („Discount to NAV“) der Prosus-Aktie im Verhältnis zum geschätzten Nettovermögen (Net Asset Value, NAV). Selbst nach mehreren Maßnahmen zur Werthebung – etwa der Fusion mit Naspers-Strukturen und der schrittweisen Monetarisierung der Tencent-Beteiligung – notiert die Aktie noch immer mit deutlichem Abschlag auf den rechnerischen Wert der gehaltenen Beteiligungen. Genau dieser Abschlag ist der Kern der Investmentstory, die viele professionelle Investoren aktuell spielen.
| Kennzahl | Erläuterung |
|---|---|
| Wichtigste Beteiligung | Tencent (China) – Internet & Gaming |
| Börsenplatz | Euronext Amsterdam, unter anderem auch über deutsche Handelsplätze (Xetra, Frankfurt) handelbar |
| Anlageschwerpunkt | Internet-Plattformen (E?Commerce, Food Delivery, Fintech, Kleinanzeigen) |
| Aktionärsstruktur | Mehrheitlich Naspers, daneben internationale Institutionelle und Privatanleger |
| Investment-These vieler Profis | Abbau des Konglomeratsabschlags durch Vereinfachung, Rückkäufe und Fokussierung |
Für den deutschen Markt ist Prosus in mehrfacher Hinsicht relevant. Zum einen ist die Aktie über Xetra und andere hiesige Handelsplätze problemlos handelbar und Teil zahlreicher Europa- und Tech-Fonds, die in deutschen Depots liegen. Zum anderen ist Tencent – der Kernwert von Prosus – ein wichtiger Referenzwert für den globalen Tech-Sektor, dessen Schwankungen häufig auch auf den DAX und insbesondere auf die großen deutschen Technologie- und Onlinewerte ausstrahlen.
Wenn chinesische Tech-Aktien unter Druck geraten – etwa wegen Regulierungsrisiken in Peking oder geopolitischer Spannungen – trifft das in der zweiten Welle auch Prosus. Deutsche Investoren bekommen so über Prosus ein konzentriertes Exposure auf China-Tech, ohne die Tencent-Aktie direkt in Hongkong handeln zu müssen. Das ist komfortabel, bedeutet aber auch, dass politische Schlagzeilen aus China unmittelbar im Depot durchschlagen können.
Gleichzeitig unterscheidet sich Prosus klar von klassischen deutschen Standardwerten: Es gibt keine robuste, stetige Dividendenhistorie wie bei DAX-Bluechips, sondern eine stärker wachstums- und werthebeorientierte Kapitalallokation. Wer aus defensiven Dividendenwerten kommt, muss sich auf höhere Schwankungen einstellen. Dafür locken – aus Sicht der Bullen – potenziell überdurchschnittliche Kurschancen, falls der NAV-Abschlag sich spürbar reduziert.
Die aktuelle strategische Stoßrichtung des Managements lässt sich auf drei Punkte herunterbrechen:
- Schrittweiser Abbau der Tencent-Beteiligung, um Klumpenrisiken zu reduzieren und Liquidität zu heben.
- Rückkauf von Prosus- (und Naspers-)Aktien, um den Bewertungsabschlag zum NAV zu verkleinern.
- Portfoliobereinigung mit Fokus auf margenträchtigere, skalierbare Geschäftsmodelle.
Diese Maßnahmen zielen darauf, die Struktur einfacher, für den Kapitalmarkt berechenbarer und damit „investierbarer“ zu machen. Entscheidend ist für Anleger jedoch, dass sich diese Story irgendwann auch im Kurs widerspiegelt. Der Markt bleibt bislang vorsichtig, weil China-Risiken, volatile Zins- und Tech-Sentiments und Unsicherheit über den optimalen Zeitpunkt für weitere Tencent-Verkäufe wie ein Bremsklotz wirken.
Für Anleger in Deutschland stellt sich damit eine zentrale Frage: Ist Prosus eher ein „China-Tech-Proxi“ mit Rabatt – oder eine überfällige Value-Story, die sich erst zögerlich entfaltet? Die Antwort hängt stark vom persönlichen Risikoprofil ab. Das Papier kann als Satellitenposition im Depot fungieren, um sich bewusst dem asiatischen Plattformwachstum auszusetzen, ohne direkt in Hongkong zu investieren, gleichzeitig aber über die Amsterdam-Notierung und europäische Regulierung einen etwas vertrauteren Rahmen zu haben.
Das sagen die Profis (Kursziele)
Analysten großer Investmentbanken bewerten Prosus überwiegend konstruktiv. Die Mehrzahl der Häuser sieht im anhaltenden Abschlag zum inneren Wert und in der Strategie der Werthebung durch Rückkäufe und Strukturvereinfachung nach wie vor ein relevantes Aufholpotenzial. Der Tenor: operative Risiken und China-Exposure sind nicht zu unterschätzen, aber ein Großteil davon sei in die aktuelle Bewertung bereits eingepreist.
In aktuellen Research-Noten betonen Häuser wie JPMorgan, Goldman Sachs oder auch europäische Institute regelmäßig drei Kernargumente für eine positive Einstufung:
- Hoher versteckter Substanzwert durch Tencent und andere Beteiligungen, der den Börsenwert übersteigt.
- Kapitaldisziplin durch gezielte Rückkäufe, finanziert aus Beteiligungsverkäufen – aus Sicht der Analysten ein aktionärsfreundlicher Ansatz.
- Optionalität in Wachstumsbereichen wie Fintech und Lieferdiensten, die bei besserem Marktumfeld zusätzlichen Wert freisetzen könnten.
Gleichzeitig sind in den Studien immer wieder klare Warnhinweise zu lesen: Hohe Abhängigkeit von der Entwicklung chinesischer Tech-Regulierung, Währungs- und Länder-Risiken, dazu mögliche Bewertungsanpassungen bei privaten Beteiligungen, wenn das Zinsniveau länger hoch bleibt. Entsprechend sehen nicht alle Banken Prosus als „No-Brainer“, sondern betonen, dass die Aktie eher für risikobewusstere, langfristig orientierte Anleger geeignet sei.
Für deutsche Privatanleger, die über Neobroker oder Direktbanken handeln, spielen diese Einschätzungen inzwischen eine größere Rolle als noch vor einigen Jahren. Viele Broker integrieren Analystenratings inzwischen direkt in die Handelsoberfläche. Das verstärkt den Effekt: Dreht der Konsens von „Kaufen“ in Richtung „Halten“ oder „Untergewichten“, spiegelt sich das häufig zeitnah in der Nachfrage im deutschen Handel wider.
Wer Prosus im Depot hat oder den Einstieg plant, sollte daher nicht nur die reinen Kursziele im Blick haben, sondern auch die jeweiligen Annahmen hinter den Modellen: Unterstelltes Wachstum bei Tencent, angenommene Multiples für die nicht börsennotierten Beteiligungen und Szenarien für weitere Rückkäufe. Schon leichte Anpassungen dieser Inputgrößen können die Fair-Value-Schätzungen merklich verschieben.
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