Prokrastination, Forschungsparadigma

Prokrastination: Neues Forschungsparadigma fordert Umdenken

17.02.2026 - 14:10:11 | boerse-global.de

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass aktives Aufschieben auf komplexes Denken hindeuten kann und oft durch instabile Arbeitsumgebungen verursacht wird. Führungskräfte müssen umdenken.

Prokrastination ist nicht immer ein Zeichen von Faulheit. Aktuelle Berichte und Forschungsergebnisse aus dieser Woche zeichnen ein differenzierteres Bild: Bestimmte Formen des Aufschiebens können auf komplexe Denkprozesse hindeuten oder durch instabile Arbeitsumgebungen verursacht werden.

Vom Produktivitätskiller zur versteckten Kompetenz?

Traditionell gilt das Aufschieben von Aufgaben als reiner Mangel an Selbstdisziplin. Doch neue Erkenntnisse, die unter anderem von Psychology Today und der Economic Times aufgegriffen wurden, stellen diese Sicht infrage. Im Fokus steht Forschung der RMIT University. Sie legt nahe, dass sogenannte „Verhaltens-Prokrastinatoren“ über eine höhere Frustrationstoleranz und ausgeprägteres divergentes Denken verfügen könnten.

Experten unterscheiden zunehmend zwischen passiver und aktiver Prokrastination. Während die passive Form lähmend wirkt, nutzen aktive Prokrastinatoren den entstehenden Zeitdruck gezielt, um ihre kognitive Leistung zu bündeln. Sie suchen unbewusst nach alternativen Lösungswegen, anstatt die erstbeste Option zu wählen. Für Unternehmen bedeutet das ein Umdenken: Sollte die Bewertung von der reinen Geschwindigkeit weg und hin zur Qualität des Ergebnisses gehen?

Anzeige

Führungskräfte, die in unsicheren Arbeitsumgebungen gegen innere Kündigung und Aufschieberitis vorgehen wollen, finden praktische Hilfe im kostenlosen E‑Book „Führungsstile“. Der Leitfaden erklärt, welcher Stil in welcher Situation Motivation und Vorhersehbarkeit stärkt – inklusive Checklisten für Mitarbeitergespräche und konkrete Schritte, um verlässliche Strukturen zu etablieren. Jetzt kostenloses E‑Book „Führungsstile“ herunterladen

Instabile Umgebung als Haupttreiber

Eine parallele Analyse, über die die Economic Times berichtete, rückt die Arbeitsumgebung in den Mittelpunkt. Forschungen im Bereich Personality and Individual Differences zeigen: Prokrastination ist oft eine direkte Reaktion auf als instabil wahrgenommene Verhältnisse.

Ständige Umstrukturierungen, unklare Hierarchien oder inkonsistentes Feedback – all das fördert das Aufschieben. In solchen Szenarien verlieren Menschen das Vertrauen, dass sich heutige Anstrengung später auszahlt. Der sofortige Komfort, etwa das Scrollen in sozialen Medien, erscheint dann als sichere Option. Die Konsequenz für Führungskräfte ist klar: Klare Strukturen und verlässliche Rahmenbedingungen bekämpfen Aufschieberitis effektiver als Appelle an die Disziplin.

Milliardenschaden und die Gallup-Daten

Die wirtschaftliche Dringlichkeit unterstreichen Daten im Kontext des Gallup Engagement Index. Der volkswirtschaftliche Schaden durch mangelnde emotionale Bindung und „innere Kündigung“ wird für Deutschland auf bis zu 135 Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Ein signifikanter Teil dieses Verlusts entsteht durch Produktivitätseinbrüche, die eng mit Prokrastination verknüpft sind. Wenn Mitarbeiter innerlich abschalten („Quiet Quitting“), steigt die Neigung zum passiven Aufschieben drastisch. Unternehmen, die die psychologischen Hintergründe ignorieren, riskieren chronische Ineffizienz.

Drei evidenzbasierte Strategien für die Praxis

Was folgt aus den neuen Erkenntnissen? Konkrete Ansätze, die über klassische Zeitmanagement-Tipps hinausgehen:

  • Stabilität schaffen: Da Unsicherheit Prokrastination fördert, müssen Führungskräfte Priorität auf Vorhersehbarkeit legen. Klare Meilensteine und verlässliches Feedback stärken die Zukunftsorientierung.
  • Reflexion vor Aktion: Neuere Ansätze, etwa von der UC Santa Barbara, empfehlen eine bewusste „Zwei-Minuten-Reflexion“ vor Aufgabenstart. Diese kurze Pause hilft, emotionale Widerstände abzubauen und den Fokus zu finden.
  • Aufgaben differenzieren: Nicht jede Aufgabe ist gleich. Routinearbeit verlangt zügige Erledigung. Komplexe, kreative Probleme können dagegen von einer kontrollierten „Inkubationszeit“ – also gezieltem Aufschieben – profitieren.

KI: Retter oder neuer Prokrastinationsfaktor?

Ein Blick nach vorn zeigt eine ambivalente Rolle der Technologie. KI-Tools werden als Produktivitätsbooster gepriesen, doch Experten warnen vor einer „KI-induzierten Prokrastination“. Nutzer verbringen oft mehr Zeit mit dem Optimieren von Prompts oder der Toolsuche als mit der eigentlichen Arbeit.

Die Kompetenz zur digitalen Selbstregulierung wird 2026 noch stärker in den Fokus rücken. Die Fähigkeit, zwischen produktivem Einsatz und digitaler Ersatzhandlung zu unterscheiden, wird zur Schlüsselqualifikation. Der Kampf gegen das Aufschieben wird künftig weniger im Kopf des Einzelnen entschieden, sondern durch die intelligente Gestaltung von Umgebung und Kultur.

Anzeige

Die Kurse spielen verrückt – oder folgen sie nur Mustern, die du noch nicht kennst?

Emotionale Kurzschlussreaktionen auf unruhige Märkte kosten dich bares Geld. Vertraue bei deiner Geldanlage stattdessen auf kühle Analysen und harte Fakten. Seit 2005 navigiert 'trading-notes' Anleger mit präzisen Handlungsempfehlungen sicher durch jede Marktphase. Hol dir dreimal pro Woche unaufgeregte Experten-Strategien in dein Postfach.
100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Jetzt abonnieren.