Pieris-Aktie nach Delisting-Schock: Was Anleger jetzt wirklich riskieren
22.02.2026 - 18:29:43 | ad-hoc-news.deBottom Line zuerst: Pieris Pharmaceuticals ist nach dem Delisting von der Nasdaq und massiven Finanzierungsproblemen nur noch ein spekulativer Restwert – aber kein normaler Biotech-Investmentcase mehr. Wer als deutscher Privatanleger noch Stücke hält oder überlegt, im Grau- bzw. OTC-Markt zuzugreifen, spekuliert auf eine Sanierung oder einen lukrativen Asset-Deal – nicht auf ein klassisches Comeback.
In diesem Beitrag lesen Sie, was aktuell bei Pieris passiert, warum die Aktie in US-OTC-Gefilde abgerutscht ist, welche Optionen dem Unternehmen bleiben – und was das konkret für deutsche Anleger bedeutet. Was Sie jetzt wissen müssen...
Offizielle Infos zu Pieris und Pipeline checken
Analyse: Die Hintergründe des Kursverlaufs
Pieris Pharmaceuticals (ISIN US72016P1057, Ticker u.a. "PIRS" im US-OTC-Handel) ist ein deutsch-amerikanisches Biotech-Unternehmen mit Wurzeln in Freising bei München. Die Firma entwickelt therapeutische Proteine (Anticaline) vor allem in der Immunonkologie und Atemwegstherapie.
In den vergangenen Jahren lebte der Investmentcase im Wesentlichen von Partnerschaften mit Pharmariesen wie AstraZeneca und Servier. Als jedoch mehrere Programme ins Stocken gerieten, Meilensteinzahlungen kleiner ausfielen als erhofft und die Finanzierungslage immer angespannter wurde, geriet Pieris massiv unter Druck.
Folge: Der Aktienkurs brach über längere Zeiträume hinweg ein, die Marktkapitalisierung sank in den Microcap-Bereich. Schließlich erfolgte das Delisting von der Nasdaq und der Handel wurde auf den US-OTC-Markt verlagert – ein klassisches Warnsignal für institutionelle Investoren.
Für deutsche Anleger ist entscheidend: Viele haben Pieris historisch über Xetra oder Tradegate gehandelt, weil das Unternehmen in Deutschland stark verankert ist und die Story von "deutscher Biotech-Innovation mit US-Listing" attraktiv klang. Nach dem Nasdaq-Delisting ist die Liquidität hierzulande jedoch deutlich geringer, Spreads können breit sein, und die Kursstellung orientiert sich primär am dünnen US-OTC-Handel.
Wer heute in Deutschland Pieris handelt, agiert faktenbasiert im Hochrisiko-Segment:
- Zugang meist nur noch über Freiverkehr / außerbörslichen Handel bzw. OTC-Spiegelung
- Geringe Umsätze, hohe Volatilität und potenziell starke Intraday-Schwankungen
- Unternehmensnachrichten können den Kurs extrem bewegen – in beide Richtungen
Aktuell fokussiert sich Pieris laut öffentlich zugänglichen Unternehmensinformationen darauf, die Kapitalbasis zu sichern, laufende Programme zu straffen und Optionen für die Verwertung der Pipeline auszuloten. Für Aktionäre heißt das: Der Wert der Aktie hängt fast vollständig daran, ob es gelingt, Assets zu verpartnern oder zu verkaufen, um Shareholder Value zu retten.
Die größten Risiken für Anleger:
- Finanzierungsrisiko: Ohne frische Mittel könnte mittelfristig eine Restrukturierung oder sogar ein Insolvenzverfahren notwendig werden.
- Verwässerung: Notwendige Kapitalerhöhungen im OTC-Umfeld sind oft stark verwässernd und drücken den Kurs weiter.
- Regulatorik & Studiendaten: Negative Studienergebnisse oder Verzögerungen würden das Restvertrauen des Marktes weiter schwächen.
Die Chancen auf der anderen Seite:
- Strategische Deals: Gelingt ein attraktiver Lizenz- oder Übernahme-Deal für einzelne Programme, könnte der Markt den extrem niedrigen Kurs neu bewerten.
- Pipeline-Potenzial: Anticalin-Technologie ist wissenschaftlich weiterhin interessant; ein Partner mit starker Bilanz könnte Projekte wieder skalieren.
Allerdings: Der Markt preist Pieris inzwischen wie ein Turnaround- oder Liquidations-Case, nicht wie ein klassisches Wachstums-Biotech. Für konservative Investoren ist das Papier damit faktisch ungeeignet. Für spekulative Trader kann gerade diese Konstellation – niedrige Marktkapitalisierung plus binäre News-Events – kurzfristig interessant sein, birgt aber Totalverlustrisiko.
Auswirkungen auf deutsche Anleger und den hiesigen Markt
Für den deutschen Markt ist Pieris ein Lehrstück, wie riskant kleine Biotech-Werte mit US-Listing sein können, selbst wenn das operative Zentrum in Deutschland steht. Wer nur auf die Story "deutsche Forschung – US-Börse – große Partner" gesetzt hat, ohne Bilanz und Cashburn im Detail zu verfolgen, sitzt heute womöglich auf massiven Buchverlusten.
Besonders relevant für Anleger in Deutschland:
- Handelsumfeld: Viele deutsche Broker lassen OTC-Werte nur eingeschränkt handeln; Ordergrößen sind begrenzt, Market Orders riskant.
- Steuerliche Behandlung: Verluste können grundsätzlich mit anderen Kursgewinnen verrechnet werden, sofern die Papiere im Depot gehalten werden – ein Aspekt, den Sie mit Ihrem Steuerberater klären sollten.
- Portfolio-Risiko: Ein übergewichteter Einsatz in Einzeltiteln wie Pieris kann das gesamte Depot-Risikoprofil verzerren.
Im größeren Kontext zeigt der Fall Pieris, warum deutsche Investoren Biotech-Titel – insbesondere aus den USA – als eigene, sehr volatile Assetklasse betrachten sollten. Korrelationen mit DAX oder MDAX sind gering; Kursverläufe werden eher von Studiendaten, Partnerdeals und Kapitalmaßnahmen bestimmt als von Zinsen oder Konjunktur.
Wer in Deutschland in diesem Segment aktiv sein will, benötigt:
- eine sehr hohe Risikotoleranz,
- eine klare Positionsgrößen-Strategie (meist nur 1–3 % des Gesamtdepots pro Einzeltitel),
- und die Bereitschaft, Nachrichtenlage und Unternehmenskommunikation eng zu verfolgen.
Das sagen die Profis (Kursziele)
Nach dem Delisting von der Nasdaq und dem Abstieg in den OTC-Handel haben viele große Research-Häuser die aktive Coverage von Pieris eingestellt oder ihre Einstufungen auf "Under Review" bzw. "not rated" gesetzt. Öffentliche, aktuelle Kursziele großer Investmentbanken wie Goldman Sachs, JPMorgan oder Deutsche Bank sind derzeit kaum verfügbar oder nicht mehr aktualisiert.
Wichtige Punkte für Anleger:
- Keine belastbare Analystenmeinung: Ohne frische Coverage gibt es keine verlässliche, institutionelle Einschätzung von Fair Value oder Szenario-Analysen.
- Marktpreis als einziger Indikator: Der gegenwärtige Kurs spiegelt primär die Erwartungen kleinerer Marktteilnehmer und spekulativer Trader wider.
- Bewertung stark ereignisgetrieben: Jede Unternehmensmeldung zu Finanzierung, Partnerschaften oder Pipeline kann das Bild schlagartig verändern.
Wer sich dennoch ein eigenes Urteil bilden will, sollte weniger auf alte Analystenstudien und mehr auf folgende harte Faktoren achten:
- Cash-Bestand und Cashburn-Rate
- Verbindlichkeiten und etwaige Fälligkeiten
- Status der wichtigsten klinischen Programme und Partnerschaften
- Strategische Optionen (Asset-Verkäufe, M&A, Restrukturierung)
Ohne signifikante positive Wendung – etwa einen größeren Deal mit einem starken Pharmapartner oder eine überraschend solide Finanzierung – bleibt die Risiko-Rendite-Struktur klar asymmetrisch: Das Abwärtsrisiko Totalverlust steht einer spekulativen, schwer quantifizierbaren Upside im Erfolgsfall gegenüber.
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Fazit für deutsche Anleger: Pieris Pharmaceuticals ist heute kein klassischer Biotech-Investmentwert mehr, sondern eine hochspekulative Restwert-Story. Wer noch investiert ist, sollte nüchtern prüfen, welchen Anteil die Position am Gesamtvermögen einnimmt und ob das Totalverlustrisiko bewusst getragen werden soll. Neueinstiege gehören – wenn überhaupt – in die Kategorie "Spielgeld" und sollten nur nach gründlicher eigener Recherche erfolgen.
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