PayPal: Aktienverkauf und Führungswechsel nach enttäuschendem Ausblick
10.02.2026 - 08:52:12
Der Digitalzahlungsriese PayPal steckt in einer tiefen Vertrauenskrise. Ein Aktienverkauf eines Top-Managers, ein überraschender CEO-Wechsel und eine düstere Prognose für 2026 haben Anleger schockiert und Analysten zu massiven Herabstufungen veranlasst. Das Unternehmen steht an einem Wendepunkt.
Führungswechsel nach schwachem Quartal
Auslöser der Turbulenzen sind die enttäuschenden Zahlen für das vierte Quartal 2025. PayPal verfehlte mit einem Umsatz von 8,68 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn von 1,23 US-Dollar je Aktie die Erwartungen der Wall Street. Das Wachstum im Kerngeschäft, der gebrandeten Kasse, brach auf nur noch 1 Prozent ein. Als direkte Konsequenz muss CEO Alex Chriss den Posten räumen. Sein Nachfolger wird Enrique Lores, derzeit Chef des Drucker- und PC-Herstellers HP. Er übernimmt am 1. März 2026 das Steuer.
Passend zum Thema Führungswechsel und Unternehmenswende — jetzt ist Führung gefragt. Ein kostenloser Praxis-Guide erklärt die fünf modernen Führungsstile, zeigt, wie Sie in Krisenzeiten schnelle, vertrauensbildende Entscheidungen treffen und liefert eine sofort einsatzbereite Checkliste für erste Management-Maßnahmen. Ideal für Vorstände, Aufsichtsräte und Führungskräfte, die Struktur und Glaubwürdigkeit zurückgewinnen müssen. Gratis-Guide ‚Führungsstile‘ herunterladen
Düstere Prognose lässt Aktie abstürzen
Noch schwerer wog die Aussicht für das laufende Jahr. Das Management rechnet für 2026 mit stagnierenden oder sogar leicht rückläufigen Gewinnen. Diese Prognose liegt meilenweit unter den bisher erwarteten Wachstumsraten von fast 8 Prozent. Die Reaktion der Börse war brutal: Die Aktie verlor allein im Prämarkthandel über 16 Prozent an Wert. Die Lücke zwischen früheren Optimismus und der jetzigen Realität ist so groß, dass bereits eine Anwaltskanzlei Ermittlungen angekündigt hat.
Top-Manager verkauft Aktien zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt
Mitten in dieser Krise sorgte ein Insider-Verkauf für zusätzliche Irritation. Frank Keller, Vizepräsident für Großkunden, verkaufte am 6. Februar 3.478 PayPal-Aktien im Wert von rund 140.000 US-Dollar. Zwar erfolgte der Verkauf über einen vorgeplanten Handelsplan, doch das Timing könnte kaum ungünstiger sein: nur Tage nach dem Kurssturz und der Ankündigung des Führungswechsels. Für viele Anleger ist dies ein weiteres alarmierendes Signal.
Wall Street zieht die Notbremse
Die Analysten reagierten umgehend mit einer Welle von Herabstufungen. Banken wie Cantor Fitzgerald und Evercore ISI senkten ihre Kursziele teils drastisch auf 42 bzw. 40 US-Dollar. Der Konsens für die Aktie lautet nun nur noch „Hold“. Die Kritikpunkte sind eindeutig: anhaltende operative Probleme, Marktanteilsverluste an Konkurrenten wie Apple Pay und der immense Investitionsbedarf, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Ein Fintech-Pionier am Scheideweg
PayPals Probleme sind hausgemacht, aber auch Ausdruck eines radikal veränderten Marktes. Der einstige Pionier der Online-Zahlungen sieht sich einem erbitterten Zweifrontenkrieg ausgesetzt: Tech-Giganten wie Apple und Google integrieren Bezahlfunktionen nahtlos in ihre Ökosysteme, während agile Fintech-Start-ups mit Innovationen drängen. Die kurze Amtszeit des bisherigen CEOs deutet auf tiefe Unzufriedenheit des Aufsichtsrats mit der bisherigen Strategie an.
Unter Lores wird 2026 zu einem Übergangsjahr. Der Fokus soll sich von kurzfristigem Volumenwachstum auf langfristige Profitabilität und die Stärkung der Kernangebote verlagern. Zur Beruhigung der Märkte plans PayPal für dieses Jahr Aktienrückkäufe in Höhe von 6 Milliarden US-Dollar. Doch das reicht nicht. Die Zukunft des Konzerns hängt davon ab, ob der neue Chef eine überzeugende Wende einleiten und beweisen kann, dass PayPal im digitalen Zahlungsverkehr noch immer eine Führungsrolle spielen kann.

