Passivbauteile: Rohstoff-Kosten treiben Preise in die Höhe
13.01.2026 - 07:02:12Die Preise für passive elektronische Bauteile steigen deutlich. Grund sind die explodierenden Kosten für Metalle wie Kupfer, Silber und Aluminium. Hersteller von Kondensatoren, Widerständen und Spulen geben die Mehrkosten an ihre Kunden weiter. Damit endet eine Phase relativer Stabilität. Für die gesamte Elektronikindustrie bedeutet das höhere Materialkosten.
Der Jahresbeginn 2026 ist von stark steigenden Metallpreisen geprägt. Das stellt eine Lieferkette vor enorme Herausforderungen, die ohnehin mit globaler Nachfrage und geopolitischen Spannungen kämpft. Nach einem volatilen Jahr 2025 haben die Kostendrucke nun einen kritischen Punkt erreicht. Die Bauteilhersteller passen ihre Preise an, um ihre Margen zu halten. Diese branchenweite Reaktion wird fast jeden Elektroniksektor treffen – von der Automobil- und Industrie- bis hin zur Konsumgüter- und Rechenzentrumsbranche.
Metall-Rallye setzt Hersteller unter Druck
Haupttreiber der Preisanpassungen ist eine deutliche Rallye am Metallmarkt. Kupfer, ein Grundmaterial für Spulen und Kontakte, erreichte zu Jahresbeginn historische Höchststände. Getrieben wird dies durch eine starke Nachfrage aus den Sektoren erneuerbare Energien und Rechenzentren. Gleichzeitig behindern Störungen im Bergbau das Angebot. Die Kurse an den Rohstoffbörsen spiegeln diese Spannung wider. Seit Ende Dezember 2025 ist Kupfer an der asiatischen SHFE um etwa 8 Prozent gestiegen und überstieg am 5. Januar 13.000 US-Dollar pro Tonne.
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Auch Aluminium, essenziell für Elektrolytkondensatoren, ist teurer geworden. Gründe sind knappe Produktionskapazitäten und wachsende Nachfrage. Der Preis überstieg zuletzt 3.000 Dollar pro Tonne. Edelmetalle, die für viele passive Bauteile kritisch sind, verzeichnen ebenfalls einen anhaltenden Anstieg. Silber, ein Schlüsselbestandteil in Elektrodenpasten für Komponenten wie Ferritkerne und bestimmte Kondensatoren, steht im Fokus des Kostendrucks. Das veranlasste einige Hersteller zu breit angelegten Preiserhöhungen. Die steigenden Kosten beschränken sich nicht auf Metalle. Auch für Keramikpulver, Widerstandspasten und Verpackungsmaterialien zahlen Hersteller mehr – ein kumulativer Effekt auf die Produktionskosten.
Hersteller reagieren mit branchenweiten Preiserhöhungen
Als Reaktion auf diese schwierige Kostensituation haben mehrere führende Hersteller passiver Bauteile Preiserhöhungen zum ersten Quartal 2026 eingeleitet. Die Yageo Group, ein globaler Großlieferant, bestätigte Anpassungen für ausgewählte Ferritkern-Produkte ab dem 1. Januar 2026. Ähnliche Ankündigungen gab es von anderen Schlüsselakteuren, darunter Fenghua Advanced Technology, das die Preise für Widerstände und Spulen erhöhte. Einige Lieferanten von Dickschicht-Chipwiderständen haben Berichten zufolge Erhöhungen zwischen 8 und 20 Prozent umgesetzt. Sie führen den Schritt direkt auf die Edelmetall-Inflation zurück.
Diese Maßnahmen sind kein Einzelfall, sondern spiegeln einen breiteren Branchentrend wider. Der Druck ist für bestimmte Bauteilkategorien besonders akut. Tantal- und Polymerkondensatoren verzeichnen längere Lieferzeiten und erheblichen Preisdruck. Auch MLCCs (mehrschichtige Keramikkondensatoren) mit hoher Kapazität und Aluminium-Elektrolytkondensatoren gelten für Einkaufsteams 2026 als Hochrisikokategorien. Die Preisanpassungen werden als unvermeidliche Maßnahme gesehen, um den anhaltenden Anstieg der Inputkosten auszugleichen, der nicht mehr intern aufgefangen werden kann.
Analyse: Die Wellen schlagen durch die gesamte Elektronikbranche
Die aktuelle Preiserhöhungswelle hat fundamentale Gründe in Angebot und Nachfrage, nicht in kurzfristiger Spekulation. Ein Schlüsselfaktor ist der steigende Bedarf an passiven Bauteilen in modernen elektronischen Systemen. Hochleistungsrechner, Server der nächsten Generation und fortschrittliche Fahrzeugsysteme benötigen deutlich mehr Kondensatoren und andere passive Bauteile für die Stromversorgung und Signalintegrität. Diese wachsende Nachfrage trifft auf eine Phase, in der die Produktionskapazitäten nach einem Überangebot 2024 relativ flach geblieben sind.
Branchenanalysten stellen fest, dass dies einen engeren Markt mit weniger Puffer schafft, um Nachfrageschwankungen oder Kostenvolatilität abzufedern. Die Auswirkungen werden bei den OEMs (Originalgeräteherstellern) und EMS-Anbietern (Fertigdienstleistern) ankommen. Sie stehen vor höheren Bauteilbeschaffungskosten. Das könnte zu gedrückten Margen oder notwendigen Preiserhöhungen für fertige Elektronikprodukte führen. Die Situation wird durch anhaltende geopolitische Spannungen und Handelspolitiken weiter verkompliziert. Sie fügen der globalen Lieferkette eine weitere Unsicherheitsebene hinzu.
Ausblick: Navigieren in volatilen Zeiten
Die Aussichten für den Markt passiver Bauteile bleiben angespannt. Einkaufsteams wird geraten, dass das Hauptrisiko Anfang 2026 nicht unbedingt ein plötzlicher, flächendeckender Engpass ist. Vielmehr sind es reduzierte Planbarkeit und Flexibilität, da sich Lieferzeiten verlängern und Preisannahmen veralten. Die angekündigten Preisanpassungen sind wahrscheinlich erst der Anfang. Analysten gehen davon aus, dass im ersten Halbjahr 2026 weitere, produktspezifische Erhöhungen folgen werden.
OEMs und Händler sollten ihren Fokus auf langfristige Liefervereinbarungen legen. So können sie Kostenvolatilität abmildern und eine stabile Versorgung mit kritischen Bauteilen sichern. Die aktuelle Lage unterstreicht die strategische Bedeutung passiver Komponenten. Diese Kategorie wird oft übersehen – im Vergleich zu aktiven Bauteilen wie Halbleitern. Da die Kosten dieser grundlegenden elektronischen Teile weiter steigen, werden strategischer Einkauf und widerstandsfähige Lieferketten 2026 immer wichtiger.
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