OZG 2.0: Deutschlands Digitalisierung der Verwaltung stockt
03.02.2026 - 15:32:11Die Digitalisierung der deutschen Verwaltung kommt kaum voran. Eine neue Studie zeigt, dass das ambitionierte Onlinezugangsgesetz 2.0 seine Ziele massiv verfehlt, besonders in den Kommunen.
Seit dem Neustart der Initiative vor über eineinhalb Jahren hat sich der Fortschritt nahezu auf Null reduziert. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Vergleichsportals Verivox hervor. Demnach sind seit Anfang 2025 bundesweit nur neun weitere Verwaltungsleistungen vollständig digitalisiert worden. Diese ernüchternde Bilanz stellt die Wirksamkeit der erneuerten Strategie für einen modernen digitalen Staat fundamental in Frage.
Studie belegt dramatischen Stillstand
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der „Digitalpakt“ für Deutschland hat keinen Schwung aufgenommen. Das OZG 2.0 trat im Juli 2024 in Kraft, um genau die Hürden zu überwinden, die schon seinen Vorgänger scheitern ließen. Doch die Realität in den Rathäusern und Bürgerämtern sieht anders aus. Die Kluft zwischen gesetzlichem Anspruch und gelebter Praxis ist gewaltig.
Das größte Problem zeigt sich dort, wo Bürger den Staat am unmittelbarsten erleben: auf der lokalen Ebene. Während Bundesbehörden gewisse Fortschritte machen, bleibt die Umsetzung in tausenden Kommunen der größte Engpass. Fehlende einheitliche IT-Standards, unzureichende Finanzmittel und ein Mangel an Fachkräften bremsen den Prozess aus – obwohl das überarbeitete Gesetz genau diese Probleme lösen sollte.
Alte Strukturprobleme als Hauptbremsklotz
Der stockende Fortschritt hat keine einzelne Ursache, sondern ist das Ergebnis eines komplexen Geflechts struktureller Probleme. Das föderale System Deutschlands, eigentlich eine Stärke der Demokratie, erweist sich für eine einheitliche Digitalisierung als schwer überwindbare Hürde. Unterschiedliche technische Standards, veraltete IT-Systeme in Ländern und Kommunen sowie komplizierte Abstimmungsprozesse zwischen den Ebenen sorgen für Reibungsverluste.
Hinzu kommt ein grundsätzliches Problem: Oft werden nur die Frontend-Portale erneuert, nicht aber die dahinterliegenden Verwaltungsprozesse. Das führt zu „digital-analogen Hybridlösungen“. Mitarbeiter müssen Daten manuell nachpflegen, was versprochene Effizienzgewinne zunichtemacht und die Arbeitslast sogar erhöhen. Eine echte Transformation erfordert also nicht nur neue Gesetze, sondern einen Kulturwandel in den Behörden selbst.
Neue Kompetenzinitiativen als Hoffnungsschimmer
Als Reaktion auf den offenkundigen Fachkräftemangel entstehen nun neue Unterstützungsangebote. Das Kompetenzzentrum Öffentliche IT (ÖFIT) hat kürzlich eine Reihe praxisnaher „Wegbereiter“-Werkzeuge vorgestellt. Diese Checklisten und Leitfäden zu Themen wie generativer KI und digitaler Souveränität sollen interdisziplinäre Teams in der Verwaltung befähigen.
Passend zum Thema generative KI in Behörden: Seit August 2024 gelten neue Regeln für KI-Systeme — viele Verwaltungen sind nicht vorbereitet. Unser kostenloser Umsetzungsleitfaden zur EU‑KI‑Verordnung erklärt einfach, welche Pflichten, Kennzeichnungspflichten und Dokumentationsanforderungen jetzt gelten und wie Kommunen und IT‑Teams sie pragmatisch umsetzen können. Praxisnah und ohne juristischen Ballast, inklusive einer Umsetzungs‑Checkliste für Behörden und Projektleiter. Kostenlosen KI‑Umsetzungsleitfaden herunterladen
Diese Initiativen zeigen, dass der Erfolg der Digitalisierung maßgeblich von den Kompetenzen der Menschen abhängt, die sie vorantreiben. Solche Programme sind ein Schritt in die richtige Richtung. Ihre Wirkung wird sich jedoch erst mittelfristig zeigen. Und sie müssen deutlich ausgeweitet werden, um die systemischen Probleme auf allen Ebenen zu adressieren.
Teufelskreis aus Ambition und Ernüchterung
Die neuen Erkenntnisse sind besonders alarmierend im Licht der größeren digitalen Ambitionen Deutschlands. Das OZG 2.0 sollte aus den Fehlern des ersten, gescheiterten Anlaufs lernen. Es setzte auf verbindlichere Standards, priorisierte wichtige Services und etablierte die „BundID“ als zentrales Bürgerkonto. Doch der gesetzliche „Upgrade“ hat nicht zu spürbar mehr Tempo geführt.
Dieses anhaltende Umsetzungsdefizit gefährdet die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und die Fähigkeit des Staates, effiziente Dienstleistungen zu erbringen. Während andere Nationen im E‑Government voranschreiten, bleibt Deutschland in föderaler Komplexität und kleinen Schritten stecken. Experten warnen: Ohne eine zentralere, entschlossenere und besser finanzierte Herangehensweise bleibt die Vision einer digitalen Verwaltung ein fernes Ziel.
Langer Weg und wachsender Druck
Die Studie dürfte den politischen Druck auf Bund und Länder deutlich erhöhen. Die Kernziele des OZG 2.0 – einheitliche Schnittstellen und voll-digitalisierte Prozesse für Services wie Kfz-Anmeldung oder Elterngeld – sind nach wie vor richtig. Die Krux liegt in der Ausführung.
Die Verwaltung steht vor der gewaltigen Aufgabe, sich von innen heraus zu transformieren. Es geht nicht nur um neue Technologie, sondern um eine Kultur des „digital-first“-Denkens. Die Digitalisierung bleibt, wie schon bei der Konzeption des ersten OZG festgestellt, eine „Daueraufgabe“. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Politik die aktuelle Trägheit durchbrechen kann. Oder ob Bürger und Unternehmen weiter auf die versprochenen, einfachen und sicheren Online-Dienste warten müssen.
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