Exportwirtschaft, Märkte

Österreichs Exportwirtschaft sucht neue Märkte

13.04.2026 - 21:11:31 | boerse-global.de

Österreichs Exporte in die USA sind massiv eingebrochen, während hohe Energiepreise und geopolitische Spannungen die Industrie belasten. Die Wirtschaft setzt nun auf neue Handelsabkommen in Asien und Südamerika.

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Die österreichische Wirtschaft reagiert nun mit einer strategischen Neuausrichtung und sucht verstärkt nach Alternativen in Asien und Südamerika. Gleichzeitig belasten hohe Energiepreise und geopolitische Spannungen die heimische Industrie.

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US-Zölle kosten Milliarden

Die österreichischen Exporte in die USA brachen zwischen Januar und Oktober 2025 um 20,8 Prozent ein. Das entspricht einem Minus von etwa 2,8 Milliarden Euro. Im gesamten Jahr 2024 waren noch Waren im Wert von 16,2 Milliarden Euro über den Atlantik verschifft worden.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO rechnet damit, dass die US-Zollpolitik das österreichische Bruttoinlandsprodukt kurzfristig um 0,23 Prozentpunkte drückt. Mittelfristig könnte der Effekt sogar auf 0,33 Prozentpunkte steigen. Die USA waren jahrelang ein stabiler Wachstumsmarkt – dieser Trend ist nun gebrochen.

Indien und Mercosur als neue Hoffnungsträger

Als Reaktion darauf setzt Wien auf neue Handelsabkommen. Seit Januar 2026 rücken Indien und das südamerikanische Mercosur-Bündnis in den Fokus. Die Exporte nach Indien sind in den letzten zehn Jahren bereits um 120 Prozent gestiegen und erreichten 2024 einen Wert von 1,31 Milliarden Euro.

Die neuen Abkommen sollen österreichischen Unternehmen den Zugang zu diesen schnell wachsenden Märkten erleichtern. Die Diversifizierung weg von den USA hat für die heimische Exportwirtschaft höchste Priorität.

Energiekrise verschärft sich an zwei Fronten

Parallel zu den Handelsproblemen spitzt sich die Lage an den Energiemärkten zu. Nach gescheiterten Verhandlungen mit dem Iran kündigte US-Präsident Trump Mitte April eine Seeblockade in der Straße von Hormus an. Der Ölpreis für die Nordseesorte Brent schoss daraufhin um 8 Prozent auf über 102 US-Dollar pro Barrel.

Die Konsequenzen sind dramatisch: Der Schiffsverkehr durch die strategische Meerenge ist fast zum Erliegen gekommen. Statt 150 Schiffen täglich passieren derzeit nur noch vier bis fünf die Straße. Mehr als 2.000 Handelsschiffe mit rund 20.000 Seeleuten sitzen im Persischen Golf fest.

Österreich startet Industriestrombonus ohne EU-Freigabe

Um die heimische Industrie zu stützen, setzte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer Mitte April den sogenannten Industriestrombonus in Kraft – und das, ohne auf die beihilferechtliche Freigabe der EU-Kommission zu warten. Hattmannsdorfer begründete den Schritt mit der Notwendigkeit schneller Entscheidungen.

Für 2025 und 2026 stehen 150 Millionen Euro bereit. Rund 30.000 Arbeitsplätze in etwa 60 energieintensiven Unternehmen, etwa in der Stahl- und Papierbranche, sollen gesichert werden. Allerdings müssen die Firmen 80 Prozent der Förderung in Energieeffizienzmaßnahmen reinvestieren.

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Sabotage und Schulden belasten Europa

Die Versorgungssicherheit wird auch in Europa direkt bedroht. In Italien untersuchen Ermittler einen mutmaßlichen Sabotageakt an einem Strommast nahe der Transalpinen Ölpipeline (TAL). Über diese Leitung fließen rund 90 Prozent des in Österreich verarbeiteten Rohöls. Ende März führten die Beschädigungen bereits zu dreitägigen Lieferausfällen.

Hinzu kommt eine angespannte Haushaltslage: Österreichs Schuldenquote lag Ende 2024 bei 81,8 Prozent, das Defizit bei 4,7 Prozent. 2025 leitete die EU bereits ein Defizitverfahren ein. WIFO-Chef Gabriel Felbermayr fordert nun konkrete Einsparungen, etwa bei Pensionserhöhungen oder der Parteienförderung.

Unsicherer Ausblick für 2026

Die Prognosen für das laufende Jahr sind verhalten. Das WIFO erwartet für 2026 ein Wirtschaftswachstum von nur 0,9 Prozent, für 2027 von 1,3 Prozent. Der Erfolg der neuen Handelsabkommen hängt maßgeblich davon ab, wie schnell Unternehmen ihre Lieferketten umstellen können.

Die geopolitische Lage bleibt der größte Unsicherheitsfaktor. Die Entwicklung in der Straße von Hormus und die Stabilität der europäischen Infrastruktur werden die Produktionskosten und damit die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Industrie weiter prägen.

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