Handel, Rekordpleitenjahr

Österreichischer Handel blickt auf drittes Rekordpleitenjahr

23.01.2026 - 05:23:12

Der österreichische Handel verzeichnet 2025 über 1.200 Insolvenzen. Trotz leichtem Umsatzwachstum bleibt die Branche unter Kostendruck, sieht aber für 2026 erste Hoffnungsschimmer.

Der österreichische Handel verzeichnet das dritte Rekordpleitenjahr in Folge. Trotz eines leichten Umsatzwachstums 2025 überschattet eine Welle von Insolvenzen die Branche. Der Handelsverband zeigt sich dennoch vorsichtig optimistisch für 2026.

Ein Sektor am Scheideweg

Sechs Krisenjahre haben ihre Spuren hinterlassen. Hohe Kosten für Energie, Personal und Mieten trafen auf eine krisengebeutelte Kundschaft. Die Bilanz ist ernüchternd: Nur 25 Prozent der Händler schlossen 2025 mit Gewinn ab, 30 Prozent machten Verluste. Die Folge sind zunehmend leere Schaufenstern in den Innenstädten.

1.208 Insolvenzen: Die schonungslose Bilanz

Die Zahlen für 2025 sind alarmierend. Der Handel musste 1.208 Firmenpleiten verzeichnen – das sind 23 pro Woche. Damit bleibt er die insolvenzstärkste Branche des Landes.

  • Ursachen: Ein „perfekter Sturm“ aus Pandemiefolgen, explodierenden Energiekosten und hoher Inflation.
  • Energiekosten: Erdgas verteuerte sich in fünf Jahren um 128 Prozent, Strom um 60 Prozent.

Die finanzielle Anspannung der Haushalte schlägt sich im Kaufverhalten nieder. Der nominale Umsatz stieg 2025 zwar, inflationsbereinigt bleibt nur ein Mini-Plus von rund 1,0 Prozent. Kann dieser leichte Zuwachs die Pleitewelle stoppen?

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Kostendruck und Online-Konkurrenz als Hauptprobleme

Neben den Energiekosten machen hohe Lohnstückkosten den Standort unattraktiv. Die Reaktion der Unternehmen ist drastisch:

  • Jeder zweite Händler plant Personalabbau.
  • 44 Prozent stoppen Investitionen.
  • 14 Prozent erwägen Filialschließungen.

Verschärft wird der Druck durch internationale Online-Giganten, vor allem aus China. Sie profitierten lange von Wettbewerbsvorteilen wie der 150-Euro-Zollfreigrenze. Zudem fordert über 80 Prozent der KMU einen spürbaren Bürokratieabbau.

Lichtblicke: Politik und Konsumlaune geben Hoffnung

Trotz der düsteren Bilanz blickt der Handelsverband mit etwas Hoffnung auf 2026. Grund sind zwei Faktoren:

  1. Sinkende Inflation: Für 2026 wird eine Rate von rund 2,4 Prozent erwartet (2025: ~3,5%). Das könnte die Kaufkraft der Haushalte stärken.
  2. Politische Ankündigungen: Die Regierung plant konkrete Entlastungen:
    • Halbierung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel.
    • Einführung einer nationalen Paketgebühr für Lieferungen aus Drittstaaten wie China.

Diese Schritte sollen den unfairen Wettbewerbsvorteil von Online-Händlern aus Fernost reduzieren.

Forderungen für eine nachhaltige Erholung

Für eine echte Trendwende reichen diese Maßnahmen aus Sicht des Verbands nicht aus. Er fordert eine umfassende Entbürokratisierungsoffensive und eine langfristige „Handelsstrategie 2035“. Weitere zentrale Anliegen sind die Beschleunigung der EU-Zollreform und Lösungen für den akuten Fachkräftemangel. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der österreichische Handel den Weg aus der Krise findet.

@ boerse-global.de