KI-Pflichtfach, Lateinstunden

Österreich führt KI-Pflichtfach ein – Lateinstunden werden gekürzt

09.02.2026 - 02:10:12

Österreich führt ab 2027 verpflichtenden KI-Unterricht an Gymnasien ein. Die dafür benötigten Stunden werden vom Lateinunterricht abgezogen, was eine heftige Debatte über zeitgemäße Bildung auslöst.

Die österreichische Regierung macht den Umgang mit Künstlicher Intelligenz zum Schulfach. Ab 2027 sollen alle Gymnasiasten verpflichtend KI-Grundlagen lernen. Die Stunden dafür kommen aus dem Lateinunterricht – und lösen eine heftige Debatte über die Zukunft der Bildung aus.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr bestätigte die umfassende Lehrplanreform. Sie ist Teil eines größeren Pakets namens „Plan Z“, das im März vorgestellt wird. Österreich positioniert sich damit als europäischer Vorreiter bei der Integration digitaler Schlüsselkompetenzen. „Wir müssen unsere Jugend auf eine Welt vorbereiten, die von KI durchdrungen ist“, so die Begründung des Ministers.

Lehrplan-Revolution: Mehr KI, weniger Latein

Konkret wird das Fach Informatik in der Oberstufe der Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) ausgeweitet und in „Informatik und Künstliche Intelligenz“ umbenannt. Die Stundenzahl wird erhöht. Parallel führt Österreich das neue Fach „Medien und Demokratie“ ein. Es soll Schüler befähigen, sich in der modernen Informationslandschaft zurechtzufinden.

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Der Preis für diese Zukunfts-Fächer: Die Gesamtstundenzahl für Latein über die vier Oberstufenjahre wird von zwölf auf acht reduziert. Das Ministerium spricht von einer notwendigen „Entrümpelung“ des Lehrplans. Doch genau diese Verschiebung entfacht den Kern des Streits. Es geht um die Grundfrage: Was ist im 21. Jahrhundert eine zeitgemäße Allgemeinbildung?

Ziel: Kritische Denker statt passive Nutzer

Die Reform zielt über reine Bedienkompetenz hinaus. Schüler sollen ein kritisches Verständnis für KI-Systeme entwickeln. Sie lernen, wie Algorithmen funktionieren, Entscheidungen beeinflussen und wo Risiken wie Desinformation lauern. „Junge Menschen müssen die Technik hinter der Oberfläche begreifen, um mündig zu handeln“, heißt es aus dem Bildungsministerium.

Auf vorhandenen Strukturen wird aufgebaut. Seit Ende 2023 berät eine Expertengruppe zur KI-Integration. Ein Pilotprojekt an 114 „KI-Pilot-Schulen“ testet bis September 2025 Lernsoftware. Die Universität Graz begleitet das Projekt wissenschaftlich. Die Erkenntnisse fließen in praxisnahe Leitfäden für alle Schulen ein.

Kulturkampf um die Bildungsziele

Die Ankündigung spaltet das Land. Wirtschaft und Tech-Branche applaudieren. Die Wirtschaftskammer und IT-Experten betonen, dass KI-Kompetenz heute essenziell für demokratische Bildung und gesellschaftliche Teilhabe sei.

Dagegen formiert sich scharfer Protest aus Kultur und Wissenschaft. In einer Petition warnen Nobelpreisträger wie Elfriede Jelinek und Anton Zeilinger vor der „Marginalisierung“ des Lateinischen als Fundament europäischer Identität. Auch die Lehrergewerkschaft übt Kritik. Minister Wiederkehr lud die Initiatoren zum Gespräch, bekräftigte aber die Notwendigkeit des Kurswechsels.

Europäischer Kontext und nächste Schritte

Österreichs Schritt fällt in eine europäische Bewegung. Die EU arbeitet an einem eigenen KI-Kompetenzrahmen, die KI-Verordnung schafft rechtliche Vorgaben. Die Details des „Plan Z“ werden im März erwartet. Die Regierung steht vor der Aufgabe, die Zukunftsfähigkeit der Schüler mit der Bewahrung kultureller Traditionen auszubalancieren. Gelingt der Spagat, könnte das österreichische Modell zum Vorbild für andere Nationen werden.

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