Ölpreis, Brent

Ölpreis steigt kräftig über 100 Dollar: US-Blockade in der Straße von Hormus treibt Brent und WTI in die Höhe

14.04.2026 - 10:00:12 | ad-hoc-news.de

Nach gescheiterten Verhandlungen zwischen USA und Iran und der Ankündigung einer US-Seeblockade in der Straße von Hormus sind die Ölpreise am Montagmorgen stark gestiegen. Brent Crude notiert bei 102,80 Dollar, WTI bei 104,88 Dollar – ein Plus von bis zu neun Prozent.

Ölpreis,  Brent,  WTI
Ölpreis, Brent, WTI

Die Ölpreise haben am Montagmorgen einen markanten Aufschwung hingelegt. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um rund acht Prozent auf 102,80 US-Dollar pro Barrel, während das US-Leichtöl WTI sogar um 8,6 Prozent auf 104,88 US-Dollar kletterte. Der Auslöser: Gescheiterte Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sowie die Ankündigung einer US-Blockade in der Straße von Hormus, die einen Großteil des globalen Ölexports bedroht.

Stand: Montag, 13. April 2026, 10:49 Uhr (Europe/Berlin)

Geopolitische Eskalation als Haupttreiber

Die Straße von Hormus ist eines der wichtigsten Engpässe im globalen Ölhandel. Täglich passieren dort Öltanker mit rund 20 Millionen Barrel Rohöl, was etwa 20 Prozent des weltweiten Seehandels ausmacht. Eine Blockade würde das Angebot dramatisch einschränken und die Preise nach oben treiben. Schifffahrtsdaten von LSEG und Kpler zeigen bereits, dass Öltanker die Region meiden. Ein Supertanker unter maltesischer Flagge kehrte vor der Durchfahrt um. Dieses Risiko wirkt sich direkt auf die Futures-Preise aus, da Händler höhere Risikoprämien einpreisen.

Die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran scheiterten endgültig, wie Quellen berichten. Präsident Trump kündigte eine Seeblockade an, um den iranischen Ölexport zu stoppen. Dies folgt auf jahrelange Spannungen und Sanktionen. Der direkte Mechanismus: Jede Unterbrechung der Hormus-Durchfahrt führt zu Lieferengpässen, die besonders Europa betreffen, da ein signifikanter Teil des Imports aus dem Persischen Golf stammt.

Unterschiede zwischen Brent und WTI

Brent Crude, der globale Benchmark für den internationalen Ölmarkt, stieg auf 102,80 Dollar für den Juni-Future. Dies markiert einen Zuwachs von rund acht Prozent gegenüber dem Freitagabend. WTI, das Referenzöl für den US-Markt, performte noch stärker mit einem Plus von 8,6 Prozent auf 104,88 Dollar. Der Grund für die Diskrepanz: WTI profitiert stärker von US-zentrierten geopolitischen Risiken, während Brent sensibler auf globale Lieferketten reagiert. Beide Sorten liegen nun wieder über der 100-Dollar-Marke, was für europäische Investoren den Druck auf Energieimporte und Inflation erhöht.

In Deutschland spiegeln sich die Rohöl-Entwicklungen in Heizölpreisen wider. Der bundesweite Durchschnitt für 1.000 Liter Heizöl sank leicht auf 104,81 Cent pro Liter, zeigt aber regionale Schwankungen. In Frankfurt fiel der Preis um 3,15 Cent auf 94,04 Cent, während in Göttingen nur minimale Änderungen zu verzeichnen sind. Der Trend bleibt fallend, doch die geopolitische Eskalation könnte dies umkehren.

Auswirkungen auf den europäischen Markt

Für DACH-Investoren ist der Anstieg besonders relevant. Deutschland importiert rund 90 Prozent seines Öls, viel davon über Hormus. Steigende Preise belasten die Industrie, den Straßenverkehr und die Heizkosten. Der Euro-Handel zeigt, dass Gasoil-Futures (ICE-Gasoil) ebenfalls unter Druck geraten könnten. Aktuell notiert ICE-Gasoil bei etwa 1.243 US-Dollar pro Tonne. Die EZB beobachtet dies genau, da höhere Energiepreise die Inflationsdynamik verstärken.

In der Schweiz und Österreich, stark abhängig von Raffinerieprodukten, könnten Dieselpreise folgen. Derzeitige Heizölpreise in Baden-Württemberg bei 133,95 Euro pro 100 Liter (plus 2,70 Prozent) deuten auf beginnende Nachzügler-Effekte hin. Dies erhöht die Volatilität für Rohstoff-ETCs und Futures-Produkte mit Brent- oder WTI-Exposure.

Hintergrund der Hormus-Blockade

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Saudi-Arabien, UAE, Kuwait und Iran exportieren hier hindurch. Eine US-Blockade würde nicht nur iranisches Öl treffen, sondern das gesamte regionale Angebot stören. Historisch führte die Drohung 2019 zu Preissprüngen von 15 Prozent. Heute reagieren Märkte ähnlich, verstärkt durch niedrige Lagerbestände.

Schifffahrtsunternehmen passen Routen an, was Frachtkosten steigert. Tanker meiden bereits die Zone, wie Daten bestätigen. Dies schafft einen klassischen Supply-Shock: Angebot sinkt, Nachfrage bleibt robust durch wirtschaftliche Erholung in Asien und Europa.

Marktpositionierung und technische Analyse

Händler positionieren sich long in Öl-Futures. Der Anstieg erfolgte in der Nacht zum Montag, mit Brent bis fast 104 Dollar. Technisch durchbrachen beide Benchmarks die 100-Dollar-Marke, ein psychologisch wichtiges Niveau. Widerstände liegen bei 105-110 Dollar. Unterstützung bei 95 Dollar.

Der US-Dollar-Index fiel leicht, was Öl begünstigt, da es dollar-denominiert gehandelt wird. Makrodaten wie chinesische Nachfrageindikatoren stützen den Aufwärtstrend langfristig.

Risiken und Gegenargumente

Nicht alle Faktoren sind bullisch. OPEC+ könnte Produktion erhöhen, um Engpässe auszugleichen. US-Schieferöl-Produktion wächst weiter. Dennoch dominiert derzeit das Geopolitik-Risiko. Investoren sollten Volatilität erwarten, da Verhandlungen jederzeit wieder aufgenommen werden könnten.

In Europa drücken steigende Preise auf Verbraucher. Heizöl-Notierungen könnten in den nächsten Tagen um 2-3 Cent pro Liter steigen, wie Beobachter prognostizieren. Dies betrifft besonders Haushalte in Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Ausblick und nächste Katalysatoren

Nächste Woche erscheinen US-Inventar-Daten (preliminär). Offizielle EIA-Zahlen könnten den Trend bestätigen oder dämpfen. OPEC+-Treffen und weitere US-Statements zu Iran sind entscheidend. Für DAX-Investoren: Energieaktien gewinnen, doch Inflationsängste drücken den Index.

Langfristig bleibt der Ölmarkt straff durch Nachfragewachstum. Der aktuelle Spike unterstreicht die Vulnerabilität gegenüber Geopolitik.

Weiterführende Quellen

Disclaimer: Keine Anlageberatung. Rohstoffe und Finanzinstrumente sind volatil.

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