Ölkonzerne nutzen Nahost-Krise für Preistreiberei
10.03.2026 - 00:00:24 | boerse-global.deTankstellenverbände klagen an: Konzerne verkaufen alten, günstigen Sprit zu aktuellen Krisenpreisen. Die jüngste Explosion der Kraftstoffkosten in Europa hat eine heftige Debatte über die Geschäftspraktiken der Mineralölindustrie entfacht. Während die Konzerne mit geopolitischen Risiken argumentieren, sehen Experten und Politiker gezielte Preistreiberei.
Günstig eingekauft, teuer verkauft
Der Vorwurf der Verbände ist eindeutig: Die Konzerne nutzen die Krise, um ihre Gewinnmargen künstlich aufzublähen. Der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbandes, Herbert Rabl, vergleicht die Strategie mit dem Raubtierkapitalismus des 19. Jahrhunderts. Das Diesel und Benzin, das aktuell an den Zapfsäulen landet, wurde laut Branchenvertretern vor Wochen zu deutlich niedrigeren Marktpreisen eingekauft und lagert seitdem in den Tanks.
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Dennoch wird dieser alte Sprit nun zu den aktuellen Krisenpreisen verkauft. Die Konzerne rechnen Gewinnmargen ein, die in ihren ursprünglichen Kalkulationen nie vorgesehen waren. Für die Verbände ist das klare Preistreiberei, da die realen Mehrkosten für die alte Ware die explosionsartigen Preissprünge bei weitem nicht rechtfertigen.
Frust entlädt sich am Kassierer
Die eigentliche Wut der Autofahrer trifft jedoch die Falschen. Während die Konzerne die Gewinne einstreichen, müssen die unabhängigen Tankstellenpächter und ihre Mitarbeiter den Frust der Kunden aushalten. Sie haben keinen Einfluss auf die Zapfsäulenpreise, die zentral von den Ölmultis vorgegeben werden.
Hans-Joachim Rühlemann vom Verband des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost berichtet von einer enormen psychischen Belastung für das Personal. Kassierer und Stationsleiter werden täglich mit dem Ärger der Kunden konfrontiert. Am ersten März-Wochenende 2026 durchbrach der Dieselpreis vielerorts die Zwei-Euro-Marke und kletterte regional auf bis zu 2,11 Euro – eine Zündschnur für die Stimmung an den Tankstellen.
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Konzerne argumentieren mit Vorsorge
Die Industrie verteidigt die schnellen Preiserhöhungen als notwendige Vorsichtsmaßnahme. Die Blockade der Straße von Hormus durch iranische Kräfte – eine der wichtigsten Ölhandelsrouten der Welt – erfordere finanzielle Puffer, um die künftige Versorgung zu sichern. Die hohen Verkaufspreise spiegelten nicht den historischen Einkaufspreis, sondern die erwarteten Ersatzkosten für neue Ware wider.
Doch Logistikexperten und Wettbewerbshüter zweifeln an der Verhältnismäßigkeit. Während vorausschauendes Risikomanagement branchenüblich sei, nutzten die Konzerne die geopolitische Unsicherheit offenbar, um ihre Margen künstlich zu erhöhen. Ein Muster, das bereits während der Energiekrise 2022 zu beobachten war und nun erneut die internen Preisbildungsalgorithmen der Branche in den Fokus rückt.
Politik fordert schärfere Kontrollen
Die Situation hat politischen Widerstand ausgelöst. SPD-Politikerin Esra Limbacher verurteilt die Strategie scharf: Die Ausnutzung geopolitischer Unsicherheiten für überhöhte Margen sei inakzeptabel. Auch Linken-Chefin Schwerdtner fordert staatliches Eingreifen, etwa in Form einer Übergewinnsteuer für Ölkonzerne.
Das Bundeswirtschaftsministerium kündigte an, die plötzlichen Preissprünge kartellrechtlich zu prüfen. Im Zentrum der politischen Forderungen steht mehr Transparenz in der Lieferkette. Die Verbraucherpreise sollen die tatsächlichen Beschaffungs- und Raffineriekosten genauer widerspiegeln.
Logistikbranche unter Kostendruck
Für Transport und Logistik bedeuten die hohen Preise massive operative Herausforderungen. Obwohl der ADAC zuletzt eine leichte Verlangsamung des Preisanstiegs verzeichnete, bleibt die Kostenspirale auf historisch hohem Niveau. Speditionen müssen ihre Frachtraten neu kalkulieren, was zu spürbar teureren Verbrauchergütern führen wird.
Experten sehen nur zwei Auswege: eine schnelle diplomatische Lösung des Nahost-Konflikts oder entschlossene regulatorische Eingriffe der europäischen Regierungen. Die Tankstellenverbände werden den Druck auf Politik und Konzerne weiter erhöhen. Ihr Ziel ist ein Preismodell, das die Spekulation an den Rohstoffmärkten vom physischen Verkauf des Kraftstoffs entkoppelt.
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