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NIS2-Gesetz: Deutsche Firmen unterschätzen Cybersicherheits-Pflichten

21.02.2026 - 01:51:12 | boerse-global.de

Viele Betriebe halten die verschärften IT-Sicherheitsvorgaben fälschlicherweise für ein reines IT-Projekt. Das Gesetz verlangt tiefgreifende organisatorische Veränderungen und persönliche Verantwortung der Führungsebene.

Die Umsetzungsfrist für das verschärfte IT-Sicherheitsgesetz ist abgelaufen – und offenbart eine gefährliche Fehleinschätzung in deutschen Unternehmen. Eine aktuelle Analyse zeigt: Viele Betriebe halten die NIS2-Richtlinie fälschlicherweise für ein reines IT-Projekt. Dabei verlangt das Gesetz tiefgreifende organisatorische Veränderungen und persönliche Haftung des Managements.

Das deutsche NIS2-Umsetzungsgesetz (NIS2UmsuCG) ist seit dem 6. Dezember 2025 in Kraft. Es modernisiert den Cybersicherheitsrahmen grundlegend und weitet den Kreis der betroffenen Organisationen massiv aus. Statt bisher rund 4.500 Unternehmen fallen nun schätzungsweise 30.000 Einrichtungen unter die strengeren Regeln. Die erste große Hürde steht bereits am 6. März 2026 an: die verpflichtende Registrierung beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Vom Maschinenbau bis zur Pharmaindustrie: Wer ist betroffen?

Das Gesetz erfasst erstmals Branchen wie Maschinenbau, Lebensmittelproduktion, Pharmazie, Logistik und Abfallwirtschaft. Zusammen mit der bereits erfassten kritischen Infrastruktur unterliegen sie nun verschärften Sicherheitspflichten. Alle betroffenen Organisationen – ob als „besonders wichtig“ oder „wichtig“ eingestuft – müssen drei Kernanforderungen erfüllen:

  1. Registrierungspflicht beim BSI über das seit Januar aktive Online-Portal.
  2. Strikte Meldepflicht bei IT-Sicherheitsvorfällen: Erste Meldung binnen 24 Stunden, detaillierte Bewertung in 72 Stunden, Abschlussbericht innerhalb eines Monats.
  3. Umfassendes Risikomanagement mit technischen und organisatorischen Maßnahmen – von Notfallplänen über Lieferketten-Sicherheit bis hin zu Verschlüsselung und Multi-Faktor-Authentifizierung.

Die fatale Fehleinschätzung: Nur ein IT-Problem?

Ein aktueller Report vom 19. Februar 2026 warnt vor einem verbreiteten Trugschluss: Viele Unternehmen delegieren die NIS2-Umsetzung ausschließlich an ihre IT-Abteilung. „Dieser Ansatz ist zum Scheitern verurteilt“, betonen Experten. Das Gesetz verlange explizit ganzheitliche Maßnahmen, die Cybersecurity zur Chefsache machen.

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Kernstück ist die Einführung eines Informationssicherheits-Managementsystems (ISMS), das klare Verantwortlichkeiten definiert und eine unternehmensweite Sicherheitskultur etabliieren muss. Entscheidend ist die neu eingeführte persönliche Haftung der Geschäftsführung. Führungskräfte müssen nun nicht nur die Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen überwachen, sondern auch regelmäßig an Cybersecurity-Schulungen teilnehmen. Diese direkte Verantwortung soll sicherstellen, dass das Thema auf höchster Ebene priorisiert wird.

Strengere Kontrollen und hohe Strafen drohen

Das BSI hat seine Befugnisse deutlich ausgebaut. Die Behörde kann bei Verstößen gegen die Meldepflicht oder Sicherheitsanforderungen hohe Geldbußen verhängen, die am Jahresumsatz des Unternehmens orientiert sind. Die Überwachung unterscheidet sich je nach Klassifizierung: „Besonders wichtige“ Einrichtungen werden regelmäßig kontrolliert, „wichtige“ in der Folge von Vorfällen.

Die verbleibende Zeit bis zur Registrierungsfrist im März ist knapp. Wer sich nicht rechtzeitig beim BSI anmeldet, begeht bereits eine Ordnungswidrigkeit. Doch die Registrierung ist nur der erste Schritt.

Von der Pflicht zur gelebten Praxis

Die Diskussion in Deutschland verschiebt sich nun von der Gesetzgebung zur praktischen Umsetzung. Für zehntausende Unternehmen beginnt ein kontinuierlicher Prozess, der Risikomanagement und Sicherheitsdenken in den Alltag integrieren muss.

Das NIS2-Gesetz wirkt dabei im Verbund mit anderen Regelungen wie dem geplanten KRITIS-Dachgesetz. Gemeinsam sollen sie eine widerstandsfähige digitale Infrastruktur in Deutschland und der EU schaffen. Die Analyse zeigt jedoch: Viele Betriebe haben den organisatorischen Aufwand deutlich unterschätzt. Der Weg zu mehr Cybersicherheit ist kein Technik-Projekt, sondern ein fundamentaler Unternehmenswandel.

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