Nierenfunktion verfälscht Alzheimer-Bluttests
13.02.2026 - 04:39:11Eine große Meta-Analyse mit über 62.000 Teilnehmern zeigt: Eine schwache Niere kann Blutwerte für Alzheimer täuschend erhöhen. Das stellt die vielversprochene Früherkennung per Bluttest vor ein großes Problem.
Die Analyse, die diese Woche veröffentlicht wurde, wertete 93 Studien aus 21 Ländern aus. Das Ergebnis ist eindeutig: Eine eingeschränkte Nierenfunktion führt systematisch zu höheren Konzentrationen wichtiger Alzheimer-Biomarker im Blut. Dazu gehören:
* Tau-Proteine (p-tau)
* Amyloid-β (Aβ40, Aβ42)
* Neurofilament-Leichtkette (NfL)
* Saures Gliafaserprotein (GFAP)
Bluttests gelten als Hoffnungsträger für eine einfache und frühe Alzheimer-Diagnose. Die neuen Erkenntnisse zwingen nun zum Umdenken in der klinischen Praxis.
Die Niere filtert Abfallprodukte aus dem Blut. Bei einer chronischen Nierenerkrankung ist diese Filterfunktion gestört. Die Meta-Analyse belegt: Je niedriger die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) – ein Key-Indikator für die Nierenleistung – desto höher fallen die Blutwerte der Alzheimer-Marker aus.
Die Forscher vermuten einen einfachen Mechanismus: Die Proteine werden bei Nierenschwäche nicht mehr ausreichend ausgeschieden und reichern sich im Blut an. Das geschieht unabhängig davon, ob im Gehirn bereits Alzheimer-Pathologien vorliegen.
Interessant: In der Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) war der Zusammenhang zwischen Nierenfunktion und Biomarkern nicht signifikant. Der Effekt scheint also vor allem das periphere Blut außerhalb des Gehirns zu betreffen.
Folgen für die Diagnose: Risiko falscher Alarme
Für Ärzte bedeutet das: Sie müssen künftig die Nierenwerte ihrer Patienten kennen, um Bluttests richtig zu interpretieren. Sonst drohen falsch-positive Ergebnisse.
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Eine schwedische Langzeitstudie des Karolinska Institutet bestätigte den Effekt. Bei fast 2.300 über acht Jahre beobachteten Personen hatten Probanden mit schwächerer Niere stets höhere Alzheimer-Blutwerte.
Die Kombination aus Nierenschwäche und hohen Biomarker-Werten könnte besonders riskant sein: Personen mit beidem hatten ein fast doppelt so hohes Demenzrisiko. Das legt nahe, dass Nierenprobleme den Ausbruch bei biologisch vorbelasteten Menschen beschleunigen können.
Ein komplexes Zusammenspiel
Der Zusammenhang zwischen Niere und Gehirn ist nicht neu. Frühere Studien zeigten, dass eine chronische Nierenerkrankung ein eigenständiger Risikofaktor für Demenz sein kann. Eine Untersuchung fand sogar ein um 162 Prozent erhöhtes Risiko bei schwerer Nierenschwäche.
Die Mechanismen gehen vermutlich über die reine Anreicherung von Proteinen hinaus. Die neue Meta-Analyse macht nun aber den Störfaktor für die Blutdiagnostik quantitativ fassbar.
Was kommt jetzt? Der Weg zu präziseren Tests
Die Forschung steht nun vor einer dringenden Aufgabe: Sie muss Wege finden, die Blutwerte an die individuelle Nierenfunktion anzupassen. Denkbar sind spezielle Algorithmen oder korrigierte Referenzbereiche, die die eGFR eines Patienten einbeziehen.
Erst solche verfeinerten Methoden können das volle Potenzial der Alzheimer-Bluttests ausschöpfen. Sie sollen die Diagnose ja eigentlich revolutionieren – und nicht durch verzerrte Werte zu Fehlschlüssen führen.
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