New-Delhi-Erklärung: 88 Staaten einigen sich auf globale KI-Vision
23.02.2026 - 06:53:12 | boerse-global.deIn einer seltenen Einmütigkeit haben sich 88 Nationen auf eine gemeinsame Vision für künstliche Intelligenz geeinigt. Die USA, China, Russland und die EU unterzeichneten am Wochenende die New-Delhi-Erklärung, die eine gerechtere globale KI-Entwicklung fördern soll. Das nicht-bindende Abkommen markiert einen diplomatischen Durchbruch in Zeiten technologischer Großmachtkonkurrenz.
Der Gipfel in Indien war die erste große KI-Konferenz im Globalen Süden. Im Fokus stand die Frage, wie Schwellen- und Entwicklungsländer von der Schlüsseltechnologie profitieren können, statt abgehängt zu werden. Die Erklärung setzt auf einen freiwilligen Kooperationsrahmen statt auf starre Regeln – eine strategische Entscheidung, die den breiten Konsens erst ermöglichte.
Sieben „Chakras“ für die KI-Zusammenarbeit
Das Abkommen strukturiert seine Ziele um sieben zentrale Säulen, sogenannte „Chakras“. Diese reichen von der Demokratisierung von KI-Ressourcen über den Einsatz für wirtschaftliches Wachstum bis hin zu sicheren und vertrauenswürdigen Systemen. Konkret kündigte die Erklärung mehrere globale Initiativen an.
Ein „Charter for the Democratic Diffusion of AI“ soll den Zugang zu KI-Grundmodellen und Rechenleistung weltweit verbilligen. Eine „Global AI Impact Commons“ wird als Plattform für erfolgreiche KI-Anwendungsfälle dienen. Und ein „Trusted AI Commons“ soll Werkzeuge und Standards für sichere KI bündeln. Die Botschaft ist klar: Praxisnahe Zusammenarbeit soll Vorrang vor bürokratischer Regulierung haben.
Schwerpunkt: Den globalen KI-Graben überwinden
Ein Kernanliegen ist die Verhinderung einer wachsenden KI-Spaltung zwischen reichen und armen Nationen. Gastgeber Indien positionierte sich als Brückenbauer zwischen KI-Erzeugern und reinen Konsumenten. Die Erklärung fordert bezahlbare Konnektivität und fördert Open-Source-Ökosysteme, um lokale Innovationen zu stärken.
Diese Absichten wurden durch konkrete Projekte untermauert. Italien, Indien und Kenia unterzeichneten ein trilaterales Abkommen, um die KI-Infrastruktur in Afrika auszubauen. Bis 2026 sollen 15 hochwirksame KI-Projekte starten – eine neuartige Kooperation zwischen Europa, Asien und Afrika im Tech-Sektor.
UN-Generalsekretär warnt und fordert Milliarden
Die Vereinten Nationen nutzten den Gipfel für klare Worte. Generalsekretär António Guterres warnte davor, die Zukunft der KI „den Launen einiger Milliardäre“ zu überlassen. Er forderte verbindliche Leitplanken und rief offiziell die Einrichtung eines „Global Fund on AI“ mit einem Zielvolumen von drei Milliarden US-Dollar ins Leben.
Passend zur globalen Debatte um Regeln und Pflichten – die EU-KI-Verordnung ist bereits in Kraft und bringt Kennzeichnungspflichten, Risikoklassen und umfangreiche Dokumentationsanforderungen mit sich. Ein kostenloses E‑Book erklärt kompakt, welche Pflichten auf Entwickler, Anbieter und Anwender zukommen und wie Sie Ihr System richtig klassifizieren und rechtskonform dokumentieren. EU-KI-Verordnung: Kostenlosen Umsetzungsleitfaden herunterladen
Das Geld soll Ländern des Globalen Süden zugutekommen, etwa für Qualifizierungsprogramme und Zugang zu bezahlbarer Rechenleistung. Zudem betonte Guterres die Rolle eines neu gegründeten UN-Wissenschaftspanels für KI. Es soll faktenbasierte Einschätzungen zu den gesellschaftlichen Auswirkungen liefern und so die Debatte versachlichen.
Konsens trotz grundsätzlicher Differenzen
Die Einigung von so unterschiedlichen Akteuren wie den USA, China und Russland ist bemerkenswert. Doch der scheinbare Konsens trügt. Ein Vertreter des Weißen Hauses stellte auf dem Gipfel klar, dass die USA eine „globale KI-Governance komplett ablehnen“. Statt zentraler Kontrolle setzt Washington auf marktgetriebene Innovation.
Diese Haltung unterstreicht den grundlegenden Konflikt hinter der gemeinsamen Vision. Die nicht-bindende Natur der New-Delhi-Erklärung erlaubt es den Nationen, die übergeordneten Ziele zu unterstützen, während sie gleichzeitig eigene Wege gehen – von der risikobasierten Regulierung der EU bis zur innovationsfreundlichen US-Politik.
Der schwierige Weg von der Absicht zur Tat
Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt. Die Erfolgskriterien sind klar: Werden die angekündigten Initiativen mit Leben gefüllt? Kommt der UN-Fonds zustande? Und gelingt es, die unterschiedlichen nationalen Ansätze unter dem Dach der „KI für alle“-Vision zu koordinieren?
Der nächste große Prüfstein ist der erste UN-geführte globale KI-Governance-Dialog im Juli 2026. Bis dahin muss sich zeigen, ob der Geist von Neu-Delhi anhält oder ob die geopolitischen Realitäten die kooperative Vision doch wieder überlagern. Die Uhr tickt.
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