Neue EU-Regeln erschweren Handel mit dem Irak
05.01.2026 - 16:23:13Ab 21. Januar gelten verschärfte Importkontrollen für irakische Erdölprodukte. Gleichzeitig führen neue irakische Vorschriften zu einem „doppelten Compliance-Druck“ für europäische Unternehmen.
Brüssel/Bagdad – Das neue Jahr beginnt für europäische Unternehmen, die mit dem Irak handeln, mit einer verschärften regulatorischen Lage. Die EU hat zum Jahreswechsel 2026 ein verschärftes Compliance-Rahmenwerk in Kraft gesetzt. Es betrifft vor allem den Energiesektor und trifft auf neue irakische Importvorschriften. Die Folge: ein massiver bürokratischer Mehraufwand und drohende Lieferverzögerungen.
Strikter Nachweis für Erdölimporte ab 21. Januar
Der wichtigste neue Eingriff ist eine verschärfte EU-Importkontrolle. Ab dem 21. Januar 2026 dürfen Händler Erdölprodukte der Zolltarifnummer CN 2710 nur noch einführen, wenn sie lückenlos nachweisen können, dass für deren Herstellung kein russisches Rohöl verwendet wurde.
Diese Maßnahme zielt darauf ab, Umgehungen der Russland-Sanktionen zu unterbinden. Für irakische Exporteure und ihre europäischen Partner bedeutet das eine enorme Herausforderung. Sie müssen für jede Lieferung detaillierte Dokumente vorlegen, die die Herkunft des verwendeten Rohöls belegen – etwa Laboranalysen oder lückenlose Transportdokumente.
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„Risikobasierte Sorgfaltspflicht reicht nicht mehr aus“, heißt es aus Kreisen der EU-Kommission. Importeure tragen nun die volle Beweislast. Können sie den Nachweis nicht erbringen, riskieren sie die Zurückweisung der Ware an der EU-Grenze. Große Energiehändler haben bereits begonnen, ihre Lieferverträge mit irakischen Partnern zu überprüfen.
Verlängerte Sanktionen und neue irakische Hürden
Parallel hat die EU ihre spezifischen restriktiven Maßnahmen gegenüber dem Irak bestätigt. Die Vermögenssperren gegen Personen und Unternehmen des früheren Regimes bleiben in Kraft. Finanzinstitute müssen alle Irak-Transaktionen gegen die aktualisierten Sanktionslisten prüfen.
Auf der anderen Seite des Handelsverkehrs kommt ein neues Hindernis hinzu: Seit dem 1. Januar 2026 verlangt der irakische Zoll für alle kommerziellen Importe eine verbindliche Vorabmeldung vor dem Versand. EU-Exporteure müssen eine digitale Erklärung einreichen und eine Referenznummer erhalten, bevor die Ware die EU verlässt.
Diese doppelte Belastung – strengere EU-Regeln für irakische Waren und strengere irakische Regeln für EU-Waren – treibt die administrativen Kosten in die Höhe. Logistikverbände rechnen mit 48 bis 72 Stunden zusätzlicher Bearbeitungszeit pro Sendung.
Analyse: Die Beweislast liegt nun beim Händler
Die Entwicklungen markieren einen klaren Kurswechsel der EU. Statt pauschaler Embargos setzt Brüssel nun auf „Präzisions-Compliance“. Die gesamte Beweislast wird auf die handelnden Unternehmen verlagert.
Die neuen CN-2710-Regeln sind dafür beispielhaft. Indem Importeure eine Negativaussage beweisen müssen (dass kein russisches Öl verwendet wurde), verlangt die EU ein Transparenzniveau, das viele irakische Raffinerien kurzfristig kaum erfüllen können. Experten erwarten daher vorübergehende Handelsumlenkungen. EU-Abnehmer könnten auf Lieferanten mit digitalisierten und transparenten Lieferketten ausweichen.
Dieser Ansatz zeigt sich auch in der dualen Strategie der EU: Während sie die Handelsbarrieren hochhält, unterstützt sie gleichzeitig den Reformprozess im Irak. Das Mandat der EU Advisory Mission (EUAM) im Irak wurde bis April 2026 verlängert. Die Paradoxie bleibt: Staatlicher Aufbau wird gefördert, während der Marktzugang durch hohe Compliance-Hürden erschwert wird.
Ausblick: Wichtige Termine im ersten Quartal 2026
Der nächste kritische Stichtag ist der 21. Januar. Dann treten die CN-2710-Beschränkungen in Kraft. Beobachter rechnen mit kurzen Disruptionen, während die Zollbehörden der Mitgliedstaaten mit der Umsetzung beginnen. Unternehmen sollten ihre Lieferketten sofort überprüfen und alle Herkunftsnachweise besorgen.
Auf diplomatischer Ebene werden im Laufe des Quartals Gespräche über eine mögliche Aufhebung des EU-Landeverbots für Iraqi Airways wiederaufgenommen. Trotz positiver Sicherheitsaudits signalisiert Brüssel Zurückhaltung. Lockerungen würden nur schrittweise und leistungsabhängig erfolgen.
Die Botschaft aus Brüssel ist eindeutig: Der Zugang zum Binnenmarkt bleibt offen, aber nur für jene, die jede Station ihrer Lieferkette lückenlos dokumentieren können.
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