Nestlé, Danone

Nestlé und Danone fordern Stabilität für EU-Entwaldungsverordnung

21.03.2026 - 00:00:36 | boerse-global.de

Ein Bündnis aus Konzernen und Umweltgruppen fordert die EU-Kommission auf, die Kernstandards der Entwaldungsverordnung beizubehalten, um Planungssicherheit für Milliardeninvestitionen zu schaffen.

Nestlé und Danone fordern Stabilität für EU-Entwaldungsverordnung - Foto: über boerse-global.de
Nestlé und Danone fordern Stabilität für EU-Entwaldungsverordnung - Foto: über boerse-global.de

Ein ungewöhnliches Bündnis aus Konzernen und Umweltgruppen stemmt sich gegen weitere Aufweichungen der umstrittenen EU-Entwaldungsverordnung. Angeführt von Lebensmittelriesen wie Nestlé und Danone fordern sie von der EU-Kommission endlich Planungssicherheit – und stellen sich damit gegen internationale Handelsdruck.

Unternehmen pochen auf Investitionsschutz

In einer gemeinsamen Petition an EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall vom 17. März 2026 appellierten die Unternehmen eindringlich, den Kern der Verordnung nicht noch einmal aufzuschnüren. Der Grund: Sie haben bereits Milliarden Euro in die Compliance investiert. Globale Beschaffungsstrategien wurden umgekrempelt, aufwendige Rückverfolgungssysteme eingeführt und Geodaten von Anbauflächen erhoben.

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„Eine dritte Überarbeitung der Grundregeln in dieser späten Phase würde Unternehmen bestrafen, die vorausschauend gehandelt haben“, heißt es in dem Schreiben. Statt neuer Gesetzesdebatten fordern die Unterzeichner klare technische Leitfäden und mehr Unterstützung für Kleinbauern. Die Botschaft ist klar: Der regulatorische Dauerzustand muss ein Ende haben.

April-Review als politisches Minenfeld

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Bis zum 30. April 2026 muss die EU-Kommission einen vereinfachenden Überprüfungsbericht vorlegen. Kritiker der Verordnung hoffen auf diesen Termin, um weitere Ausnahmen oder Streichungen von Produktkategorien durchzusetzen.

Doch das Bündnis aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft stellt sich quer. Es pocht darauf, dass sich der Review auf die Reduzierung bürokratischer Hürden – etwa durch bessere digitale Meldesysteme – konzentrieren muss. Die materiellen Umweltstandards dürften nicht angetastet werden. Die Fristen stehen: Große und mittlere Unternehmen müssen bis 30. Dezember 2026 konform sein, kleine Betriebe haben bis Juni 2027 Zeit.

USA erhöhen den Druck auf Brüssel

Während europäische Konzerne Stabilität fordern, kommt von außen massiver Gegenwind. US-Landwirtschaftsvertreter tourten Mitte März durch europäische Hauptstädte und warnten vor den Folgen der Verordnung. Die strengen Geodaten-Regeln könnten amerikanische Produzenten vom EU-Markt vertreiben, so das Argument.

Besonders brisant: Die europäische Viehwirtschaft ist auf Soja-Importe aus den USA angewiesen. Washington schätzt das gefährdete Handelsvolumen auf 7,8 Milliarden Euro jährlich. Umweltgruppen wie der WWF kontern: Auch in den USA gebe es erhebliche Waldverluste, ein Sonderstatus sei nicht gerechtfertigt. Der transatlantische Konflikt erhöht den Druck auf die Kommission, die Regeln doch noch zu lockern.

Praxis statt Politik: Neue Plattform für Umsetzung

Abseits der politischen Scharmützel rückt die praktische Umsetzung in den Fokus. Das Europäische Forstinstitut startete am 11. März eine „Community of Practice“ – eine öffentlich-private Plattform für den Erfahrungsaustausch. Technikexperten, Zertifizierer und Behörden probieren hier gemeinsam die Compliance-Prozesse für die sieben regulierten Rohstoffe wie Kakao, Kaffee und Soja trocken.

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Die Initiative zeigt: Die Branche sucht nach pragmatischen Lösungen für die komplexen Lieferketten. Viele Experten halten solche technischen Foren für wirksamer als endlose Gesetzesdebatten. Die Botschaft an die Politik: Lasst uns endlich arbeiten.

Warum Konzerne plötzlich für strenge Regeln kämpfen

Das ungewöhnliche Engagement der Unternehmen markiert eine Zeitenwende in der ESG-Compliance. Haben Konzerne erst einmal hohe Summen in nachhaltige Lieferketten investiert, wird regulatorische Unsicherheit zum größten Geschäftsrisiko. Stranded Assets – wertlos gewordene Compliance-Investitionen – sind der Albtraum jedes Nachhaltigkeitsmanagers.

Marktbeobachter rechnen deshalb damit, dass die EU-Kommission auf die Warnungen des Bündnisses hören wird. Zwar dürfte der April-Bericht Erleichterungen für Kleinstunternehmen und ein überarbeitetes IT-System bringen. Eine Aufweichung der Kernstandards für entwaldungsfreie Produkte erscheint jedoch immer unwahrscheinlicher. Der Widerstand von Wirtschaft und NGOs zeigt gemeinsam Wirkung.

Die kommenden Wochen bis zum 30. April sind entscheidend. Bestätigt die Kommission den bestehenden Rahmen, beginnt der Endspurt für die Umsetzung. Acht Monate bleiben dann den großen Playern, um ihre Systeme final zu implementieren. Gelingt der Spagat zwischen ambitioniertem Umweltschutz und handelspolitischer Vernunft? Die Antwort gibt sich nicht in Brüssel, sondern in den globalen Lieferketten, die Unternehmen wie Nestlé jetzt auf Vordermann bringen müssen.

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