National Grid plc, GB00BDR05C01

National Grid plc Aktie: UBS senkt Rating auf Sell – Deutsche Bank bleibt optimistisch

16.03.2026 - 19:36:53 | ad-hoc-news.de

Analystenstreit um die britische Infrastruktur-Aktie: Während die UBS wegen extremer Bewertungsprämien die Notierung herabstuft, sieht die Deutsche Bank Chancen in der steigenden Stromnachfrage. ISIN: GB00BDR05C01

National Grid plc, GB00BDR05C01 - Foto: THN
National Grid plc, GB00BDR05C01 - Foto: THN

Die National Grid plc Aktie (ISIN: GB00BDR05C01) gerät unter Druck, nachdem die UBS am Freitag das Rating von Neutral auf Sell herabgestuft hat. Gleichzeitig hob die Schweizer Großbank ihr Kursziel von 1100 auf 1160 Pence an – ein klassisches Paradoxon, das die Spannungen am Markt offenbart. Die Diskrepanz zeigt: Es geht nicht um fundamentale Schwächen des Unternehmens, sondern um die Frage, wer zu viel für eine stabile Infrastruktur-Aktie bezahlen soll. Für deutschsprachige Investoren mit Versorgerwerten im Portfolio ist das ein wichtiges Warnsignal – gerade weil die Branche derzeit von Energiewende und KI-Stromnachfrage profitiert.

Stand: 16.03.2026

Autor: Klaus Bergmann, Ressortleiter Infrastruktur und Versorgungswirtschaft. Die Bewertungsfrage beim britischen Netzbetreiber offenbart ein klassisches Spannungsfeld zwischen Stabilitäts- und Renditetreibern in der europäischen Energieinfrastruktur.

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Was ist passiert: Bewertungspremie auf Extremniveau

Die UBS-Einstufung auf Sell rückt ein zentrales Problem in den Fokus: Die Bewertungsprämie auf den Wert der regulierten Infrastruktur (RAB – Regulated Asset Base) des britischen Netzbetreibers liegt nach Einschätzung von Analyst Mark Freshney auf Extremniveau. Das bedeutet konkret: National Grid zahlt für seine stabilen, regulierten Geschäfte einen höheren Preis am Markt, als sich durch die Fundamentaldaten rechtfertigen lässt. Während die Deutsche Bank Research parallel das Kursziel erhöht und die Buy-Einstufung beibehält, wird die Kluft zwischen den Analysten-Lagern deutlich.

Die Kurszielerhöhung der UBS auf 1160 Pence basiert auf erhöhten Gewinnschätzungen für 2027 und 2028. Das ist das Interessante: Die UBS traut National Grid die Gewinne zu, sieht aber die aktuelle Aktienbewertung nicht als Einstiegschance. Für Marktteilnehmer ist das eine klare Botschaft – nicht auf den fundamentalen Outlook, sondern auf die Einstiegsbewertung kommt es an.

Warum der Markt jetzt reagiert: KI, Rohstoffe, Stromnachfrage

Die Deutsche Bank sieht in dem aktuellen Marktumfeld klare Chancen für Versorgerwerte wie National Grid. Der Gedanke: Während Europas Aktienmärkte von Sorgen um Künstliche Intelligenz, steigende Rohstoffpreise und ein sich abschwächendes wirtschaftliches Umfeld belastet werden, sind Versorger mit physischen Vermögenswerten weniger KI-Risiken ausgesetzt. Gleichzeitig profitieren sie von der steigenden Stromnachfrage durch Rechenzentren, digitale Infrastruktur und Elektrifizierung.

National Grid ist in diesem Kontext ein bevorzugtes Exponat: Der britische Netzbetreiber betreibt Stromübertragungs- und Verteilnetze in Großbritannien und verfügt über signifikante Geschäfte in Neuengland und New York. In Zeiten der Energiewende und des massiven Strombedarfs für KI-Infrastruktur ist ein stabiler Netzbetreiber theoretisch unverzichtbar. Das erklärt, warum die Fundamentals stabil sind und Analysten wie die Deutsche Bank höhere Gewinne für 2027 und 2028 erwarten.

Allerdings hat diese Erkenntnis bereits zu kräftigen Kursgewinnen geführt. Die National Grid Aktie verzeichnete im vergangenen Jahr eine Performance von etwa 23 Prozent und notiert derzeit etwa auf ihrem 52-Wochen-Hoch. Das ist für eine defensive Infrastruktur-Aktie ein beeindruckender Gewinn – und genau hier setzt die UBS-Kritik an.

Die Bewertungsfrage: Wann ist eine Infrastruktur-Aktie zu teuer?

Versorgerwerte werden traditionell über das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) und die Dividendenrendite bewertet. National Grid hat derzeit eine Marktkapitalisierung von etwa 79 bis 80 Milliarden Euro und verfügt über ein KGV von etwa 16. Das ist für eine Utility nicht extrem hoch, wirkt aber im Kontext der Bewertungsprämie auf die regulierte Vermögensbasis relevant. Die Dividendenrendite liegt bei etwa 4,6 Prozent – für ein stabiles Infrastrukturunternehmen ein moderates Niveau, das bei fallenden Zinsen weniger attraktiv wirkt als in Phasen von höheren Kapitalmarktzinsen.

Der RAB-Multiple-Ansatz ist für Investoren in Infra-Utilities relevant: Hier wird die Marktbewertung ins Verhältnis zum regulierten Vermögen gesetzt, das der Netzbetreiber betreiben darf. Ein hoher Multiple bedeutet: Der Markt zahlt einen Aufschlag für Stabilität, Wachstums-Optionen oder strategische Bedeutung. Die UBS warnt jetzt, dass dieser Aufschlag bei National Grid extreme Höhen erreicht hat – möglicherweise weil die KI- und Energiewende-Story bereits vollständig in den Kurs eingepreist ist.

Das ist ein klassisches Dilemma für Growth-orientierte Investoren in Defensiv-Werten: Die besseren Fundamentals rechtfertigen teilweise einen höheren Multiple – aber nicht unbegrenzt. Die Frage, wann Bewertung und Fundamentals wieder in Einklang kommen, bleibt offen.

Deutsche-Bank-These: Warum Versorger jetzt gebraucht werden

Die Deutsche Bank argumentiert differenzierter. Analyst James Brand betont, dass britische Versorger wie SSE und National Grid von der steigenden Stromnachfrage profitieren sollten – und dass die Branche trotz der kräftigen Aktienkurssteigerungen im vergangenen Jahr gut positioniert ist. Das ist ein wichtiges Argument: Es geht nicht um Bewertungs-Euphorie, sondern um fundamentale Neuausrichtung des Strommarkts.

National Grid ist nicht nur Netzbetreiber, sondern auch Stromübertragungsbetreiber (UK Electricity System Operator) und verfügt über international Geschäftstätigkeit in den USA (Neuengland, New York). Diese Diversifikation und die kritische Rolle in der britischen Energieversorgung könnten tatsächlich einen strukturellen Aufschlag rechtfertigen – sofern das Management die Transformation zur Grünen Energie erfolgreich bewältigt und von neuen Strom-Nachfrage-Quellen profitiert.

Für diese Sicht sprechen die erhöhten Gewinnschätzungen. Wenn National Grid tatsächlich 2027 und 2028 deutlich höhere Gewinne ausfährt – wie sowohl UBS als auch Deutsche Bank annehmen – dann könnte ein KGV von 16 bald deutlich günstiger wirken. Das ist die Chance, die Optimisten wie die Deutsche Bank sehen.

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Relevanz für deutschsprachige Investoren: ETFs und direkte Positionen

National Grid ist ein bedeutsamer Bestandteil europäischer und globaler Versorgerwerte-Indizes. Viele Investoren in Deutschland, Österreich und der Schweiz halten die Aktie indirekt über Branchenfonds oder Dividenden-ETFs. Der iShares UK Dividend ETF beispielsweise hält eine Position von etwa 3,8 Prozent des Fonds-Vermögens in National Grid – ein zentrales Kernbestandteil für Anleger, die auf britische Dividendenzahler setzen.

Für deutschsprachige Investoren mit direkten Positionen oder mit Versorgerwerte-Fonds stellt sich jetzt die Frage: Ist die Bewertung noch attraktiv, oder sollte man auf einen Rückgang warten? Die Antwort hängt stark vom Anlagehorizont und von der Erwartung an die Gewinn-Entwicklung 2027/2028 ab. Wer langfristig auf Infrastruktur-Stabilität und Dividenden setzt, könnte auch aktuelle Bewertungen rechtfertigen – insbesondere wenn die KI- und Elektrifizierungs-Narrative wirklich zu höheren Strommengen und damit besseren Gebühreneinnahmen führen.

Wer dagegen kurzfristig eine Bewertungs-Korrektur erwartet, sollte die UBS-Warnung ernst nehmen. Ein Rückgang auf das UBS-Kursziel von 1160 Pence (bei aktuellen Notierungen von etwa 1180-1200 Pence im Londoner Handel) würde etwa 2-3 Prozent Downside bedeuten – kalkulierbar, aber nicht dramatisch. Größeres Risiko sehen Skeptiker, wenn die Stromnachfrage nicht so stark steigt wie erwartet oder wenn Regulierungsprozesse in Großbritannien zu niedrigeren Gebühren führen.

Risiken und offene Fragen: Was könnte schiefgehen?

Die Hauptrisiken für National Grid sind regulatorischer und nachfrage-seitig. Großbritannien hat eine aktive Regulierungsbehörde (Ofgem), die die Gebührensätze für Netzbetreiber bestimmt. Wenn die Regulierung strenger wird oder die Investitionsrenditen gesenkt werden, leidet die Profitabilität direkt. Das ist ein strukturelles Risiko für alle Utility-Investoren in regulierten Märkten.

Ein zweites Risiko: Die Stromnachfrage-Annahmen könnten zu optimistisch sein. Während KI-Rechenzentren tatsächlich massiv Strom brauchen, ist unklar, wie schnell dieser Bedarf in Großbritannien und den USA tatsächlich wächst – und wie viel davon National Grid direkt zugute kommt. Finanzierungskosten sind ebenfalls relevant: Bei steigenden Zinsen verteuert sich die Refinanzierung der massiven Investitionen in Netzausbau und Modernisierung.

Ein drittes Thema: Die Bewertungs-Frage ist ungelöst. Selbst wenn die Gewinne 2027/2028 steigen, bedeutet das nicht automatisch, dass der Kurs nachzieht. Es könnte sein, dass die Bewertungsprämie schrumpft, während die Gewinne wachsen – das Ergebnis wäre seitwärts bis leicht fallende Kurse trotz besserer Fundamentals. Das ist für Investoren frustrierend und rechtfertigt die UBS-Vorsicht.

Fazit: Abwägen statt Karrenbewegung

Die Analystenspanne zwischen UBS (Sell, 1160 Pence Kursziel) und Deutschen Bank (Buy, 1430 Pence Kursziel) spiegelt echte Unsicherheit wider – nicht über die Geschäfte von National Grid, sondern über die richtige Bewertung. Für DACH-Investoren bedeutet das: Wer bereits eine Position hält, kann diese behalten, wenn der Anlagehorizont lang ist und die Erwartung an Stromnachfrage-Wachstum hoch. Wer neu einsteigen will, sollte nicht zum aktuellen Bewertungs-Hoch kaufen, sondern auf eine Korrektur warten oder kleinere Positionen aufbauen.

Die Fundamentals von National Grid sind solide, und die langfristigen Wachstumstreiber (Energiewende, Electrification, KI-Stromnachfrage) sind real. Aber der Markt hat diese Geschichte bereits teilweise eingepreist. Die nächste Katalysatoren werden sein: Offizielle Stromnachfrage-Prognosen aus Großbritannien und den USA, Regulierungs-Updates von Ofgem und ersten Berichte zu tatsächlichen Investitions-Mengen in Netzausbau. Bis dahin: aufmerksam beobachten, aber nicht in Aktionismus verfallen.

Disclaimer: Keine Anlageberatung. Aktien sind volatile Finanzinstrumente.

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