MultiChoice Group Ltd, ZAE000269890

MultiChoice-Übernahme: Lohnt sich der Einstieg für deutsche Anleger jetzt noch?

19.02.2026 - 16:38:45 | ad-hoc-news.de

Der südafrikanische Pay-TV-Konzern MultiChoice steht vor der Übernahme durch Canal+. Die Prämie scheint verlockend – doch was bedeutet das für deutsche Anleger, die jetzt noch einsteigen wollen oder bereits investiert sind?

Bottom Line zuerst: Der südafrikanische Medienkonzern MultiChoice Group Ltd steht mit einem bindenden Übernahmeangebot des französischen Medienriesen Canal+ (Vivendi) faktisch vor dem Delisting – zu einem deutlichen Aufschlag auf den früheren Kurs. Für deutsche Anleger stellt sich jetzt die Frage: Übernahmeprämie noch einsammeln – oder Finger weg, weil der Zug längst abgefahren ist?

Was Sie jetzt wissen müssen: Die Bewertung ist durch das Angebot nach oben gedeckelt, gleichzeitig bleiben Währungsrisiken, regulatorische Unsicherheiten in Afrika und ein begrenzter Zeithorizont bis zum Dealabschluss. Wer aus Deutschland über internationale Broker oder Zertifikate engagiert ist, sollte die Lage nüchtern neu durchrechnen.

Offizielles Unternehmensprofil und Investor-Infos von MultiChoice

Analyse: Die Hintergründe des Kursverlaufs

MultiChoice Group Ltd ist der führende Pay-TV- und Streaming-Anbieter in Afrika (u.a. DStv, GOtv, Showmax). Die Aktie ist primär an der Johannesburg Stock Exchange (JSE) notiert und in Europa nur über ausgewählte Broker und Derivate handelbar. Für deutsche Anleger ist der Wert eher ein Nischen-Investment – aber genau solche Sondersituationen mit Übernahmefantasie sorgen im Depot oft für überdurchschnittliche Renditechancen.

Der entscheidende Kurstreiber der vergangenen Monate war die schrittweise Annäherung von Canal+ an MultiChoice. Der französische Konzern hatte seine Beteiligung sukzessive ausgebaut und nun ein formales Übernahmeangebot vorgelegt. Die Offerte beinhaltet eine signifikante Prämie auf frühere Kurse, was den Aktienpreis in kurzer Zeit nach oben katapultiert hat.

Wichtig: Der aktuelle Kurs orientiert sich im Wesentlichen am gebotenen Übernahmepreis, abgezinst um Deal-Risiken (z.B. Genehmigungen, regulatorische Auflagen, Fristverlängerungen). Das begrenzt das weitere Aufwärtspotenzial, bietet aber gleichzeitig eine Art "weichen Boden" nach unten – solange der Markt an einen erfolgreichen Abschluss glaubt.

Key Fact Einordnung für Anleger
Branche Pay-TV, Streaming, Sportrechte, afrikanischer Medienmarkt
Heimatbörse Johannesburg Stock Exchange (JSE), Handel in ZAR
Übernahmeinteressent Canal+ (Teil des französischen Vivendi-Konzerns)
Transaktionsstruktur Vollübernahme mit geplanter Dekotierung (Delisting) von der Börse
Haupttreiber des Kursanstiegs Übernahmeprämie und Kontrollwechsel, weniger operative Fantasie
Risiken Regulatorische Freigaben in mehreren afrikanischen Ländern, Wechselkurs ZAR/EUR, mögliche Anpassungen der Angebotskonditionen

Für deutsche Anleger ist vor allem die Währungskomponente zentral: Die Aktie notiert in südafrikanischen Rand (ZAR), während die Übernahme aus Sicht europäischer Investoren in Euro beurteilt wird. Ein stärkerer oder schwächerer Rand kann die in Euro gerechnete Rendite merklich verschieben – selbst wenn der Dealpreis in ZAR unverändert bleibt.

Hinzu kommt: Viele deutsche Privatanleger haben keinen direkten Zugang zur JSE. Stattdessen erfolgt das Engagement über ausländische Broker, außerbörslichen Handel oder Zertifikate (z.B. bei Lang & Schwarz, Tradegate, oder via strukturierten Produkten von deutschen Emittenten). Das erhöht die Bedeutung von Spreads und Liquidität – Faktoren, die bei engen Übernahmesituationen besonders kritisch sind.

Operativ ist MultiChoice ein spannendes, aber anspruchsvolles Investment: Auf der einen Seite steigende Streaming-Nutzung in Afrika, wachsende Mittelschicht, starke Sportrechte (insbesondere Fußball und Rugby). Auf der anderen Seite hohe Kosten für Inhalte, Währungsvolatilität in mehreren Märkten und eine deutliche Abhängigkeit von Sport- und Premiumabos. Genau deshalb ist der Einstieg eines finanzstarken strategischen Partners wie Canal+ von vielen Analysten als logischer Konsolidierungsschritt gewertet worden.

Warum die Übernahme gerade für europäische Investoren Sinn ergibt

Aus Sicht von Canal+ und Vivendi ist MultiChoice ein Brückenkopf in einen Wachstumsmarkt, der sich strukturell von Europa unterscheidet. Während in Deutschland und Westeuropa der Streamingmarkt bereits reif ist und ein hoher Verdrängungswettbewerb herrscht, wächst die Penetration in Afrika teilweise noch zweistellig. Deutschland spielt indirekt eine Rolle, weil französische und europäische Medienkonzerne zunehmend global skalieren müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben – auch gegenüber US-Giganten wie Netflix, Disney oder Amazon.

Für deutsche Anleger ergibt sich daraus eine doppelte Perspektive:

  • Direkt über ein Engagement in MultiChoice (bzw. die Übernahmeprämie).
  • Indirekt über Investitionen in europäische Medienwerte wie Vivendi oder andere Player, die vom Deal profitieren könnten.

Wer in Deutschland etwa über einen internationalen Aktienfonds oder einen aktiv gemanagten Schwellenländer-Fonds investiert ist, könnte bereits MultiChoice-Exposure im Depot haben, ohne es zu wissen. Viele Emerging-Markets-Manager haben MultiChoice als Kernposition für den afrikanischen Konsum- und Mediensektor gehalten. Mit der anstehenden Übernahme stellt sich die Frage: Reinvestieren diese Fonds die frei werdende Liquidität in andere afrikanische Titel – oder eher in globalere Wachstumsstories?

Risiko-Rendite-Profil für Neueinsteiger aus Deutschland

Nach Bekanntgabe eines bindenden Übernahmeangebots stellt sich für neue Anleger typischerweise nur noch eine Frage: Lohnt das Chance/Risiko-Verhältnis der verbliebenen Spanne zwischen aktuellem Kurs und Angebotspreis?

Vereinfacht lässt sich das Szenario für MultiChoice so skizzieren:

  • Basisszenario: Der Deal wird zu den kommunizierten Konditionen durchgezogen, die Aktie wird dekotiert, Anleger erhalten den gebotenen Preis in ZAR, der dann in Euro umgerechnet wird.
  • Upside-Szenario: Wettbewerb um die Kontrolle, leichtes Nachbessern des Angebots oder höhere Bewertung durch neue Informationen (z.B. bessere Kennzahlen beim Streaming).
  • Downside-Szenario: Verzögerungen, Auflagen oder Scheitern der Transaktion – in diesem Fall würde sich der Kurs wieder stärker an den Fundamentaldaten und der eigenständigen Perspektive von MultiChoice orientieren, also tendenziell deutlich niedriger notieren.

Genau hier liegt der Haken für späteinsteigende Privatanleger aus Deutschland: Die erwähnte Spanne zwischen aktuellem Kurs und Angebotspreis ist typischerweise eher klein, oft im Bereich weniger Prozentpunkte. Dem steht das Risiko eines Rückschlags im zweistelligen Prozentbereich gegenüber, falls der Deal platzt. Professionelle Merger-Arbitrage-Fonds spielen solche Setups mit striktem Risikomanagement – Privatanleger sollten diesen Ansatz nur wählen, wenn sie die Mechanik genau verstehen.

Makroperspektive: Was bedeutet der Deal für Afrika-Exposure im deutschen Depot?

Durch die Übernahme von MultiChoice durch Canal+ wird ein zugänglicher, börsennotierter Pure-Play auf afrikanische Medien vom Markt verschwinden. Für deutsche Anleger wird es damit schwieriger, gezielt auf das Thema Pay-TV/Streaming in Afrika zu setzen. Künftig läuft dieses Exposure eher über größere, diversifizierte Konzerne wie Vivendi oder über Schwellenländer-ETFs, die andere afrikanische Titel enthalten.

Gleichzeitig wirft die Transaktion ein Schlaglicht auf die generelle Bewertung afrikanischer Assets: Europäische Konzerne kaufen sich in Wachstumsregionen ein, während viele lokale Börsen im internationalen Vergleich eher niedrig bewertet erscheinen. Wer als deutscher Investor langfristig in Afrika investieren will, sollte jetzt verstärkt prüfen, welche börsennotierten Alternativen es zu MultiChoice gibt – etwa im Bereich Telekommunikation, Finanzdienstleistungen oder Infrastruktur.

Das sagen die Profis (Kursziele)

Die klassische Analystenabdeckung von MultiChoice hat sich mit Bekanntwerden des Übernahmeinteresses deutlich verändert. Statt langfristiger Kursziele und ausführlicher DCF-Modelle dominieren inzwischen Event-Driven-Analysen, die sich um die Wahrscheinlichkeit des Dealabschlusses drehen.

Mehrere internationale Research-Häuser haben ihre Einstufungen auf eine Art "Sondersituations-Modus" gestellt: Statt "Buy/Hold/Sell" wird häufig betont, dass der aktuelle Kurs primär die erwartete Dealstruktur widerspiegelt. Einige Häuser hatten die Aktie im Vorfeld der Übernahme als unterbewertet mit interessantem Afrika-Exposure eingestuft – diese Argumentation ist mit dem fixierten Angebot aber weitgehend ausgereizt.

Wesentliche Punkte aus der Sicht professioneller Marktteilnehmer:

  • Bewertung: Der von Canal+ gebotene Preis liegt über den historischen Durchschnitts-Multiples von MultiChoice, berücksichtigt aber auch operative Herausforderungen (hoher Wettbewerbsdruck im Streaming, Währungsrisiken, Investitionsbedarf).
  • Regulatorik: Analysten verweisen wiederholt auf die Komplexität der Genehmigungsprozesse in mehreren afrikanischen Jurisdiktionen. Das ist einer der Gründe, warum der Markt nie exakt auf dem Angebotspreis handelt, sondern immer einen Abschlag einkalkuliert.
  • Free Float & Liquidität: Mit wachsendem Anteil von Canal+ und der Aussicht auf Dekotierung sinkt das Interesse klassischer Long-Only-Anleger. Viele institutionelle Investoren realisieren Gewinne und rotieren in andere Emerging-Markets-Titel um.

Für deutsche Anleger bedeutet das: Die Phase der großen Kursziel-Fantasien ist vorbei. Wer jetzt noch einsteigt, spekuliert nicht mehr primär auf das operative Potenzial von MultiChoice, sondern auf den sauber und pünktlich durchgezogenen Deal. Das ist eine andere Investmentlogik, die eher in die Kategorie "Spezialstrategie" als in das klassische Langfristdepot fällt.

Konkrete Implikationen für deutsche Privatanleger

  • Bereits investiert: Wer MultiChoice im Depot hat – ob über Direktinvestment oder Fonds – sollte prüfen, wie der jeweilige Broker oder Fondspartner den Abfindungsprozess bei einem Delisting handhabt und ob zusätzliche Kosten entstehen.
  • Neu-Einstieg: Ohne genaue Kenntnis von Merger-Arbitrage-Strategien ist ein später Einstieg meist nur bedingt sinnvoll. Die asymmetrische Risiko-Rendite-Struktur ist eher etwas für erfahrene Anleger.
  • Alternativen: Wer die Story "afrikanische Mittelschicht + Medien/Streaming" spielen möchte, könnte sich breit gestreute Emerging-Markets-ETFs oder spezialisierte Frontier- und Afrika-Fonds ansehen – dort allerdings mit anderen Risikoprofilen.

Fazit für Ihr Depot: MultiChoice ist aus einer klassischen Wachstumsstory zu einer Sondersituation mit Übernahmefokus geworden. Für deutsche Anleger, die bereits investiert sind, geht es nun vor allem um sauberes Exit-Management und Währungscontrolling. Für Neueinsteiger überwiegen in vielen Fällen die Risiken gegenüber dem begrenzten Mehrertrag – es sei denn, man versteht sich bewusst als Spezialist für Event-Driven-Strategien.

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