Mindestlohn, Verstöße

Mindestlohn: Fast 2500 Verstöße allein im Gastgewerbe

15.02.2026 - 18:52:11

Die Finanzkontrolle leitete 2025 über 2.500 Ermittlungen gegen Gastronomiebetriebe ein. Die Branche steht im Fokus der Behörden, während die nächste Lohnuntergrenze bereits feststeht.

Berlin – Die Kontrolleure des Zolls decken im Kampf gegen Lohndumping immer mehr Verstöße auf. Besonders hart trifft es das Gastgewerbe. Das zeigen neue Daten der Bundesregierung.

Allein im Hotel- und Restaurantgewerbe leitete die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) im vergangenen Jahr fast 2.500 Ermittlungsverfahren wegen mutmaßlicher Mindestlohnverstöße ein. Insgesamt gab es 2025 über 6.100 solcher Verfahren in der gesamten Wirtschaft. Die Zahlen gehen auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion zurück.

Gastronomie als Problembranche

Die Statistik belegt: Das Gastgewerbe bleibt der Schwerpunkt der Kontrollen. Von bundesweit über 25.700 überprüften Arbeitgebern entfiel der größte Block an Ermittlungen auf Restaurants, Hotels und Kneipen. Auch Speditionen, Bauunternehmen sowie Friseur- und Kosmetikstudios waren mit jeweils mehr als 500 Verfahren stark betroffen.

Die hohe Zahl ist brisant. Denn zum Jahresbeginn 2026 stieg der Mindestlohn auf 13,90 Euro. Laut Statistischem Bundesamt waren davon bis zu 4,8 Millionen Jobs direkt betroffen – nirgends so viele wie in der Gastronomie. Im April 2025 lagen dort noch 47 Prozent der Beschäftigten unter dieser neuen Grenze.

Doch warum ist die Branche so anfällig? Experten verweisen auf die personalintensive Struktur und schwankende Arbeitszeiten. Für viele Betriebe bedeutete die Lohnerhöhung eine erhebliche finanzielle Belastung.

NGG: „Steuervorteile kommen nicht bei Beschäftigten an“

Die Enthüllungen befeuern eine aktuelle Debatte. Die Gewerkschaft NGG kritisiert, dass steuerliche Entlastungen für die Branche nicht bei den Angestellten ankommen. Seit Januar gilt für Speisen der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent – eine Stabilisierungsmaßnahme für die Gastronomie.

Die Gewerkschaft wirft den Betrieben vor, diese Vorteile einzustreichen, statt sie an die Belegschaft weiterzugeben. Viele Angestellte erhielten weiter nur das gesetzliche Minimum. Der Tariflohn für Fachkräfte liege in Ländern wie Bayern dagegen bei rund 19,62 Euro. Die NGG warnt vor einer zunehmenden „Tarifflucht“.

Kontrollen erfassen nur die Spitze des Eisbergs

Die FKS ist das zentrale staatliche Instrument gegen illegale Beschäftigung und Lohnbetrug. Die neuen Zahlen zeigen: Der Kontrolldruck wirkt. Im Schnitt wird bei jeder vierten Überprüfung ein möglicher Verstoß aufgedeckt.

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Doch Politiker der Linkspartei, die die Daten erfragt hatten, sehen darin nur die „Spitze des Eisbergs“. Schätzungen der Mindestlohnkommission gehen davon aus, dass in Deutschland bis zu 2,5 Millionen Menschen um ihren rechtmäßigen Lohn betrogen werden könnten. Die Diskrepanz zur offiziellen Verfahrenszahl verdeutlicht die immense Herausforderung für die Behörden.

Nächste Erhöhung steht bereits fest

Die Diskussion um faire Löhne in der Gastronomie wird nicht abreißen. Die nächste gesetzliche Erhöhung ist bereits beschlossen: Ab dem 1. Januar 2027 steigt die Lohnuntergrenze auf 14,60 Euro.

Für Politik und Behörden bleibt die Aufgabe, die Einhaltung der Regeln flächendeckend durchzusetzen. Die aktuellen Zahlen sind ein klares Signal: Gerade im Gastgewerbe sind verstärkte Anstrengungen nötig, um Lohndumping wirksam zu bekämpfen.

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