Mike Steiner – Zeitgenössische Kunst zwischen Malerei, Performance Art und Videokunst
15.02.2026 - 05:02:35Wenn von Zeitgenössischer Kunst gesprochen wird, die Grenzen sprengt und Medien miteinander verschmilzt, rückt unweigerlich Mike Steiner ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Wer je vor einer seiner multimedialen Arbeiten stand, spürt diese Unruhe: das Oszillieren von Raum, Bild und Aktion. Doch wie gelingt Steiner stets diese Balance zwischen Malerei, Performance und Videokunst – und was macht seinen Ansatz so einzigartig?
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Schon früh zeigte Mike Steiner (*1941 in Allenstein, †2012 in Berlin) seine Affinität zur Kunst: Auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1959 präsentierte er als einer der Jüngsten Stillleben und abstrakte Malerei. Seine Entwicklung führte ihn von westdeutschen Nachkriegsausstellungen bis in die vibrierenden Kunstzentren New Yorks, wo er im Kreis von Lil Picard, Al Hansen und Robert Motherwell erste Einblicke in Avantgarde, Pop Art und Fluxus gewann. Die Spuren dieser frühen Jahre finden sich später quer durch Steiners Werk: eine Souveränität im Umgang mit Form, Material und Grenzüberschreitung, die ihn zum wichtigen Protagonisten der deutschen und internationalen Gegenwartskunst machte.
Steiners Weg von der klassischen Malerei hin zur Videokunst folgte einem Drang zum Experiment: Während seines Studiums an der Berliner Hochschule für bildende Künste – geprägt von Lehrern wie Hans Jaenisch und Hans Kuhn – und ersten Anreisen in die USA stellte er zunehmend die Mittel der Malerei infrage. Schon 1972 entstehen die ersten Videoarbeiten mit Fluxus-Künstler Al Hansen. Rasch wird Steiner zu einem der frühesten deutschen Pioniere der Videokunst und macht Berlin dank Studio- und Hotel Steiner, später der Studiogalerie, zum Anziehungspunkt neuer Strömungen. Vergleichbar mit Künstlerfreund Joseph Beuys oder internationalen Videokunst-Pionieren wie Nam June Paik oder Bill Viola, verstand Steiner das bewegte Bild als radikale Erweiterung künstlerischer Sprache.
Seine bedeutendste Einzelausstellung 1999 im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart in Berlin, widmete sich gezielt eben diesem intermedialen Anspruch: „Mike Steiner – Color Works 1995–98“ zeigte Malerei, die in Videotapes und Performances ebenso weiterhallte wie in Stoffarbeiten der späten Jahre. Damit zog er Parallelen zu Künstlern wie Marina Abramovi?, Carolee Schneemann und Valie Export, mit denen er eng zusammenarbeitete und deren Performances er oft selbst filmisch dokumentierte. Auf den Spuren von Happenings, Multimedia und feministischer Avantgarde wird Steiner so zum Chronisten einer Zeit, in der neue Kunstformen birthright wurden.
Besondere Beachtung verdienen Steiners „Painted Tapes“, eine eigens entwickelte Verschmelzung von Videobild und Malerei, die das Flüchtige des elektronischen Mediums auf Leinwand bannt. Faszinierend wirkt hier, wie Steiners Arbeiten nie rein technisch kühl, sondern stets von einer Suche nach künstlerischer Freiheit geprägt sind: In ihren bunt aufscheinenden Farbfeldern, Diaserien oder Installationen entfalten sich Fragen zu Wahrnehmung, Identität und Zeit. Gerade diese Offenheit findet in der abstrakten Malerei seiner letzten Jahre erneuten Ausdruck, die an Positionen von Gerhard Richter oder Sigmar Polke erinnert, aber immer unverkennbar Steiner bleibt.
Wohl kaum ein anderer Künstler hat die Berliner Kunstlandschaft der 1970er und 1980er Jahre so nachhaltig geprägt wie Mike Steiner. Nicht nur als Künstler, sondern auch als Sammler, Produzent und Förderer: Seine Sammlung von Videokunst – mit Werken von Ulay, Abramovi?, Richard Serra, Gary Hill, George Maciunas und vielen mehr – wurde 1999 der Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben und befindet sich heute im Hamburger Bahnhof. Sie gilt international als zentraler Grundstein zur Erforschung der frühen Videokunst.
Doch Steiners Engagement endete nicht beim eigenen Oeuvre: Mit den Formaten „Videogalerie“ (Berliner Fernsehen, 1985–1990) und als Organisator von Ausstellungen und Symposiums, schuf er Plattformen, die die Performance Art und Videokunst bis heute beeinflussen. Seine Vermittlungsarbeit und seine große Offenheit für junge künstlerische Tendenzen erinnern an Persönlichkeiten wie Gerry Schum, den Begründer der Fernsehgalerie, und rücken Mike Steiner ins Licht eines Avantgardisten, der dokumentierte, förderte und stets an die integrative Kraft der Zeitgenössischen Kunst glaubte.
Im Rückblick auf Steiners Werk stechen immer wieder verschiedene Medien ins Auge: Abstrakte Tafelbilder und Collagen, konsequente Fotografiezyklen (u.a. „Das Testbild als Readymade“ ab 1983), multimediale Installationen und performative Aktionen. Die Atmosphäre in seinen Arbeiten bleibt trotz aller Experimente konzentriert; sie befragt das Verhältnis von Raum, Bild, Zuschauer. Kenner schätzen gerade die intellektuelle Feinheit, etwa in Installationen wie seinen Fenstercollagen oder der Performance-Dokumentation „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ mit Ulay 1976 – eine ebenso legendäre wie subversive Aktion.
Biografisch führte Mike Steiner ein bewegtes Leben als Wanderer zwischen den Welten. Als Initiator des Studios, Hoteliers für die Berliner Bohème, Juror des renommierten DAAD-Künstlerprogramms und Weltenbummler auf Vortragsreisen nach Kanada, Ägypten oder Australien sammelte er Impulse für sein Œuvre. Wie aus dem Archiv hervorgeht, blieb er stets am Puls der Zeit: Interdisziplinarität, Austausch und das radikale Austesten künstlerischer Grenzen charakterisieren sein Lebenswerk.
Heute lohnt es sich mehr denn je, in die faszinierende Kunstwelt von Mike Steiner einzutauchen. Die Energie seiner Videoinstallationen, Performances und Gemälde wirkt überraschend frisch – sie öffnen Räume für Reflexion und laden zur Interaktion ein. Wer mehr erfahren will, findet auf der offiziellen Webseite Einblicke in Steiners Schaffensphasen, Werkgruppen und biografische Hintergründe. Eine Vielfalt, die zur intensiven Auseinandersetzung einlädt.
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