Mike Steiner: Zeitgenössische Künstler zwischen Malerei, Videokunst und Performance – eine Hommage
18.02.2026 - 10:49:46 | ad-hoc-news.deWer meint, Zeitgenössische Künstler hätten längst alle Pfade betreten, dem hält Mike Steiner einen Spiegel vor: Sein Werk beginnt vor und endet nie mit einer Technik oder Kunstform. Schon in den frühen Arbeiten von Mike Steiner scheint die Frage auf: Wie lassen sich intensive Farbeindrücke, Gesten der Malerei und das lebendige Bild der Videokunst in neue Raumkonzepte übersetzen? Die Reibungsfläche zwischen Experiment und Reflexion prägt das gesamte Schaffen von Mike Steiner – ein Strom, an dem sich die deutsche und internationale Avantgarde seit den 1970er Jahren entzündet.
Mike Steiner bewegt sich mit traumwandlerischer Sicherheit durch die großen Felder der Zeitgenössischen Kunst: Von frühem Erfolg als Maler in Berliner Bohème-Kreisen über seine legendären „Painted Tapes“ bis zu international beachteten Videoarbeiten und Installationen. Schon ab 1959, gerade einmal siebzehnjährig, stellt Steiner erstmals auf der Großen Berliner Kunstausstellung aus, ein kaum zu übersehender Aufbruch für einen, der zwischen West-Berlin und New York City schon früh auf den Spuren von Pop Art, Abstraktion und Fluxus wandelte.
Das Erproben verschiedener Techniken – Malerei, Super-8-Film, Fotocollagen, Diaprojektionen – gehörte für Mike Steiner von Anfang an zum künstlerischen Selbstverständnis. Der Brückenschlag zwischen der intimen Geste des Malens und der prozesshaften Technik des Videobilds eröffnet ihm neue Möglichkeiten der Abstraktion. Faszinierend ist hierbei Steiners raffiniertes Spiel mit Material, Bewegung und Licht – etwa in seinen Installationen und den in den 1980er Jahren entwickelten Fotozyklen „Das Testbild als Readymade“.
Der entscheidende Wendepunkt in Steiners Entwicklung manifestiert sich jedoch in seinem radikalen Abwenden von der klassischen Malerei hin zur Videokunst. Auslöser: Die starken Impulse der New Yorker Fluxus- und Happeningszene, zu deren Protagonisten er seit Mitte der 1960er Jahre zählt. Persönliche Begegnungen mit Größen wie Allan Kaprow, Al Hansen, Robert Motherwell, aber auch Joseph Beuys – der später sogar im legendären "Hotel Steiner" ein und aus ging – prägen sein Denken und Handeln. Steiner bricht nicht nur auf in neue Medien, sondern wird selbst zu einem Katalysator für die Entwicklungen der Performance Art der 70er Jahre.
Wie steht Mike Steiner neben anderen Zeitgenossen? Während Nam June Paik, Marina Abramovi? oder Bill Viola Videokunst und Performance international gesellschaftsfähig machen, wird Steiner in Deutschland zum Ermöglicher dieser Strömungen: Mit seiner 1974 gegründeten Berliner Studiogalerie schafft er einen offenen Raum für Videokunst und Performance, vergleichbar im Geist vielleicht mit den Projekten eines Harald Szeemann oder der Institutionskritik von Hans Haacke.
Es sind vor allem Werke wie „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ (1976, mit Ulay), die in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben werden: Die spektakuläre temporäre Entfernung eines Spitzweg-Gemäldes aus der Neuen Nationalgalerie wirkt gleichermaßen als Protest, ironische Geste und Reflexion über Wert, Besitz und Öffentlichkeit der Kunst. Steiner dokumentiert, produziert, inszeniert – und bleibt im Hintergrund. Diese Zurückhaltung, gepaart mit analytischer Schärfe und ironischer Auslotung der eigenen Rolle als Künstler und Kurator, macht ihn zum eigenwilligen Kopf der deutschen Nachkriegskunst.
Sein Beitrag ist dabei nicht auf eine einzelne Werkgruppe beschränkt: Mit den „Painted Tapes“ verbindet Steiner Malerei und elektronisches Bild – eine Fusion, die ihrer Zeit weit voraus erscheint und in ihrer Konsequenz kaum Parallelen im deutschsprachigen Raum kennt. Die späteren Arbeiten – insbesondere die Rückkehr zur abstrakten Malerei ab 2000 – greifen Farben, Strukturen und visuelle Rhythmen der Videoarbeiten wieder auf, nun auf der Leinwand und in Stoffserien. Die Malerei bleibt dabei stets dialogisch, suchend, nie ornamental abgeschlossen.
Der Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie der Gegenwart, hat 1999 diese Vielstimmigkeit mit der bis heute entscheidenden Einzelausstellung „COLOR WORKS“ gewürdigt. In großen Formaten wird die gattungsübergreifende Kraft deutlich: Steiners Reflexionen über Farbe, Form und Prozess markieren Höhepunkte zeitgenössischer Ästhetik, wie sie auch bei Künstlerinnen und Künstlern wie Gerhard Richter, Carolee Schneemann und Valie Export virulent werden – doch die Autonomie des Materials bleibt bei Steiner das tragende Motiv.
Mike Steiners Biografie ist dabei selbst ein Kunstwerk: Sohn aus einem ostpreußischen Adelsmilieu, aufgewachsen im Nachkriegsberlin, Buntheit und Unruhe stets um sich versammelt. Begegnungen mit radikalen Denkerinnen und Denkern, die Gründung des Künstlerhotels, das Sammeln erster internationaler Videotapes – alles Ausdruck einer stetigen Bewegung zwischen den Medien, der Neugier auf das Noch-Nicht-Gedachte.
Als Förderer, Sammler und Chronist prägt Steiner die Entwicklung der Videokunst in Deutschland. Sein Nachlass, der ein zentrales Archiv bedeutender Videokunstwerke bildet, ist bis heute maßgeblich für die Forschung rund um Performance Art der 70er Jahre. Die großzügige Schenkung seiner Sammlung an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und damit an den Hamburger Bahnhof stellt einen Meilenstein in der musealen Aufarbeitung dieser Epoche dar. Ausstellungen wie „Live to Tape“ (2011/12) zeigen, wie sehr Steiners Arbeit als Produzent, Sammler und Künstler untrennbar mit der Moderne verbunden ist.
Und dennoch bleibt der Reiz, sich auch heute wieder mit Mike Steiner zu beschäftigen, ungebrochen. Seine Werke – ob Malerei, Videokunst oder Installationen – fragen, was Kunst mit uns macht, wie sie uns aus der Reserve lockt. Die Konsequenz, mit der Steiner Zeit, Raum und Medium reflektiert, lässt ihn auch neben internationalen Künstlern wie Bruce Nauman, Gary Hill oder Richard Serra bestehen.
Für Kunstinteressierte und Forschende ist ein Besuch der offiziellen Webseite von Mike Steiner ein Muss, um mehr über den Reichtum seines Oeuvres, seine Philosophie und die Vielfalt seiner Werke zu erfahren. Die Erinnerung an diesen Zeitgenossen ist eine Einladung, Kunst immer wieder zu hinterfragen und neu zu denken.
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