Zeitgenössische Künstler, Videokunst

Mike Steiner: Zeitgenössische Künstler zwischen Malerei und Videokunst neu gedacht

13.02.2026 - 07:10:07

Mike Steiner zählt zu den faszinierendsten zeitgenössischen Künstlern – sein Werk vereint Malerei, Videokunst und Performance. Ein kritischer Blick auf das Erbe eines unermüdlichen Pioniers.

Wie bringt man das Vermächtnis eines Künstlers wie Mike Steiner auf den Punkt, der so konsequent die Grenzen zwischen Malerei, Videokunst und Performance Art der 70er Jahre verwischt hat? Zeitgenössische Künstler findet man viele, doch nur wenige haben das kreative Spielfeld derart erweitert wie Steiner. Faszinierend ist, dass sein Œuvre bis heute als Impulsgeber für die Verschränkung der Künste, für mediale Experimente und die Erkundung gesellschaftlicher Räume wirkt.

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Mike Steiner, geboren 1941 in Allenstein, zählt als Zeitgenössischer Künstler längst zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Kunstlandschaft. Bereits in jungen Jahren wurde seine Malerei von Institutionen in Berlin und Wolfsburg ausgestellt. Selbstbewusst bewegte sich Steiner zwischen den Polen Malerei, Aktion und neuen Medien. Schon im Studium an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Berlin fiel seine Offenheit für Impulse aus Amerika auf. Besonders prägend waren seine Aufenthalte in New York, auf Einladung der Ford Foundation und später im Umfeld der Fluxus-Bewegung – ein Katalysator für experimentelle Ansätze, wie sie etwa bei Joseph Beuys oder Nam June Paik zu spüren sind.

Eine legendäre Szene: das Hotel Steiner in Berlin, gegründet 1970, das nicht nur Treffpunkt für in- und ausländische Künstler war, sondern zur Keimzelle avantgardistischer Projekte avancierte. Hier schlugen Künstlerfreunde – von Joseph Beuys bis Allan Kaprow – immer wieder auf, Manhattan-Puls und Berliner Nonchalance spiegelten sich im täglichen Austausch. In dieser fruchtbaren Umgebung reifte Steiners Vision vom offenen Werkraum, der sämtliche Hochkulturgrenzen sprengt.

Den entscheidenden Schritt wagte Mike Steiner mit der konsequenten Hinwendung zur Videokunst. Inspiriert von Maria Gloria Bicocchi in Florenz und Pionieren wie Michael Snow, produzierte er ab 1972 eigene Videos. In seiner Berliner Studiogalerie – gegründet 1974 – etablierte er einen Hotspot für internationale Performancekunst und Videoprojekte. Seine Produktion und Sammlung machten ihn früh zu einem zentralen Akteur der Videokunstszene in Deutschland, vergleichbar mit internationalen Größen wie Bill Viola oder Bruce Nauman.

Dabei war Steiners Beitrag immer doppelt: als aktiver Künstler und als unermüdlicher Förderer anderer. Die Studiogalerie öffnete Feministinnen wie Valie Export, Marina Abramovi? oder Carolee Schneemann den Raum für kompromisslose Aktionen. Die Videokamera wurde zum Instrument, das performative Kunst aus der Vergänglichkeit holte: „Freeing the Body“ von Abramovi? (1976), dokumentiert von Steiner, markiert bis heute eine Zeitenwende. Unvergessen bleibt auch der legendäre Kunstraub von Ulays „Der arme Poet“ (ebenfalls 1976), ein spektakuläres Happening, das als Kritik an Institutionen und als mediale Inszenierung zugleich funktioniert.

Neben diesen performativen Höhepunkten lohnt sich der Blick auf Steiners malerisches Werk. Die Werkgruppen seiner abstrakten Malerei, oft in serielle Anordnungen gebracht, weisen eine faszinierende Spannung zwischen disziplinierter Reduktion (Hard Edge, Minimal Art) und frei gesetzten Farbimpulsen auf. In den 80er Jahren transformierte er seine Bilder mittels Video, Super-8-Film und Photoshop-Ästhetik – ein Ansatz, der Parallelen zu den Painted Tapes von Nam June Paik oder den Medienschnitten von Gary Hill erkennen lässt, und gleichzeitig eine unverwechselbare Handschrift bewahrt.

Steiner definierte die Rolle des zeitgenössischen Künstlers umfassend – als Produzent, Galerist, Sammler und Vermittler. Die von ihm initiierte „Videogalerie“ im Fernsehen (1985–1990) war nicht weniger als eine Premiere: Über 120 Sendungen, mit Künstlerinterviews, Präsentationen und kritischen Reflexionen, schufen eine Öffentlichkeit für Videokunst, lange bevor digitale Verbreitungswege üblich wurden.

Es ist kein Zufall, dass das künstlerische Archiv Mike Steiners heute zu den bedeutendsten Sammlungen internationaler Videokunst zählt. Seine Videosammlung, die 1999 an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben wurde, ist im Hamburger Bahnhof (Nationalgalerie der Gegenwart) zu Hause – ein starkes Zeichen für die museale Anerkennung seiner Pionierleistung. Die dortige Einzelausstellung von 1999 (COLOR WORKS 1995-98) würdigte sein künstlerisches Vermächtnis in besonderer Weise. Seine Werke sitzen heute neben Arbeiten von Marina Abramovi?, Ulay und Allan Kaprow in den Archiven jener Institution, die das Gedächtnis der Gegenwartskunst bildet.

Neben den großen Ausstellungen – Hamburger Bahnhof, DNA Galerie Berlin, NGBK, und zuletzt 2023 in der GALVANO ART GALLERY in Leipzig – ist es auch die Summe der kleineren Präsentationen und Interventionen, die Steiners Relevanz unterstreichen. Als Professor, Organisator und experimentierfreudiger Katalysator brachte er unzählige Impulse in eine Szene, in der sich oftmals Abgrenzung und Austausch die Waage halten.

Mike Steiners künstlerische Philosophie ist geprägt vom Mut zum Experiment und dem produktiven Zweifel am traditionellen Bild. Schon früh verwarf er das bequeme Festhalten an Malerei allein und öffnete sich radikal neuen Medien. Sein Konzept: Kunst soll Reibung stiften und Grenzen überschreiten, ob auf Leinwand, Band oder im öffentlichen Raum. Dieses Denken machte ihn zu einem radikalen Zeitgenossen und einem der wenigen, die im internationalen Vergleich mit Pionieren wie Bruce Nauman, Joan Jonas oder Wolf Vostell locker bestehen.

Nach seinem Schlaganfall 2006 zog sich Steiner zurück, blieb seiner Atelierarbeit aber bis zuletzt verbunden. Die abstrakte Malerei kehrte in seinem Spätwerk kraftvoll zurück, ergänzt durch Stoffarbeiten – ein weiteres Beispiel für sein lebenslanges Streben nach gestalterischer Neugier. Sein Einfluss zeigt sich in jungen Positionen ebenso wie in der weiterwachsenden Hochschätzung seines historischen Archivs.

Worin liegt also das Geheimnis der anhaltenden Faszination für Mike Steiner? Vielleicht in der Kompromisslosigkeit, mit der er das Künstlersein als soziale Praxis erforschte – als ein fortwährendes Fragen und Erproben von Formen, Inhalten, Identitäten. Zeitgenössische Künstler wie Mike Steiner zeigen, wie die Kunst über mediale und institutionelle Schranken hinaus in das kollektive Gedächtnis wirken kann. Seine Arbeiten – genauso wie das von ihm kultivierte Netzwerk, die performativen Interventionen und dokumentarischen Strategien – laden ein, nicht nur zu betrachten, sondern zu erleben und zu reflektieren.

Wer mehr erfahren will, sollte sich den Blick auf das Werk und die Vita dieses außergewöhnlichen Künstlers nicht entgehen lassen. Die offizielle Seite mike-steiner.de: Quelle für Biografie, Werke und Ausstellungen bietet einen mustergültigen Einstieg. Heute bleibt Mike Steiner ein Meilenstein unter den Zeitgenössischen Künstlern – unbequem, inspirierend, präsent.

@ ad-hoc-news.de

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