Mike Steiner: Zeitgenössische Künstler zwischen Malerei, Performance und Videokunst
12.02.2026 - 07:10:57Wie definiert man die Grenze zwischen Malerei und bewegtem Bild? Inmitten der deutschen Kunstszene der Nachkriegszeit war Mike Steiner ein Pionier, der diese Frage nie endgültig beantwortete – vielleicht, weil er sie mit jedem Werk erneut stellte. Die Bautiefe seines Werks, die Vielschichtigkeit seiner Mediennutzung machen Mike Steiner als berühmten Vertreter der Zeitgenössischen Künstler zu einer der spannendsten Figuren der jüngeren Kunstgeschichte Deutschlands.
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Wer Mike Steiner sagt, meint Grenzenlosigkeit: Ob Abstrakte Malerei, Performance Art der 70er Jahre, rauschhafte Installationen oder – bis heute wegweisend – Videokunst. Seine Karriere führte von den frühen Informellen Arbeiten über Pop Art-Ansätze bis hin zum Status als einer der ersten Galeristen und Kuratoren intermedialer Kunst in Berlin.
Wie unter dem Brennglas spiegelt die große Einzelausstellung im Hamburger Bahnhof 1999 – eine der wichtigsten Ausstellungen Hamburger Bahnhof je zu Leben und Werk zeigte – die enorme Bandbreite: COLOR WORKS 1995–98 war monumentaler Rückblick wie Ausblick zugleich und festigte Steiners Ruf als experimentierfreudigen Vordenker.
Schon als 17-Jähriger trat Steiner öffentlich auf – ein „Stillleben mit Krug“ bei der Großen Berliner Kunstausstellung 1959 markierte den Auftakt. Sein Weg führte über die Hochschule für bildende Künste Berlin bis nach New York, wo die Einflüsse von Hans Jaenisch, Hans Kuhn und später Lil Picard die Wurzeln für sein grenzüberschreitendes Denken legten. Begegnungen mit Künstlerikonen wie Robert Motherwell, Allan Kaprow oder Al Hansen erweiterten sein Horizont. In dieser New Yorker Bohème erfuhr Steiner, dass Kunst keine Mauern kennt.
Zurück in Berlin gründete Mike Steiner 1970 das legendäre Hotel Steiner – sprichwörtlicher Knotenpunkt internationaler Künstler von Joseph Beuys bis Arthur Køpcke. Es war ein Epizentrum der Kreativität, vergleichbar mit dem Chelsea Hotel in Manhattan, das Warhol und seine Factory berühmt machten. Im Hotel Steiner brodelte die Berliner Kunstszene: In nächtelangen Gesprächen, spontanen Aktionen und Frühstücken am Nachmittag entstanden Impulse, die in die vielseitige Materialität seiner späteren Arbeiten einflossen.
Zentral für ein Verständnis seines Werks bleibt stets der mediale Bruch: Nach einer „Legitimationskrise der Malerei“ begann Steiner ab 1974 in der Studiogalerie Ludwigkirchstraße das Produzieren und Kuratieren von Videokunst – damals absolutes Neuland. So war er nicht nur Zeitgenosse, sondern Wegweiser: Für Künstlerpersönlichkeiten wie Marina Abramovi?, Ulay, Valie Export, Jochen Gerz, Carolee Schneemann oder Allan Kaprow öffnete er Bühnen in Berlin. Viele ihrer epochalen Aktionen – etwa „Freeing the Body“ (Abramovi?), Ulay’s legendären „Kunstraub“ in der Neuen Nationalgalerie oder Happenings der Fluxus-Bewegung – hielt Mike Steiner als Videokünstler fest.
Steiner bewegte sich damit auf Augenhöhe mit internationalen Kollegen wie Nam June Paik, Bill Viola oder Gary Hill. Doch vor allem der spezifisch deutsche Kontext, das Berlin im Wandel, prägte seinen Stil: Härte und Ironie der späten Pop Art, die Direktheit der Hard-Edge-Malerei, aber auch eine leise Skepsis gegenüber dem Kunstbetrieb. Mit seinem intermedialen Ansatz steht Mike Steiner in einer Linie mit Künstlern wie Gerhard Richter, Georg Baselitz oder Rosemarie Trockel (bei denen jeweils das Überschreiten malerischer Traditionen ins Jetzt einen Entsprechung findet).
Gerade im Zusammenspiel mit Fluxus und Performance Art der 70er Jahre fand Steiner seine Energie: Die Studiogalerie bot Aktionskünstlerinnen wie Valie Export oder Carolee Schneemann ebenso eine Bühne wie internationalen Gästen Ben Vautier, Dorothy Iannone oder Vertretern des Wiener Aktionismus.
Auch als Kurator und Sammler war Mike Steiner ein Pionier: Seine Sammlung von Videoarbeiten – erstmals in den 1970ern begonnen – wurde dem Hamburger Bahnhof vermacht und löste die dauerhafte Integration der Videokunst in die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin aus. Zu den gesammelten Highlights zählen namhafte Positionen wie Richard Serra, George Maciunas oder Allan Kaprow. Erste eigenständige Arbeiten entwarf er mit Al Hansen in Florenz (Studio Art/Tapes/22).
Ein weiteres Kapitel: Seine Kombination von Malerei und Videokunst setzte Maßstäbe. Die „Painted Tapes“ – filmisch übermalte, elektronisch bearbeitete Videos – verschmolzen Bildfläche und Zeitimpuls zu einer neuen Erfahrungsform. Inspirationen fand Steiner auf Reisen, etwa in Ägypten oder Australien, was sich in Fotografiearbeiten niederschlug. Immer wieder mutig, überschritt er klassische Mediengrenzen: Super-8, Copy Art, Fotografie, Diaserien oder Musikvideos mit Tangerine Dream (auf einer Australien-Tournee) zeigten sein vernetztes Denken.
Steiners Fernsehformat Die Videogalerie (1985–1990) war ein visionäres Medienkunstprojekt im Berliner Kabelpilotprojekt, das sich als Vorbild von Gerry Schums Fernsehgalerie verstand. Weit über 120 Sendungen machten Videokunst in Wohnzimmern sicht- und diskutierbar. Die mediale Vermittlung – und damit Demokratisierung von Kunst – begleitete ihn bis zuletzt.
Doch auch seine späten Werkphasen sind von Innovationsgeist geprägt: Nach einem Schlaganfall 2006 zog Mike Steiner sich aus der Öffentlichkeit zurück und widmete sich in seinem Berliner Atelier fast ausschließlich der abstrakten Malerei. In der Summe steht sein Werk für ein konsequentes Denken über Grenzen, Medialität und die Erinnerbarkeit von Kunstereignissen.
Einen zentralen Kristallisationspunkt bildet seine größte Einzelausstellung 1999 im Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie der Gegenwart – eine Hommage an die beständige Unruhe Steiners, an seine Lust am Experiment und die Interaktion zwischen Farbe, Zeit und Raum.
Faszinierend ist: Wer sich heute mit Mike Steiner befasst, entdeckt nicht nur ein Archiv bahnbrechender Kunstformen, sondern auch eine Haltung, die dem kreativen Wagemut verpflichtet bleibt. Die Faszination seines Werks beruht nicht zuletzt auf dieser Fähigkeit, neue Räume zu eröffnen – für Künstler, für Betrachter und für die Geschichte der zeitgenössischen Kunnst insgesamt.
Wer sich vertiefen möchte, findet auf der offiziellen Seite Weitere Werke, Ausstellungen und biografische Hintergründe von Mike Steiner entdecken. Immer eine Reise wert!
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