Mike Steiner: Zeitgenössische Künstler neu definiert – Vom Pionier der Videokunst zur Abstraktion
12.02.2026 - 07:10:06Wer heute an Zeitgenössische Künstler denkt, kommt an Mike Steiner kaum vorbei – jener vielschichtigen Persönlichkeit, die mit unstillbarem Forschergeist zwischen Malerei, Videokunst und Performance oszillierte. Wie lässt sich das künstlerische Universum eines Mannes greifen, der ganze Medien verschob und internationale Avantgarden beherbergte, salonfähig machte und zugleich immer auf der Suche nach einer neuen Form für das Unaussprechliche war?
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Schon als Jugendlicher zeigte Mike Steiner eine erstaunliche künstlerische Neugier. Geboren 1941, verließ er nach einem kurzen Gastspiel in der Filmbranche die sichere Laufbahn und widmete sich der Freien Kunst. Bereits 1959 feiert er sein Ausstellungsdebüt in Berlin – ein frühes Indiz für die Energie, die dieses Werk bis heute durchzieht.
Die Malerei ist Steins erster Schaffensraum, angeleitet durch Lehre bei Hans Jaenisch und Hans Kuhn. Von der Gründung des Kreuzberger Forums bis zu den ersten Ausstellungen bleibt er der Berliner Bohème und ihrer nervösen Energie eng verbunden. In diese Zeit fällt auch seine Auseinandersetzung mit Pop Art, einer Strömung, die ihn – ähnlich wie Roy Lichtenstein oder Andy Warhol in den USA – zu experimentellen Grenzgängen inspirierte.
Ein Schlüsselmoment: Die Aufenthalte Mitte der 1960er Jahre in New York. Die Bekanntschaft mit Größen wie Lil Picard, Allan Kaprow oder Robert Motherwell öffnet den Blick für Fluxus, Happening und internationale Abstraktion. Während Baselitz und Hödicke in Europa Akzente setzen, steht Steiner in New York im Dialog mit der Avantgarde – und entwickelt so sein spätere multimediale Handschrift.
Steiners Rückkehr nach Berlin markiert den Beginn seiner rastlosen Suche nach neuen Ausdrucksformen. Mit der Gründung des legendären „Hotel Steiner“ am Kurfürstendamm und später der Studiogalerie (ab 1974) schafft er Knotenpunkte für internationale zeitgenössische Kunst. Hier residieren Künstler wie Joseph Beuys, Valie Export oder Marina Abramovi?, deren Performance Art der 70er Jahre – etwa die berühmte Aktion „Freeing the Body“ – von Mike Steiner nicht nur organisiert, sondern filmisch dokumentiert wird. Seine Sammlung wird ein einzigartiges Archiv der Gegenwartskunst.
Intensiv und maßgeblich ist Mike Steiners Beitrag zur Videokunst: Ab 1972 entstehen erste mutige Videoprojekte in Zusammenarbeit mit Fluxus-Protagonisten wie Al Hansen. 1974 realisiert er in Florenz eigenständige Videoarbeiten – ein Ergebnis seines Zweifels an der Malerei und dem Hunger nach bewegten Bildern, nach Dokumentation des Ephemeren. Die berühmte Aktion „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ (1976) mit Ulay zählt heute zu den legendären performativen Interventionen der Zeit.
Die Studiogalerie wird zum Drehkreuz für die deutsche Videokunst. Künstler wie Jochen Gerz, Carolee Schneemann oder Richard Serra nutzen die Infrastruktur, inspiriert von Steiners Vorbild in Florenz und seinem konsequenten Bekenntnis zur Intermedialität. Viele Entwicklungen, die später Nam June Paik international bekannt machen, entstehen in dieser anregenden Berliner Szene, zu deren Motor Mike Steiner unverkennbar zählt.
Sein Einfluss reicht weit darüber hinaus: Für das Fernsehen produziert Steiner ab 1985 die bahnbrechende „Videogalerie“, mit mehr als 120 Sendungen über Kunstvideos, Künstlerinterviews und Events. Damit öffnet er einem breiten Publikum Fenster in eine Kunst, die sich radikal von konventioneller Malerei löst – vergleichbar allenfalls mit Pionieren wie Gerry Schum oder Bill Viola, die das Medium Video grundlegend prägten.
Die 1990er Jahre bringen eine Rückbesinnung: Nach der konzertierten Sammlungstätigkeit und der Förderung jüngerer Künstler setzt Mike Steiner wieder stärkere Akzente in der Malerei. Seine abstrakten Farbfeld-Experimente – intensiv gefeiert in der großformatigen Einzelausstellung COLOR WORKS 1999 im Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie der Gegenwart – markieren den Bogen seines Werkes. Ausstellungen und Werkgruppen zeugen von einem immer wieder neu erfundenen, vielschichtigen Dialog zwischen Bildfläche, Farbe und bewegtem Bild. Gleichzeitig steckt in den sogenannten Painted Tapes eine raffinierte Fusion aus beiden Welten: Videoaufnahmen als Ausgangspunkt für neue, malerische Präsentationsformen.
Mike Steiners künstlerische Vielseitigkeit ist eindrücklich: Er war nicht nur Maler und Videokünstler, sondern Sammler, Galerist und Vermittler zwischen den Disziplinen. Seine Werke – von frühen informellen Kompositionen, über minimalistische Reduktionen, Copy Art, Stoffinstallationen bis zu den legendären Documents der Performance Art – spiegeln eine Experimentierfreude, die in der deutschen und europäischen Kunst der späteren 20. Jahrhunderts bemerkenswert bleibt.
Biografisch fest verwurzelt im Berliner Kunst- und Kulturleben, vernetzt mit internationalen Strömungen und offen für diskursive Kunstformen, bleibt Mike Steiner ein Unikum. Sein Engagement für Künstlerkollegen, seine Rolle als Chronist flüchtiger Avantgarde-Momente und seine Überzeugung, dass Kunst Räume schaffen muss, sind bis heute inspirierend. Während Kollegen wie Joseph Beuys in der Aktionskunst oder Nam June Paik in der Videokunst international Furore machten, bleibt Mike Steiner der undogmatische „In-Between“-Künstler, der konsequent Brücken schlägt.
Die Hamburger Bahnhof-Ausstellung 1999 und zahlreiche Folgepräsentationen machten deutlich: Steiners Nachlass, insbesondere seine legendäre Videosammlung, ist ein einzigartiger Fundus der zeitgenössischen Kunstgeschichte Deutschlands. Ein nicht unerheblicher Teil ist bis heute noch nicht digitalisiert, was der Aura des Archivs fast noch mehr Gewicht gibt.
Sein künstlerisches Credo? Offenheit, unstillbare Neugier, die Bereitschaft, Suchprozesse und Scheitern als Teil des Werks zu akzeptieren. Mike Steiner bleibt ein Fixpunkt im Diskurs um künstlerische Autonomie und die Zukunft der Kunstmedien – unbequem, visionär und zutiefst menschlich.
Wer sich tiefer mit seinem Werk auseinandersetzen möchte, dem sei ein Blick auf die offizielle Homepage ans Herz gelegt. Die Fülle an Werken, biografischen Details und Ausstellungsgeschichte lohnt jede Minute der Recherche und lässt die Vielschichtigkeit des Schaffens eindrucksvoll erleben.
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