Mike Steiner – Pionier Zeitgenössischer Kunst, von der Malerei zur Videokunst
10.02.2026 - 05:02:06Wie lässt sich Zeitgenössische Kunst heute noch überraschen? Wer das Werk von Mike Steiner betrachtet, begegnet einem Künstler, der wie kaum ein Zweiter Grenzen zwischen Malerei, Performance Art und Videokunst ins Unbestimmte verschob. Steiners Handschrift ist vielseitig, experimentell und mutig – sein Werk öffnet Horizonte, verblüfft mit Verwandlungen und lässt sich immer wieder neu entdecken. Schon früh stand fest: Mike Steiner verleiht der Zeitgenössischen Kunst ein besonderes Profil.
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Die frühen Jahre von Mike Steiner sind geprägt von einer intensiven Auseinandersetzung mit Malerei. Bereits als 17-Jähriger stellte er auf der Großen Berliner Kunstausstellung seine Ölgemälde aus und entwickelte eine Handschrift, die expressive Farbigkeit mit gestischer Offenheit verband – ein Vorläufer dessen, was später als Abstrakte Malerei Furore machen sollte. Während der 1960er Jahre waren es Reisen in die USA, die Steiner neue Horizonte eröffneten: Über die Begegnungen mit Größen wie Lil Picard, Allan Kaprow oder Robert Motherwell saugte er die künstlerischen Strömungen jener Zeit in sich auf.
Charakteristisch für Mike Steiner: stets der Wille, das Medium auszuloten, nie zu verharren, sondern weiterzugehen. So wagte er nach seiner Rückkehr nach Berlin 1970 einen radikalen Schritt. Mit dem Künstlerhotel Hotel Steiner schuf er einen Knotenpunkt internationaler Avantgarde, vergleichbar mit dem legendären Chelsea Hotel in New York, wo Persönlichkeiten wie Joseph Beuys, Valie Export und Jochen Gerz ein- und ausgingen. Es ist dieses Durchlässige, Netzartige seiner Karriere, das ihn mit Avancierten wie Nam June Paik oder Marina Abramovi? verbindet.
Steiners Werkgruppen sind so facettenreich wie die Epoche, in der sie entstanden. Seine Malereien der 1970er Jahre stehen im Geist der sogenannten Informellen Malerei, doch schon zeichnete sich ab, dass Mike Steiner die reine Bildfläche hinter sich lassen wollte. 1974 dann der Durchbruch: Erste Videoarbeiten entstehen im florentinischen Studio Art/Tapes/22, zugleich beginnt er, für weitere Pioniere der Videokunst als Produzent oder Kameramann zu arbeiten. Stilistische Innovation wird zum Markenzeichen. Steiner nutzt Videotechnik als eigenen Ausdruck – sein Werk „Irritation – Da ist eine kriminelle Berührung in der Kunst“ (1976) mit Ulay ist ein monumentales Beispiel für mediale Grenzüberschreitung, wie sie nur wenigen Künstlern der Zeit gelang.
Die Studiogalerie, 1974 gegründet, verschmilzt erstmals in Berlin einen Produktionsraum für Performance Art, Video und Ausstellung. Steiner stattet Künstler wie Marina Abramovi?, Valie Export oder Jochen Gerz mit Equipment aus und dokumentiert Performances, die ansonsten verloren gewesen wären. Es ist kaum zu überschätzen, was dies für die Entwicklung der Videokunst bedeutete – ähnliche Pionierleistungen finden sich allenfalls bei Künstlern wie Bruce Nauman oder Bill Viola (deren Werke auch in Steiners späterer Sammlung Platz finden sollten).
Mit der fortschreitenden Technisierung der 1980er Jahre experimentiert Mike Steiner an den Rändern der Bilderfahrung. Neben Performance Art und Videokunst erprobt er Fotografie, Copy Art, Super-8-Film und Installationen – als könne er die Möglichkeiten bildlicher Narration und Abstraktion niemals ausschöpfen. Die Werksammlung aus dieser Zeit – etwa die Serie „Painted Tapes“ – vereint elektronische Bildwelten mit malerischen Gesten, verschmilzt analoge Poesie mit digitalem Flackern zu einer eigenen Formensprache. Ein Ansatz, den Künstler wie Pipilotti Rist erst Jahre später systematisch weiterverfolgen sollten.
Hervorragend dokumentiert ist seine größte Retrospektive im Jahr 1999: Im Hamburger Bahnhof, Nationalgalerie der Gegenwart präsentiert Mike Steiner seine „Color Works“ und wird damit als Erneuerer der Zeitgenössischen Kunst gewürdigt. Die Ausstellung belegt eindrucksvoll den Bogen von expressiver Malerei über multimediale Projekte bis hin zur konzeptuellen Videokunst – jedes Werk ein Beleg für Steigers Eigenständigkeit.
Worin liegt die bleibende künstlerische Leistung von Mike Steiner? Es ist einerseits die Experimentierfreude, das Beharren auf intermedialem Arbeiten, die Fähigkeit, Zeitgenössische Kunst stets anders und überraschend zu denken. Andererseits ist es auch sein Engagement als Netzwerker, Sammler, Galerist und Förderer, das seine Rolle als Schlüsselfigur der Kunstszene Berlins untermauert. Seine Sammlung dokumentiert die internationale Videokunstbewegung ebenso wie die historischen Strömungen von Fluxus über Performance zu Installationen. Das über Jahrzehnte gewachsene Archiv, heute Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und im Hamburger Bahnhof, sichert sein Erbe und lässt kommende Generationen an der Innovationskraft der frühen Medienkunst teilhaben.
Biografisch spiegelt Steiners Vita die Brüche und Freiheiten der Nachkriegsmoderne. Vom ostpreußischen Allenstein über Westberlin und New York zieht sich der Faden einer Existenz, die sich immer wieder aufs Neue erfindet: als Maler, als Avantgardist der Videokunst, als Galerist, Sammler, Archivleiter. Inspirierende Impulse bezog er nicht nur von Künstlerfreunden wie Allan Kaprow, sondern auch aus der internationalen Szene – stets im Aufbruch, stets im Dialog.
Sein künstlerisches Lebenswerk bleibt ein bewegtes Geflecht – Performance Art, Malerei, Videokunst und multimediale Installationen sind dabei nicht als getrennte Inseln zu sehen, sondern als organisch wachsendes Gesamtuniversum.
Faszinierend ist letztlich der offene Ausgang seines OEuvres: Selbst in den letzten Jahren, als er sich wieder abstrakter Malerei und Stoffarbeiten widmete, blieb der experimentelle Anspruch bestehen – das kompromisslos Zeitgenössische in seiner Kunst hat nichts von seiner Kraft eingebüßt. Mike Steiner mag 2012 gestorben sein, doch sein Vermächtnis wirkt: Wer sich heute fragt, wie zeitgenössische Kunst überhaupt gedacht werden kann, kommt an seinem Name und Werk nicht vorbei.
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