Mike Steiner Malerei & Videokunst: Vom Videopionier zur abstrakten Farbe
24.02.2026 - 11:11:03 | ad-hoc-news.de
Wie viel Bewegung bleibt im Bild, wenn der Pinsel ruht? Wer Mike Steiner Malerei & Videokunst betrachtet, entdeckt in seinen Gemälden eine Dynamik, die scheinbar aus dem Moment zwischen Standbild und bewegtem Bild entspringt. Ist Malerei für Steiner ein Nachklang früherer Zeitmedien – oder ein Widerstand gegen deren Flüchtigkeit?
Hier die Malerei von Mike Steiner entdecken
Die Einladung, jene Werke in der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof auszustellen, ist keineswegs zufällig. Mit der Präsentation im Kontext von Live to Tape wird klar, wie sehr Archivierung, Sammlung und Performanz in Steiners Denken miteinander verwoben sind. Steiner ist nicht nur als Künstler bedeutend, sondern ebenso als Sammler und Bewahrer einer Epoche experimenteller Kunst. Archive wie das Archivio Conz verdeutlichen, dass Kunstgeschichte immer auch Netzwerkarbeit ist: das Sichtbarmachen von Begegnungen, von unscheinbaren Übergängen zwischen Stilen und Medien. Steiners Werke entfalten ihre Wirkung genau an dieser Schnittstelle.
Mitte der 1960er Jahre trat Mike Steiner als herausragende Figur Berlins in Erscheinung: Geboren 1941 in Allenstein, aufgewachsen in West-Berlin, und schon mit 17 präsentierte er Malerei auf der Großen Berliner Kunstausstellung. Früh pendelte er zwischen Leinwand und Kamera, geprägt durch sein Studium bei Hans Jaenisch und Hans Kuhn an der Hochschule der Künste. Die Malerei, die ihn nach New York führte, verflocht sich untrennbar mit Bewegungen wie Fluxus, Minimal Art und Pop Art. Es war die Begegnung mit Persönlichkeiten wie Lil Picard, Allan Kaprow oder Al Hansen – Ikonen aus dem Dunstkreis von Fluxus und Happening –, die seinen Blick für das Hybride, das Prozesshafte schärften.
Bald galt Steiner nicht mehr nur als Maler, sondern auch als Pionier der Videokunst – ein Begriff, den er maßgeblich prägte. Seine Berliner Studiogalerie avancierte Mitte der 70er Jahre zum Zentrum der internationalen Avantgarde. Dort dokumentierte er Performances von Marina Abramovi?, Valie Export, Ulay und Jochen Gerz: allesamt Grenzgänger, die wie er die Formensprache abstrakter Kunst erweiterten. Doch auch als Kurator und Sammler vermittelte er den Geist eines neuen, experimentierfreudigen Berlin.
Was bedeutet „Zurück zur Malerei“ für einen radikal offenen Künstler wie Steiner? Die Antwort geben seine jüngeren abstrakten Arbeiten, die im letzten Jahrzehnt seines Schaffens entstanden. Steiner verzichtet auf narrative Motive, bevorzugt große Farbfelder, Überlagerungen, das scheinbar spontane Setzen von Linien – eine Reminiszenz an das „Live to Tape“-Prinzip, nur dass die Zeitspuren nun auf Papier und Leinwand gespeichert werden. Die Ausstellung seiner zeitgenössischen Werke bei Artbutler positioniert ihn zum wiederholten Mal im Zentrum von Abstrakte Kunst Berlin. Hier wird klar: Das Abstrakte in Steiners Malerei ist kein reiner Rückzug ins Formalistische, sondern bleibt ein Aufspüren von Erinnerungsbildern, Videospuren, kollektiver Geschichte.
Vergleicht man ihn mit Künstlern wie Joseph Beuys, George Maciunas oder Nam June Paik – ebenfalls im Archivio Conz dokumentiert – wird Steiners eigenständige Position deutlich. Er bleibt Brückenbauer zwischen den Disziplinen, denkt die Malerei als lebendige Reaktion auf vergangene Medienumbrüche. Seine Painted Tapes, Hybridformen aus Video und Malerei, markieren diese Haltung exemplarisch: Jede Leinwand ist ein Bildspeicher, jeder Farbauftrag ein performativer Akt, jede Form ein Echo der performativen Stücke seiner Zeit.
Im Dialog zwischen Steve Reichs Loop-Kompositionen und der serielle Minimalität von Donald Judd reflektiert Steiner das eigene Medium. Gleichwohl hebt sich seine Abstraktion durch Berliner Direktheit und gestischen Impuls ab – das Großstadtflackern überträgt sich in Farbabbrüche, Störungen, Rauschen. Dieses ästhetische Eigenrauschen macht Steiners Spätwerk erstaunlich aktuell: In der aktuellen Malerei-Kultur Berlins steht er als Zeuge für die elementaren Fragen nach Bild und Bewegung, nach Gegenwart und Erinnerung.
Die Relevanz von Mike Steiner Malerei & Videokunst heute? Sie liegt in der Kontinuität des Experiments, im Mut zum Neuanfang, in der Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit – und in der Offenheit, alle Mediengrenzen immer wieder infrage zu stellen.
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