Microsoft, Millionen-Rückzahlung

Microsoft entschuldigt sich: Millionen-Rückzahlung nach AI-Preistrick

09.11.2025 - 11:42:12

Die versteckte “Classic”-Option

Der Tech-Konzern lenkt nach rechtlichem Druck aus Australien ein: Microsoft bietet Millionen von Kunden Geld zurück, weil das Unternehmen bei Preiserhöhungen eine günstigere Alternative verschwiegen hatte. Die australische Wettbewerbsbehörde wirft dem Konzern vor, Abonnenten bewusst in die Irre geführt zu haben.

Was war geschehen? Microsoft hatte im Herbst 2024 seinen Copilot-KI-Assistenten in die Microsoft 365-Abos integriert – und gleichzeitig die Preise kräftig angehoben. Rund 2,7 Millionen australische Nutzer erhielten die Nachricht: Entweder die Preiserhöhung akzeptieren oder kündigen. Dass es eine dritte, günstigere Option ohne KI-Features gab, verschwieg Microsoft zunächst.

Die Australian Competition and Consumer Commission (ACCC) reichte Ende Oktober Klage ein. Der Vorwurf: irreführende Geschäftspraktiken. Nur zehn Tage später folgte Microsofts öffentliche Entschuldigung. „Wir hätten klarer sein müssen”, räumte das Unternehmen ein. „Wir sind hier hinter unseren eigenen Standards zurückgeblieben.”

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Die Preiserhöhungen hatten es in sich: Das Personal-Abo verteuerte sich um 45 Prozent von umgerechnet 65 auf 95 Euro jährlich, das Family-Abo um 29 Prozent von 83 auf 107 Euro. Microsoft kommunizierte diese Änderungen in zwei E-Mails und einem Blogbeitrag – doch nirgends war vom günstigeren “Classic”-Plan die Rede.

Diese Alternative erhielt sämtliche bisherigen Funktionen zum alten Preis, nur ohne den neuen Copilot-Assistenten. Kunden stießen erst darauf, wenn sie bereits tief im Kündigungsprozess steckten. „Microsoft hat diese Classic-Pläne in seinen Mitteilungen bewusst ausgelassen”, erklärte ACCC-Chefin Gina Cass-Gottlieb. Das Ziel sei offensichtlich gewesen: möglichst viele Nutzer auf die teureren Copilot-Tarife zu drängen.

Kann ein Weltkonzern wie Microsoft solche Praktiken ernsthaft mit „Versehen” erklären? Die Behörde glaubt das nicht – und fordert vor Gericht Strafen, einstweilige Verfügungen und Schadenersatz für Verbraucher.

So funktioniert die Rückzahlung

Microsoft bietet nun allen betroffenen Kunden in Australien und Neuseeland Erstattungen an. Wer bis zum 31. Dezember 2025 vom aktuellen Copilot-Abo auf den Classic-Plan wechselt, erhält die Preisdifferenz zurück. Die Rückerstattung gilt rückwirkend für alle Zahlungen ab der ersten Verlängerung nach dem 30. November 2024.

Die Abwicklung soll automatisch erfolgen: Innerhalb von 30 Tagen nach dem Tarifwechsel wird der Betrag auf die ursprüngliche Zahlungsmethode überwiesen. Allerdings lief nicht alles glatt – erste Kunden berichteten von fehlerhaften Links und technischen Problemen in den Benachrichtigungs-E-Mails.

Für Abonnenten ergeben sich zwei Optionen: Entweder beim teureren Tarif mit KI-Funktionen bleiben oder zum Classic-Plan wechseln und die Rückzahlung kassieren. Eine klare Entscheidung – hätte Microsoft diese Transparenz von Anfang an geboten, wäre der gesamte Ärger vermeidbar gewesen.

Warnsignal für die Tech-Branche

Trotz Entschuldigung und Rückzahlungsangebot geht das Gerichtsverfahren weiter. Die ACCC lässt nicht locker und sendet damit ein deutliches Signal an die gesamte Technologiebranche: Intransparente Geschäftspraktiken haben Konsequenzen. Nach australischem Verbraucherschutzrecht können die Strafen pro Verstoß in die Millionen gehen.

Der Fall verdeutlicht ein wachsendes Problem: Tech-Konzerne bündeln zunehmend neue Features – besonders KI-Funktionen – mit bestehenden Diensten und erhöhen automatisch die Preise. Regulierungsbehörden weltweit nehmen sogenannte “Dark Patterns” verstärkt ins Visier: Designelemente, die Nutzer zu ungewollten Entscheidungen drängen.

Microsoft-Copilot, Preistransparenz und Verbraucherschutz werden auch in Europa zum Thema. Die EU-Kommission beobachtet ähnliche Praktiken mit wachsender Skepsis. Während Microsofts Reaktion ein erster Schritt ist, wird das Gerichtsverfahren zeigen, wie ernst es Behörden mit der Durchsetzung von Unternehmensverantwortung im digitalen Zeitalter meinen.

Für andere Tech-Riesen gilt: Die Zeiten, in denen sich KI-Integration und Preiserhöhungen ohne klare Kommunikation durchsetzen ließen, sind vorbei. Wer seine Kunden künftig nicht vollständig informiert, riskiert nicht nur Imageschäden, sondern handfeste rechtliche Konsequenzen.

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