KI-Bann, WhatsApp

Meta setzt KI-Bann auf WhatsApp Business in Brasilien durch

23.01.2026 - 18:01:12

Ein Gericht in São Paulo setzte eine Verfügung der Wettbewerbsbehörde aus, sodass Meta Drittanbieter-KI von seiner Business-Plattform ausschließen kann. Der Fall hat globale Signalwirkung.

Ein brasilianisches Gericht hat eine Wettbewerbsaufsicht gestoppt und damit den Weg für den umstrittenen KI-Bann von Meta auf WhatsApp Business freigemacht. Die Entscheidung ist ein schwerer Schlag für unabhängige KI-Entwickler und unterstreicht den globalen Machtkampf um die Kontrolle künstlicher Intelligenz auf großen Plattformen.

Gericht kippt Aufsichtsentscheidung

In einer überraschenden Wendung hat ein Gericht in São Paulo am Freitag eine einstweilige Verfügung der brasilianischen Wettbewerbsbehörde CADE ausgesetzt. Diese hatte Meta vorübergehend daran gehindert, Drittanbieter von KI-Chatbots von der WhatsApp-Business-Plattform auszuschließen. Mit dem neuen Urteil kann der Tech-Konzern seine umstrittene Richtlinie nun durchsetzen – ein klarer Sieg für Meta im Kampf um die Vorherrschaft im KI-Markt.

Die Behörde hatte die Maßnahme ergriffen, nachdem KI-Entwickler Beschwerde eingelegt hatten. Sie sahen in Metas Vorgehen einen Verstoß gegen Wettbewerbsregeln, der gezielt Konkurrenz ausschalten und den eigenen KI-Assistenten „Meta AI“ bevorzugen soll. Das Gericht folgte dieser Argumentation vorläufig nicht.

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Konflikt um KI-Zugang eskaliert

Der Streit entbrannte bereits im Oktober 2025, als Meta die Nutzungsbedingungen für die WhatsApp Business API änderte. Die neuen Regeln verbieten ausdrücklich die Nutzung durch allgemeine KI-Anbieter wie ChatGPT-Integratoren. Nur unternehmenseigene Chatbots für den Kundenservice bleiben erlaubt.

Für Brasilien, wo WhatsApp tief in den Alltag von Handel und Kommunikation verwoben ist, hätte ein solcher Bann gravierende Folgen. Ganze Geschäftsmodelle, die auf KI-gestützte Kundenkommunikation setzen, wären gefährdet. Die Wettbewerbshüter von CADE sahen darin den möglichen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung.

Kurze Atempause für Entwickler beendet

Noch vor einer Woche sah es nach einem Erfolg für die Aufseher aus. Unter dem Druck von CADE hatte Meta Brasilien vorübergehend von der globalen Durchsetzung des Banns ausgenommen – ähnlich wie zuvor bereits Italien. KI-Dienste mit brasilianischen Telefonnummern konnten weiterarbeiten.

Doch diese Schonfrist ist mit dem Gerichtsbeschluss beendet. Die Ausnahme für Brasilien wurde umgehend aus den Nutzungsbedingungen gestrichen. Für lokale KI-Unternehmen bedeutet das eine ungewisse Zukunft und zwingt sie zur schwierigen Wahl: Entweder sie setzen auf Metas eigene KI-Lösungen oder verzichten auf generative KI-Assistenten auf der wichtigsten Kommunikationsplattform des Landes.

Globale Signalwirkung

Der Fall in Brasilien wird international aufmerksam verfolgt. Er könnte ein Präzedenzfall dafür werden, wie Plattform-Macht, KI-Integration und Kartellrecht künftig zusammenspielen. Auch die Europäische Union hat bereits Wettbewerbsuntersuchungen zu Metas KI-Politik eingeleitet.

Die grundsätzliche Untersuchung von CADE gegen Meta läuft trotz der gerichtlichen Niederlage weiter. Der juristische Schlagabtausch ist wahrscheinlich noch nicht beendet. Klar ist jedoch: Der Kampf darum, wer die Regeln für KI auf großen Tech-Plattformen setzt, hat gerade eine neue, entscheidende Runde begonnen.

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