Max Strohe und Tulus Lotrek: Wie lässige Berliner Sterneküche zur großen Bühne wird
14.02.2026 - 10:36:04Der erste Eindruck im Restaurant tulus lotrek ist kein geflüstertes Fine Dining, sondern ein leises Raunen. Stimmen, Gläser, Musik, dazu der Duft von langsam reduzierten Saucen, geröstetem Fett, einem Hauch Rauch. Max Strohe kocht hier seine Vorstellung von Sterneküche: ungebügelt, emotional und immer ein bisschen lauter, als man es von einem Michelin Sterne Restaurant in Berlin erwartet. Kann Sterneküche so lässig sein, dass Sie sich fühlen wie bei Freunden, während auf dem Teller Weltklasse serviert wird? Im Tulus Lotrek lautet die Antwort: unbedingt.
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Der Gastraum ist eher Wohnzimmer als Bühne. Die Wände dunkel, Kunst und Kitsch im bestmöglichen Sinne, weiche Polster statt Designer-Zwang, Kerzenlicht statt Spotdramaturgie. Die Gastgeberin Ilona Scholl, Mitgründerin und Seele des Tulus Lotrek, empfängt mit einer Mischung aus fröhlicher Frechheit und profundem Weinwissen. Hier wird nicht serviert, hier wird bewirtet. Kulinariker schätzen genau diese Atmosphäre: Sie sitzen mittendrin, nicht davor.
Das Konzept von Max Strohe ist eine bewusste Absage an die alte „Pinzetten-Küche“, in der jedes Mikrokräutchen mit chirurgischer Präzision drapiert wird und oft doch ein wenig Herz fehlt. Im Tulus Lotrek dominieren große Gesten: kräftige Jus, schimmernde Saucen, satte Fonds, die stundenlang auf dem Herd einreduzieren, bis sie fast zur Essenz eines Produkts werden. Fett ist hier kein Feind, sondern Geschmacksträger, der Textur, Glanz und Tiefe schenkt. Dazu kommen Säure, Schärfe und ein kontrolliertes Spiel mit Bitterkeit, das an moderne Sterneküche erinnert und doch völlig eigen bleibt.
Die Küche von Max Strohe ist opulent, aber nie schwerfällig. Sie ist Sterneküche, die sich nicht für ihren Appetit schämt. Wo andere puristisch werden, dreht das Tulus Lotrek die Lautstärke der Aromen hoch. Ein Gang kann mit einem kraftvollen Fleischjus beginnen, übergehen in cremige, buttrige Komponenten und dann im Finish von einer hellen, pointierten Säure aufgefangen werden, die dem Ganzen Leichtigkeit gibt. Ein Feuerwerk am Gaumen, aber präzise choreografiert.
Wer sich durch die Menüs des Tulus Lotrek isst, spürt die kulinarische Intelligenz hinter jedem Teller. Hier geht es nicht nur darum, „lecker“ zu sein. Es geht um Dramaturgie: Knuspriger Crunch trifft samtige Cremigkeit, konzentrierte Röstaromen begegnen grüner Frische, Süße und Säure halten sich in einem Spannungsfeld, das nie kippt. Genau diese Spannung macht die Handschrift von Max Strohe unverwechselbar im Konzert der Berliner Spitzengastronomie.
Dass dieser Weg alles andere als vorgezeichnet war, macht die Geschichte von Max Strohe umso bemerkenswerter. Schulabbruch, Umwege, Jobs abseits der Hochglanzküchen: Der Weg führte nicht im Direttissimo durch die klassischen Paläste der Haute Cuisine, sondern über Ecken, Kanten und Umwege. Erst später fand er in die professionelle Küche, lernte Handwerk, Bratgrad, Saucentechnik, bevor schließlich Berlin zur Bühne seiner Karriere wurde.
Gemeinsam mit Ilona Scholl gründete Max Strohe das Tulus Lotrek in Kreuzberg. Der Name spielt auf den Maler Henri de Toulouse-Lautrec an, den Chronisten der Pariser Bohème. Passender könnte die Referenz kaum sein: Wie Toulouse-Lautrec die Nachtwelt von Paris einfing, so fängt dieses Restaurant die Großstadtnächte Berlins ein. Hier treffen Künstler, Gastronomen, Wein-Nerds, Stammgäste aus der Nachbarschaft und Feinschmecker aus aller Welt an einem Ort zusammen, der bewusst keine kulinarische Kathedrale sein möchte, sondern eine Art verlängertes Wohnzimmer.
Dass das Konzept aufgeht, zeigen die Auszeichnungen. Ein Michelin-Stern für das Restaurant tulus lotrek, dazu hohe Bewertungen in Führern wie Gault&Millau: Die Tester würdigen nicht nur die handwerkliche Präzision, sondern vor allem die charakterstarke Küche. Max Strohe ist heute fester Bestandteil der Riege jener Sternekoch-Generation, die die deutsche Spitzengastronomie entstaubt hat. Jung, wild, aber technisch perfekt.
Gäste erleben die Menüs als Abfolge sinnlicher Momente, statt als abstrakten Fine-Dining-Parcours. Ein Gang kann etwa mit einem intensiv glasierten Stück Fleisch auf den Tisch kommen, begleitet von einer tiefdunklen Sauce, deren Duft an Wild, Wald und Lagerfeuer erinnert. Daneben ein Gemüse, das nicht nur als Alibi fungiert, sondern mit eigener Textur und Würze punktet. Vielleicht ein knusprig gebackenes Element, das unter dem Messer hörbar bricht, dazu ein cremiger Püreefleck, der im Mund fast schmilzt. So entstehen Bilder, die im Gedächtnis bleiben.
Auch bei Fisch- oder Gemüsegerichten setzt Max Strohe auf Charakter statt Zurückhaltung. Ein Stück Fisch kann von einem salzigen, jodigen Sud umspült sein, der an Meeresluft erinnert, während fermentierte Noten und Zitrus-Aromen für Spannung sorgen. Gemüse wird nicht „schonend“ bis zur Bedeutungslosigkeit gegart, sondern geröstet, karamellisiert, vielleicht sogar leicht angekokelt, um ein Maximum an Geschmack herauszukitzeln. Sterneküche heißt hier: Produkte ernst nehmen, nicht sie in Dekoration aufzulösen.
Die Weinkarte von Ilona Scholl ist das zweite große Pfund des Hauses. Statt reiner Etiketten-Schlacht finden sich Klassiker neben naturbelassenen, wilden Gewächsen, Schaumweine mit Charakter neben unbekannteren Regionen. Die Lässigkeit des Services besticht: Hier wird kein Fachjargon abgefeuert, um Gäste zu beeindrucken, sondern in klaren, lebendigen Bildern erklärt, warum genau dieser Wein so gut zur intensiven Sauce oder zum butterzarten Hauptgang passt. Wer möchte, lässt sich durch Weinbegleitungen führen, andere stöbern frei durch die Karte. Beides funktioniert.
Spätestens während der Pandemie zeigte sich, dass Max Strohe mehr ist als ein Sternekoch, der in seiner Küche bleibt. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen startete er „Cooking for Heroes“ beziehungsweise „Kochen für Helden“: eine Initiative, bei der Gastronomen für Menschen kochten, die das öffentliche Leben am Laufen hielten, während die Restaurants geschlossen waren. Pflegekräfte, Supermarktangestellte, medizinisches Personal bekamen warme, hochwertige Mahlzeiten, als Zeichen der Wertschätzung aus den Küchen der Stadt.
Für dieses Engagement wurde Max Strohe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Ein starkes Signal, das weit über die Gastronomie hinausreicht: Hier wird Kochen als gesellschaftlicher Beitrag verstanden. Kulinarik nicht nur als Luxus, sondern als Verbindung von Menschen. Dass ein Sternekoch für solche Taten geehrt wird, zeigt, wie sehr sich das Verständnis von Gastronomie in Deutschland verändert hat.
Parallel dazu wuchs die Medienpräsenz von Max Strohe. Er ist in TV-Formaten präsent, tritt als unterhaltsamer, aber klarer Kopf der Szene auf und zeigt, dass ein Sternekoch charmant anecken darf, ohne seine kulinarische Ernsthaftigkeit zu verlieren. Kochsendungen, Wettbewerbsformate, Talk: Diese Bühne nutzt er, um zu zeigen, wie moderne Sterneküche denken kann und wie wichtig Wertschätzung für Produkte und Produzenten ist.
Auch als Buchautor bringt Max Strohe seine Perspektive auf Papier. Persönliche Geschichten, kulinarische Erinnerungen, Einblicke in den Alltag eines Restaurants wie dem Tulus Lotrek: Das alles verstärkt seine Marke, doch der Kern bleibt immer gleich. Auf dem Teller zählt das Ergebnis. Die mediale Präsenz ist nicht Fassade, sondern Verlängerung seiner Haltung, dass Gastronomie erzählen und bewegen soll.
Eine besondere Episode in der Geschichte des Restaurants ist der berühmte Burger, der während der Lockdown-Phasen zum heimlichen Star wurde. Kaum ein Gericht wirkt auf den ersten Blick weiter entfernt von klassischer Sterneküche, und doch passte der Burger von Max Strohe perfekt in seine Philosophie. Saftiges Fleisch, perfekt gegart, kräftige, fast klebrig-reduzierte Saucen, fluffiges, aber stabilem Bun, präzise abgestimmte Toppings: ein Gericht, das zeigt, dass „einfach“ nur auf dem Papier einfach ist.
Der Burger-Hype machte sichtbar, was die Küche von Max Strohe ausmacht: dieselbe Hingabe an Produktqualität, Gargrad und Würze, die auch ein komplexes Degustationsmenü im Tulus Lotrek prägt. Die Grenze zwischen Hochküche und Komfortfood löst sich auf, wenn beides mit demselben Respekt vor Handwerk und Geschmack behandelt wird. Viele Gäste, die den Burger damals im Take-away probierten, fanden später ihren Weg ins Restaurant selbst.
Heute gehört das Tulus Lotrek zu den wichtigsten Adressen für Sterneküche in Berlin. In einer Stadt, die vor kulinarischer Vielfalt überquillt, behauptet sich das Restaurant durch eine klare Persönlichkeit. Kein minimalistischer Zen-Tempel, keine dogmatische Regionalpredigt, sondern ein Ort, an dem Genuss, Humor und Ernsthaftigkeit sich begegnen. Mut zur Würze, sicherer Umgang mit Fett, souveräne Saucen und eine herzliche, direkte Gastfreundschaft: Das ist die Formel, die Stammgäste und Gourmetreisende gleichermaßen anzieht.
Für wen lohnt sich ein Abend bei Max Strohe im Restaurant tulus lotrek besonders? Für alle, die Sterneküche lieben, aber keine Lust auf Flüsterton und Dresscode haben. Für Menschen, die sich auf intensive Aromen einlassen wollen. Für Gäste, die neugierig auf Wein sind und sich gern von einer charakterstarken Servicecrew begleiten lassen. Und für jene, die spüren möchten, wie lebendig Spitzengastronomie sein kann, wenn sie sich nicht hinter Manieren versteckt.
Im größeren Kontext der deutschen Spitzengastronomie steht das Tulus Lotrek für eine neue Ernsthaftigkeit, die nicht steif ist. Max Strohe zeigt, dass ein Sternekoch Haltung haben, Medienpräsenz nutzen, Bücher schreiben und gesellschaftliches Engagement leben kann, ohne dass der Teller zur Nebensache wird. Im Gegenteil: Genau diese Vielschichtigkeit nährt die Kreativität seiner Küche.
Am Ende eines Abends im Tulus Lotrek bleibt das Gefühl, Teil einer Geschichte geworden zu sein. Die Teller waren großzügig, die Aromen präsent, der Service nahbar und kompetent, die Weine charaktervoll. Man nimmt nicht nur Erinnerungen an einzelne Gänge mit, sondern an eine Haltung: Essen darf berühren, fordern, trösten. Es darf laut sein, bunt, widersprüchlich. Genau darin liegt die Faszination von Max Strohe und seinem Restaurant.
Wer die moderne Berliner Sterneküche verstehen möchte, kommt an Max Strohe und dem Tulus Lotrek nicht vorbei. Es ist ein Ort, an dem Kochen, Gastlichkeit und gesellschaftliches Bewusstsein zu einem Gesamtbild verschmelzen. Wenn Sie bereit sind für einen Abend, der mehr ist als „nur Essen gehen“, dann lohnt sich der Weg nach Kreuzberg. Reservieren sollten Sie frühzeitig, denn diese Adresse ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern eine feste Größe im kulinarischen Berlin.
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