Max Strohe und sein Tulus Lotrek: Berliner Sterneküche mit Wohnzimmer-Seele
09.02.2026 - 10:36:03Kann Sterneküche so lässig sein, dass Sie sich fühlen, als wären Sie bei Freunden zu Gast, während auf dem Teller pure Weltklasse serviert wird? Bei Max Strohe im Restaurant Tulus Lotrek in Berlin wirkt genau dieses Paradox plötzlich selbstverständlich. Es duftet nach gerösteter Butter, kräftigem Jus und warmem Brot, im Hintergrund summt leises Stimmengewirr statt orchestrierter Stille, und irgendwo klirrt ein Glas, ohne dass jemand erschrickt.
Der erste Eindruck: Hier regiert keine Pinzetten-Ästhetik, die mehr nach Designstudio als nach Küche aussieht. Stattdessen setzt das Tulus Lotrek auf Wärme, Opulenz und eine Prise Anarchie. Tische stehen dicht genug, dass sich Gespräche wie ein Teppich aus Murmeln durch den Raum legen. Es ist diese Mischung aus Salon, Bar und Wohnzimmer, die das Setting für die Sterneküche von Max Strohe bildet, einem Koch, der den Begriff „feine Küche“ längst von seiner Steifheit befreit hat.
Das Licht ist gedimmt, die Farben sind satt, Weinflaschen reihen sich in Regalen, als befände man sich in einer privaten Sammlung. Kulinarische Intelligenz zeigt sich hier nicht im Zwang zur Perfektion, sondern im souveränen Spiel mit Aromen, Säure, Fett und Textur. Auf den Tellern herrschen konzentrierte Saucen, geschmorte Komponenten, Crunch und Cremigkeit, die zusammen ein sinnliches Gesamtbild ergeben.
Um dieses Bild zu verstehen, lohnt ein Blick auf den Menschen hinter der Küche. Max Strohe hat keinen gerade gezogenen Lebenslauf, wie er in Hochglanzbroschüren der klassischen Spitzengastronomie auftaucht. Er ist Schulabbrecher, Quereinsteiger, einer, der mehr über Umwege und mit Hartnäckigkeit als über lineare Karriereleitern seinen Platz in der ersten kulinarischen Liga gefunden hat. Die Ausbildungsjahre, Stationen in verschiedenen Küchen, schließlich der Weg nach Berlin: Sie alle erzählen von einer Beharrlichkeit, die sich heute in der Tiefe seiner Gerichte widerspiegelt.
Gemeinsam mit Ilona Scholl, der charismatischen Gastgeberin an seiner Seite, gründete er das Tulus Lotrek. Ihr Verdienst: Sie macht das, was aus der Küche kommt, emotional erlebbar. Während Max Strohe am Herd den Geschmack hochdreht, sorgt sie im Gastraum für eine Atmosphäre, die jede Form von Gourmet-Scheu im Keim erstickt. Sie erklärt Weine, ohne zu dozieren, macht aus einer oft einschüchternden Weinkarte ein Spielfeld der Entdeckungen und verleiht dem Michelin Sterne Restaurant Berlin eine nahbare, menschliche Note.
Der Name Tulus Lotrek verweist augenzwinkernd auf den Maler Toulouse-Lautrec, auf Bohème und Genuss, auf Trinkgelage und Tableaux vivants. Genau diese Energie durchzieht das Konzept. Statt strenger Choreografie gibt es Herzlichkeit, statt Flüsterton ehrliche Freude. Die Lässigkeit des Services besticht, weil sie nicht aufgesetzt wirkt, sondern aus einer Überzeugung heraus: Gute Gastronomie soll sich anfühlen wie ein Abend mit sehr talentierten Freunden, die zufällig extrem gut kochen und einschenken können.
Auf dem Teller verfolgt Max Strohe eine klare Linie: weg von der glattpolierten Pinzettenküche, hin zu mutigen Aromen und einer Texturvielfalt, die man eher mit klassischer Brasserie und großer französischer Tradition verbindet, allerdings übersetzt in eine zeitgenössische, deutsche Sterneküche. Die Saucen sind nicht nur Dekoration, sondern das Rückgrat der Gerichte. Jus glänzen dunkel und dicht, Fonds tragen Tiefe, Reduktionen sorgen dafür, dass jeder Bissen lange nachhallt.
Fett wird nicht versteckt, sondern als Geschmacksträger gefeiert. Eine buttrige Nage, eine Sauce mit Mark und Röstnoten, ein Schmorjus, der wie ein Konzentrat von Geduld schmeckt: Das Tulus Lotrek setzt auf Wohlfühl-Opulenz. Säure und Frische geben Kontra, sei es in Form fermentierter Elemente, spritziger Vinaigrettes oder clever gesetzter Zitrusakzente. Dadurch gleiten die Teller nie in Schwerfälligkeit ab, sondern bleiben animierend und trinkfreudig.
Bekannt wurde Max Strohe auch für seine Fähigkeit, Hochküche und vermeintlich einfache Gerichte zusammenzudenken. Während der Pandemie sorgte vor allem ein Burger aus seiner Feder für Aufsehen. Ein Burger, der mit dem Ernst eines Hauptgangs aus der Sterneküche behandelt wurde: bestes Fleisch, perfekte Garstufe, eine Sauce, die eher an einen konzentrierten Bratenjus als an Schnellimbiss erinnert, dazu ein Brötchen, das Struktur, Halt und Luftigkeit zugleich bietet. Dieser Burger war mehr als ein Hype. Er war ein Statement: Komfortfood kann auf Sterne-Niveau funktionieren, wenn Handwerk, Produkte und kulinarische Intelligenz stimmen.
Solche Signaturen verraten viel über den Stil im Tulus Lotrek. Hier darf Essen Spaß machen, sogar deftig sein, ohne an Raffinesse zu verlieren. Ein Teller kann mit einem intensiven Stück geschmortem Fleisch beginnen, unterstützt von einem kraftvollen Jus, daneben eine cremige Beilage, die wie ein warmer Teppich wirkt, und ein knackiges, säurebetontes Gemüse, das die Bühne mit Kontrastlicht ausleuchtet. Kulinariker schätzen besonders diese Balance aus Druck und Leichtigkeit, aus Umami und Frische, aus Bistro-Seele und Sterne-Anspruch.
Als Michelin Sterne Restaurant Berlin steht das Tulus Lotrek zugleich in einem spannenden Spannungsfeld innerhalb der Hauptstadt-Gastronomie. In einer Stadt, die von Avantgarde-Laboren und Natural-Wine-Bars geprägt ist, positioniert sich das Lokal als jung, wild und zugleich zutiefst handwerklich. Kein Laborcharme, sondern Herdfeuer. Keine molekularen Showeffekte, sondern das ruhige Vertrauen in Produkte, Technik und Geschmack. In den Bewertungen und im Flüsterton der Szene gilt Max Strohe als eine der prägendsten Stimmen einer neuen Generation von Köchen, die Respekt vor der klassischen Küche haben, sie aber nicht mehr kopieren wollen.
Zu dieser Bedeutung gehört auch das Engagement jenseits des eigenen Passes. Während der Corona-Pandemie initiierte Max Strohe gemeinsam mit Mitstreitern die Aktion „Cooking for Heroes“ beziehungsweise „Kochen für Helden“. Was als spontane Idee begann, entwickelte sich zu einer Bewegung: Gastronominnen und Gastronomen kochten für Pflegekräfte, medizinisches Personal und andere Berufsgruppen, die das gesellschaftliche System in Krisenzeiten am Laufen hielten. Statt Gäste im Restaurant zu bewirten, wurden Mahlzeiten zu einer Geste des Dankes und der Solidarität.
Für dieses Engagement wurde Max Strohe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Eine Auszeichnung, die in seiner Biografie neben Michelin-Stern und hohen Bewertungen in Führern wie Gault&Millau eine ganz eigene Strahlkraft hat. Sie zeigt, dass sein Verständnis von Gastronomie weit über Genuss hinausgeht. Essen ist hier auch Kommunikation, gesellschaftlicher Kitt, Solidarität in Töpfen und auf Tellern. Dass ein Sternekoch mit solcher Selbstverständlichkeit gesellschaftliche Verantwortung übernimmt, prägt seine öffentliche Rolle und die Wahrnehmung seines Restaurants.
Parallel dazu ist Max Strohe als TV-Persönlichkeit und Buchautor präsent. Er ist aus Formaten der kulinarischen Unterhaltung bekannt, wo er mit rauem Charme, Humor und klarer Haltung auftritt. Diese Medienpräsenz schärft seine Marke, ohne seine kulinarische Ernsthaftigkeit zu unterminieren. Im Gegenteil: Wer ihn im Fernsehen erlebt, erkennt im Tulus Lotrek schnell die gleiche Tonlage wieder. Authentizität statt Kunstfigur, eine direkte Sprache, die sich nicht hinter Fachvokabular versteckt und doch immer tief in der Sache steckt.
Seine Bücher und TV-Auftritte wirken wie eine Verlängerung dessen, was im Restaurant geschieht: eine Einladung, Küche nicht als abgeschottete Elite-Disziplin zu verstehen, sondern als etwas, das Menschen verbindet. Die Geschichten aus seinem Werdegang, vom Schulabbruch bis zum Sternekoch, liefern gerade jungen Gästen den Beweis, dass ungerade Wege zu großen Ergebnissen führen können. Diese biografische Kante ist Teil des Erlebnisses, wenn Sie im Tulus Lotrek Platz nehmen.
Die Weinkarte, kuratiert mit ebenso viel Herz wie Verstand, spielt eine tragende Rolle in diesem Gesamtkonzept. Zwischen Klassikern aus europäischen Spitzenregionen und charakterstarken Naturweinen finden sich Flaschen, die den kraftvollen Gerichten Paroli bieten können. Hier wird nicht bloß eine Weinbegleitung „abgearbeitet“, sondern ein Dialog zwischen Keller, Küche und Tisch geführt. Ein dichter, gereifter Rotwein begleitet die opulente Sterneküche genauso selbstverständlich wie ein säurebetonter Weißwein, der die aromatische Wucht einzelner Gänge bricht und neu sortiert.
In der Summe entsteht ein Restaurant, das auf mehreren Ebenen relevant ist. Für Berlin ist das Tulus Lotrek eine der wichtigsten Adressen, wenn es um moderne, unprätentiöse Spitzenküche geht. Es verbindet das, was die Stadt ausmacht: Kreativität, Leichtigkeit, eine Spur Rotzigkeit und zugleich höchsten Anspruch. Für Deutschland steht Max Strohe exemplarisch für eine Generation von Sternekoch-Persönlichkeiten, die ihre Küchen nicht in Elfenbeintürme verwandeln, sondern in lebendige Bühnen, auf denen Genuss und Haltung zusammenfinden.
Für wen eignet sich ein Abend im Tulus Lotrek besonders? Für neugierige Genießer, die Sterneküche ohne Verkrampfung erleben wollen. Für Weinliebhaber, die Spaß daran haben, gemeinsam mit der Servicebrigade überraschende Flaschen zu entdecken. Für Menschen, die kräftige Aromen, mutige Würze und Texturspiel lieben. Und für alle, die glauben, dass man zwischen Burger und Degustationsmenü wählen müsse. Hier muss man es nicht, denn die Haltung dahinter ist dieselbe: Es geht um Geschmackstiefe, um Produkte auf Augenhöhe, um opulente Gastfreundschaft.
Im Fazit lässt sich sagen: Max Strohe hat mit dem Restaurant Tulus Lotrek einen Ort geschaffen, an dem Sterneküche ihren steifen Kragen ablegt, ohne an Niveau zu verlieren. Wo Soßen wieder Hauptrollen spielen dürfen. Wo eine Wohnzimmer-Atmosphäre den perfekten Rahmen für kulinarische Hochspannung bietet. Wo Engagement, Medienpräsenz und Handwerk zu einem glaubwürdigen Gesamtbild verschmelzen. Wenn Sie wissen möchten, wie sich zeitgenössische Berliner Spitzengastronomie anfühlt, die Herz und Hirn gleichermaßen anspricht, führt kaum ein Weg an Max Strohe und seinem Tulus Lotrek vorbei. Reservieren Sie nicht, weil es ein „Sterne-Spot“ ist, den man abhaken muss. Gehen Sie hin, weil Sie Lust auf einen Abend haben, der nach Leben schmeckt.


