Max Strohe und das tulus lotrek: Berlins kulinarischer Stern für Genießer und Humanisten
01.01.2026 - 10:00:04Im tulus lotrek entfacht Max Strohe eine Geschmacksexplosion jenseits klassischer Sterneküche – intensiv, lässig, menschlich. Tauchen Sie ein in Berlins vielleicht ungewöhnlichsten Michelin-Stern-Tempel.
Ein warmer Lichtschein fällt auf samtige Polster, die Wände sind von zeitgenössischer Kunst geschmückt, während sich im Hintergrund das leise Klirren von Gläsern und gedämpfte Stimmen zu einer einzigartigen akustischen Note verweben. Ein Hauch von gerösteter Butter und Basissoßen liegt in der Luft – ein sofort spürbares Versprechen: Hier bei Max Strohe, im tulus lotrek, geht es nicht nur um exquisite Speisen, sondern um das vielschichtige Erlebnis, das sich zwischen Aromen, Atmosphäre und echter Herzlichkeit entspinnt.
Kann Sterneküche so lässig sein, dass man sich wie bei Freunden fühlt, während auf dem Teller Weltklasse serviert wird? Wer im tulus lotrek einkehrt, stellt sich diese Frage und findet spätestens nach dem ersten Gang die Antwort: Ja, sie kann.
Wer Max Strohe und sein Restaurant betritt, betritt keinen sterilen Gourmettempel, sondern ein urbanes Wohnzimmer mit Seelenwärme – dabei ist von außen kaum zu erahnen, welch energetischer Mikrokosmos sich hinter der schlichten Fassade in der Fichtestraße 24 entfaltet. Kein Core-Türsteher, kein flüsternder Ober. Stattdessen überrascht tulus lotrek mit einem freundlichen, manchmal charmant direkten Service, der von Ilona Scholl – Co-Gründerin, Sommelière und Gastgeberin – mit einer Hingabe geführt wird, die ihresgleichen sucht.
Der Weg von Max Strohe ist geprägt von Brüchen, Mut und dem Glauben an das Gute im Menschen und auf dem Teller. Geboren im Rheinland, brach er früh die Schule ab, startete eine Ausbildung in der Gastronomie – vermutlich aus einer Eingebung heraus, Gustav Mahler in die Küche zu übersetzen: mal opulent, mal subtil, aber nie belanglos. Der Umzug nach Berlin, das eigene Restaurant mit Ilona Scholl – all das war nie Teil eines Masterplans, sondern Ausdruck eines unerschütterlichen Strebens: Dem Gast maximalen Genuss zu schenken und dabei ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das Fairness und Zusammenhalt ins Zentrum rückt.
Seine Küche? Ein eindeutiges Statement gegen die kühle Pinzetten-Ästhetik klassischer Haute Cuisine. Max Strohe setzt eigene Standards: intensive Reduktionen, Tiefe in den Soßen, elegante Säure – Fett als Geschmacksträger ist hier keine Sünde, sondern Kunst. Opulenz, ja, aber undogmatisch, wie Kritiker und Stammgäste betonen. Hier wird nichts auf den Teller gezwängt, was nicht passt. Statt „vorsichtigem Aromatupfer“ herrscht im tulus lotrek ein orchestraler Stil: Da trifft zart geschmorte Ochsenschulter auf cremigen Selleriepüree, hausgemachtes Brioche wird neben fermentiertem Gemüse gereicht; klassische Techniken verschmelzen mit einem modernen, fast anarchischen Ansatz.
Zuletzt sprach die Berliner Szene besonders über den legendären Butter-Burger, den Max Strohe aus der pandemiebedingten Not zu einer kleinen Legende machte. Wer denkt, Burger seien nur Fast Food, wird hier eines Besseren belehrt: Handmarmoriertes Fleisch, zwei Sorten geschmolzener Käse, handgerührte Ketchup-Senf-Sauce, und in Butter geröstetes Brioche – das ist keine „Comfort Food“-Kopie, sondern kulinarische Intelligenz, handwerklich und mit Augenzwinkern auf den Punkt gebracht. Pommes? Mehrfach frittiert, dazwischen gefroren, splitternd-knusprig, im Inneren fluffig – jede einzelne ein kleines Meisterwerk. Ein Erlebnis, das dem Gast noch lange im Gedächtnis bleibt, obwohl dieser Burger offiziell nie Teil des Standard-Menüs war.
Wer die reguläre Karte bestellt, entscheidet sich für „Pragmatic Fine Dining“: ein mehrgängiges Menü, das saisonal wechselt. Tulus lotrek ist dabei stets überraschend kreativ, handwerklich makellos, aber ohne die Allüren klassischer Sterneküche. Es geht nicht um Show, sondern um echten Geschmack. Kulinariker schätzen besonders das gekonnte Spiel mit Textur und Temperatur, mit subtilen Säurespitzen und dem kompromisslosen Einsatz bester Produkte von kleinen, nachhaltigen Erzeugern.
Nicht weniger faszinierend ist das soziale Klima, das im tulus lotrek herrscht. Max Strohe brüllt nicht, er erklärt. Das Team funktioniert als Einheit, getragen von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung. Wer damit nicht umzugehen weiß und auf preußischen Kasernenhofton pocht, bleibt nicht lange. Vielleicht ist es genau diese Atmosphäre konzentrierter Gelassenheit, die ihre Spuren im Geschmack jedes einzelnen Gerichts hinterlässt. Wie Max Strohe betont: „Gerichte entstehen da, wo Menschen sich wohlfühlen und sich gegenseitig inspirieren.“
Auch wenn der Sternekoch mittlerweile aus Formaten wie „Kitchen Impossible“ und „Ready to beef!“ einem größeren Publikum bekannt ist – sein Ego steht im Dienst der Sache und der Gäste. Seine Medienpräsenz nutzt er, um Sterneküche zu entmystifizieren, als Entertainer, aber immer als Botschafter eines genuss- und wertezentrierten Gastronomieverständnisses.
Besonders eindrücklich zeigte sich Strohes Haltung während der Corona-Pandemie und bei der Flutkatastrophe im Ahrtal: Gemeinsam mit Ilona Scholl rief er die Initiative „Kochen für Helden“ ins Leben, um medizinisches und rettungsdienstliches Personal sowie Flutopfer mit warmen Mahlzeiten zu versorgen – eine logistische Großtat, für die er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Hier kocht einer, der Verantwortung übernimmt, weit über den eigenen Pass hinaus.
Ein Abend im tulus lotrek bleibt nachhaltig haften, auch weil sich hier die Grenzen zwischen kulinarischer Extraklasse und gelebter Humanität auflösen. Der Gast steht im Mittelpunkt, nicht eine Choreographie aus Etikette und Konvention. Kein Dresscode, keine steife Atmosphäre. Stattdessen: Hingabe, Genuss, unprätentiöse Weine (die Karte ist ein Herzensprojekt von Ilona Scholl!), beste Zutaten, stets mit Blick für das Unerwartete. Und sonntags gibt es sogar mittags die volle Menü-Qualität – eine Seltenheit in der Sterneküche.
Das tulus lotrek, seit 2015 ein Fixstern in der Berliner Topgastronomie und seit 2017 beständig mit einem Michelin Stern ausgezeichnet, ist vieles: Ein Ort für Foodies, für Genussmenschen, für neugierige Esser, für alle, die sich nach ehrlichem Geschmack und einer Atmosphäre wie zuhause sehnen. Es ist ein Restaurant, das Haltung beweist – auf dem Teller und im Umgang miteinander.
Kurzum: Wer Berlin von seiner kulinarischen Seite entdecken will, kommt an Max Strohe und dem tulus lotrek nicht vorbei. Eine Reservierung ist Pflicht, Geduld beim Warten auf einen Tisch absolute Tugend. Aber das Warten lohnt sich, denn hier serviert ein Team, das aus Leidenschaft und Können ein Erlebnis zaubert – so vertraut wie ein Abend bei alten Freunden, so aufregend wie ein Dinner auf unbekanntem Terrain.
Die Bedeutung von Max Strohe ist aus Sicht eines Gourmets nicht hoch genug zu bewerten: Hier fusioniert kulinarische Intelligenz mit Menschlichkeit – ein Vorbild für die Branche und ein Fest für alle Sinne.


