Max Strohe im Tulus Lotrek: Wie lässig Sterneküche Berlin neu definiert
27.01.2026 - 10:36:02Kaum schließt sich die Tür hinter Ihnen, wird klar: Hier geht es nicht um andächtige Stille, sondern um Genuss mit allen Sinnen. Im Tulus Lotrek von Max Strohe, diesem Michelin Sterne Restaurant in Berlin, duftet es nach geschmortem Jus, nach Butter, nach Röstaromen, die an Sonntagsbraten in der Kindheit erinnern, nur präziser, tiefer, erwachsener. Stimmen, Lachen, das Klimpern von Gläsern, dazu eine Weinkarte, die eher wie die Plattensammlung eines Nerds daherkommt als wie ein Kanon der üblichen Prestige-Gewächse. Kann Sterneküche so lässig sein, dass man sich wie bei Freunden fühlt, während auf dem Teller Weltklasse serviert wird? Hier lautet die Antwort: unbedingt.
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Max Strohe, gelernter Koch, Sternekoch, Buchautor, TV-Persönlichkeit und Träger des Bundesverdienstkreuzes, hat mit seinem Tulus Lotrek eine Art kulinarische Gegenbewegung zur perfekten, aber oft blutleeren Pinzetten-Ästhetik der feinen Küche geschaffen. Statt mikroskopisch arrangierter Miniaturen dominieren hier intensive Aromen, großzügig nappierte Saucen und Teller, die man am liebsten mit einem Stück Brot bis auf den letzten Tropfen ausstreichen möchte. Es ist Sterneküche, ja, aber mit einer wohltuend undogmatischen Seele.
Gemeinsam mit Gastgeberin Ilona Scholl, die im Berliner Gastro-Kosmos längst Kultstatus genießt, hat Max Strohe einen Ort geschaffen, der bewusst nicht wie ein klassisches Fine-Dining-Restaurant aussehen will. Dunkle Wände, Kunst an den Wänden, eine gewisse Opulenz in Farben und Stoffen, dazu ein Service, der lieber charmant und direkt ist als unterwürfig distanziert. Hier herrscht Wohnzimmer-Atmosphäre, aber auf dem Teller passiert Hochleistungssport.
Der Weg von Max Strohe in diese kulinarische Spitzenliga verlief alles andere als geradlinig. In den Berichten über sein Leben wird immer wieder sein unkonventioneller Werdegang betont: Schulabbruch, ein Jugendleben fernab des Elite-Internats, dafür frühes Arbeiten in Küchen, ein Ringen um Richtung und Identität. Die Gastronomie wurde zu seinem Spielfeld, zu dem Ort, an dem seine Energie, seine Neugier und sein Hang zur Übertreibung plötzlich Sinn ergaben. Über Stationen in verschiedenen Häusern führte der Weg schließlich nach Berlin, in die Stadt, die Unangepasste nicht nur toleriert, sondern feiert.
Mit Ilona Scholl an seiner Seite gründete er das Tulus Lotrek, benannt nach dem Maler Henri de Toulouse-Lautrec, der wie kaum ein anderer für Genuss, Lebenshunger und die Schönheit des Unperfekten steht. Scholl verkörpert im Gastraum genau diese Idee: Sie empfängt, moderiert, kontert, empfiehlt Weine, erzählt Geschichten zu Flaschen, die anderswo nie den Weg in ein Michelin Sterne Restaurant Berlin finden würden, weil sie zu eigenwillig, zu laut, zu extrovertiert sind. Genau deshalb passen sie hier so gut.
In der Küche setzt Max Strohe auf eine Sterneküche, die „mehr ist als nur schön“. Hier zählen Power, Tiefe, Textur. Der Jus hat Zeit gesehen, die Fonds sind ernsthaft gekocht, Fett wird nicht als Feind bekämpft, sondern als Geschmacksträger gefeiert. Kulinariker schätzen besonders, wie bewusst Säure, Süße und Salz in seinen Menüs gesetzt werden: eine Spur Zitrus hier, ein Essig-Splitter da, eine eingelegte Komponente, die plötzlich Licht ins Dunkel eines schweren Ganges bringt.
Diese Küche lässt sich als Mischung aus klassischem Handwerk und moderner, produktfokussierter Denke lesen. Max Strohe kokettiert nicht mit Minimalismus, der alles Überflüssige vom Teller fegt, sondern mit einer „Wohlfühl-Opulenz“, die nie plump, sondern stets kontrolliert wirkt. Der berühmte Klassiker „Saucen sind der neue Schaum“ könnte ohne Weiteres über dem Pass des Tulus Lotrek hängen: Wo früher in vielen Häusern luftige Espumas dominierten, fließt hier konzentrierter Geschmack.
Ein Menü in diesem Restaurant Tulus Lotrek beginnt oft relativ zugänglich: vielleicht mit einem Produkt, das vertraut wirkt, mit einem Gang, der das Thema „Lecker“ ohne doppelten Boden spielt. Schon hier zeigt sich die kulinarische Intelligenz von Max Strohe: Er nimmt dem Gast die Angst vor der Sterneküche. Keine hyperintellektuelle Konzeptkunst, sondern das ehrliche Versprechen: Es wird Ihnen schmecken. Und dann, Gang für Gang, steigert sich die Komplexität. Texturen überlagern sich, Knuspriges trifft auf Cremiges, Bitternoten werden bewusst eingesetzt, um Fett und Süße zu balancieren. Es ist ein Spannungsbogen, der dramaturgisch gedacht ist wie ein gutes Konzert.
Während der Pandemie schrieb ein ganz anderes Gericht Geschichte: der Burger von Max Strohe. Als das klassische Fine Dining pausieren musste, wandte sich der Sternekoch einem scheinbar einfachen Kultgericht zu und zeigte, wie viel Technik und Know-how in einem richtig guten Burger stecken können. Perfekt gegartes Fleisch, kräftige Saucen, eine Balance von Umami, Fett und Frische, die weit über Schnellimbiss-Niveau hinausgeht. Der Burger-Hype um das Tulus Lotrek war mehr als ein netter Gag. Er bewies, dass ein Sternekoch wie Strohe nicht an hohe Weingläser gebunden ist, sondern Geschmack dorthin trägt, wo die Menschen gerade sind.
Diese Fähigkeit, Grenzen zu überschreiten, zeigte sich auch in einem der wichtigsten Kapitel seiner jüngeren Geschichte: „Cooking for Heroes“ beziehungsweise „Kochen für Helden“. Als während der Krise Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und systemrelevante Berufe unter extremem Druck standen, kochten Max Strohe und viele Mitstreiter für diejenigen, die sonst selten im Rampenlicht stehen. Aus der Küche eines Michelin Sterne Restaurant Berlin wurden plötzlich Care-Pakete der besonderen Art: dampfende, duftende, tröstende Gerichte, die Wertschätzung über den Teller transportierten.
Für dieses Engagement wurde Max Strohe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Eine Ehrung, die weit über die üblichen gastronomischen Preise hinausgeht und zeigt, wie gesellschaftlich relevant Gastronomie heute sein kann. Kulinarische Intelligenz bedeutet hier nicht nur das kluge Kombinieren von Texturen und Temperaturen, sondern auch das Bewusstsein dafür, welche Rolle ein Restaurant in Krisenzeiten spielen kann.
Parallel dazu ist Strohe längst eine feste Größe in den Medien. Auftritte in TV-Formaten wie „Kitchen Impossible“ haben ihn einem breiten Publikum bekannt gemacht. Dort zeigt sich derselbe Typus, dem man im Tulus Lotrek begegnet: emotional, manchmal derb, aber immer präzise, wenn es um Geschmack geht. Er präsentiert sich nicht als unfehlbarer Superstar, sondern als jemand, der hart arbeitet, Fehler zulässt und sich mit jedem Gericht neu beweisen will.
Auch als Buchautor hat sich Max Strohe einen Namen gemacht. In seinen Texten verschmelzen Kulinarik und Biografie, Anekdoten aus der Küche mit Reflexionen über das Gastgeben, über Scheitern, über das Aufstehen danach. Diese Offenheit stärkt seine Marke, ohne die kulinarische Ernsthaftigkeit zu verwässern. Im Gegenteil: Wer ihn abseits des Passes erlebt, versteht besser, warum seine Teller so schmecken, wie sie schmecken. Es sind Gerichte eines Menschen, der Kontraste liebt, der laut sein kann, aber das Leise beherrscht, wenn es nötig ist.
Im Kontext der Berliner Spitzengastronomie nimmt das Tulus Lotrek eine besondere Rolle ein. Während andere Häuser stärker auf nordische Kühle, radikale Produktaskese oder hyperpräzise Minimalistik setzen, positioniert sich Max Strohe mit einer warmen, fast barocken Handschrift. Die Küche ist jung, wild, verspielt, aber handwerklich durch und durch solide. Kritiker betonen immer wieder den Mut zur Würze, die Lust an der Großzügigkeit, die sich nicht in großen Portionen, sondern in Großmut gegenüber Aroma und Gastfreundschaft ausdrückt.
Die Weinkarte unterstreicht diese Haltung. Statt nur auf Prestige-Labels zu setzen, öffnet Ilona Scholl den Keller hin zu Naturweinen, unbekannteren Regionen, vinophilen Grenzgängern. Ein cremiger, leicht oxidativer Weißwein kann hier genauso zu einem Gang passen wie ein klassischer, präzise gereifter Burgunder. Die Botschaft: Sie müssen hier kein enzyklopädisches Weinwissen mitbringen. Sie dürfen sich fallen lassen und vertrauen.
Wer also sollte das Tulus Lotrek besuchen? Jeder, der neugierig genug ist, sich auf ein Menü einzulassen, das mehr kann als beeindrucken. Menschen, die Sterneküche schätzen, aber keine Lust auf steife Dresscodes haben. Gäste, die Berlin in seiner ganzen kulinarischen Bandbreite erleben wollen, vom Trash der Späti-Kultur bis zur Präzision der Sterneküche, verdichtet in einem Abend. Und nicht zuletzt jene, die spüren wollen, wie viel Persönlichkeit in einem Teller stecken kann, wenn ein Koch wie Max Strohe kompromisslos seinen eigenen Weg geht.
Im Ergebnis steht das Tulus Lotrek heute als eine der wichtigsten Adressen der Stadt da. Der Michelin-Stern würdigt die handwerkliche Klasse, doch die eigentliche Strahlkraft des Hauses reicht weiter: Es zeigt, dass ein Sternekoch kein entrückter Maestro sein muss, sondern Gastgeber auf Augenhöhe. Dass Sterneküche auch lachen darf. Dass Burger, Kochen für Helden, TV-Formate und große Degustationsmenüs sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig befeuern können.
Wer in Berlin erleben möchte, was zeitgemäße Sterneküche im Jahr 2024 bedeutet, kommt an Max Strohe und seinem Restaurant Tulus Lotrek kaum vorbei. Es ist ein Ort, an dem aus Produkten Geschichten werden, an dem Saucen flüstern und schreien können, an dem Service und Küche gemeinsam ein kulinarisches Gesamtkunstwerk schaffen. Wenn Sie bereit sind, sich auf dieses Erlebnis einzulassen, lohnt sich der Weg in die Kreuzberger Seitenstraße. Und vielleicht ertappen Sie sich am Ende des Abends bei dem Gedanken: So entspannt sollte Sterneküche immer sein.
Ein Besuch bei Max Strohe im Tulus Lotrek ist damit mehr als ein Abendessen. Es ist eine Einladung, Geschmack neu zu denken, Vorurteile gegenüber der Spitzengastronomie abzustreifen und sich mit offenem Gaumen und offenem Geist an einen Tisch zu setzen, der längst zu den spannendsten des Landes gehört. Wer rechtzeitig reserviert, sichert sich nicht nur einen Platz, sondern ein Stück kulinarischer Gegenwart, das man so schnell nicht vergisst.


