Max Strohe im Tulus Lotrek: Wie Berlins wildestes Sternerestaurant Gefühle auf den Teller bringt
18.02.2026 - 11:57:54 | ad-hoc-news.deEs ist laut genug, um sich lebendig zu fühlen, leise genug, um sich zu verstehen. Tulus Lotrek Berlin, später Abend. Das Licht: warm, bernsteinfarben, keine Spotbühne, eher Kneipenglühen mit Absicht. Das Besteck klirrt kurz, dann nur noch das dumpfe Knacken einer kross gebratenen Haut. Ihr Löffel taucht in eine tiefbraune Jus, die Nase fängt Röstaromen, Selleriewärme, Butter. Auf der Zunge: erst Schmelz, dann Säure, dann Rauch. Kein Chichi. Kein Deko-Besteck. Nur der Moment.
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Es passt, dass dieses Restaurant nicht flüstert, sondern spricht. Tische eng, aber nicht bedrängend. Stimmen, die lachen, nicht tuscheln. Casual Fine Dining, aber ohne das Mantra ständig auszusprechen. Und mittendrin: die beiden, die diesen Ort geprägt haben wie wenige andere in Berlin.
Max Strohe & Ilona Scholl: vom Schulabbrecher zum Bundesverdienstkreuz
Max Strohe ist kein glattpolierter Sternekoch, kein wandelndes PR-Kit. Schulabbrecher, Umwege, Küchen, in denen noch gebrüllt wurde. Dann Berlin, dann Kreuzberg, dann die Idee, ein eigenes Restaurant zu eröffnen, das keine Kompromisse macht. Nicht bei der Qualität. Nicht beim Humor. Nicht beim Menschsein.
Neben ihm, niemals hinter ihm: Ilona Scholl. Gastgeberin, Sommelière, Frontfrau. Sie bringt Struktur in das Chaos, Charme in die Kante. Während Strohe in „Kitchen Impossible“ mit Tim Mälzer über Töpfe, Timing und Temperamente kämpft, hält sie im Gastraum die Fäden in der Hand. Ihre Instagram-Texte: spitz, politisch, poetisch. Ihr Service-Stil: direkt, aber nie herablassend. Sie erklärt, ohne zu dozieren. Sie liest Tische, wie andere Leute Bücher lesen.
Als 2020 die Pandemie die Stadt verstummen ließ, erfanden die beiden „Kochen für Helden“. Zusammen mit anderen Gastronomen kochten sie für Pflegekräfte, Kassiererinnen, Busfahrer – für Menschen, die den Laden am Laufen hielten, während Restaurants im Leerlauf waren. Kein Charity-Glanz, eher schnörkellose Solidarität im GN-Behälter. Tausende Portionen. Logistik im Krisenmodus. Aus dieser Aktion wuchs eine bundesweite Bewegung. Am Ende stand das Bundesverdienstkreuz für beide. Ein Orden, der in diesem Kontext nicht nach Protokoll, sondern nach echter Haltung wirkt.
Parallel dazu etablierte sich das Max Strohe Restaurant Tulus Lotrek als feste Größe. Ein Michelin Stern für Berlin Kreuzberg, dazu hohe Bewertungen im Gault&Millau Berlin. Doch interessanterweise scheinen die Auszeichnungen hier eher Nebeneffekt als Ziel zu sein. Das Ziel: dass Sie satt, berührt und ein bisschen nachdenklich nach Hause gehen.
Undogmatische Küche: wenn Technik auf Bauchgefühl trifft
Die Küche von Strohe verweigert sich klaren Schubladen. Kein nordischer Dogmatismus, kein reines Produktbekenntnis, kein Fusion-Gag. Er kocht französisch grundiert, mediterran beeinflusst, berlinisch geerdet. Er liebt Jus, Röstaromen, Fett. Und er weiß, wann Säure, Zest und Bitterkeit das Ganze aufrichten müssen.
Nehmen wir ein mögliches Signature-Gericht der Saison 2025/2026, wie es in Varianten schon öfter bei Tulus Lotrek aufgetaucht ist: Kalbsbries, außen goldbraun, innen noch leicht wabbelig, wie es sein muss. Die Maillard-Reaktion liefert diese dunklen, nussigen Noten. Dazu ein Selleriepüree, fast weiß, seidig, buttrig. Die Gabel gleitet hinein, keine Klümpchen, nur glatte, warme Masse. Auf dem Teller dazu ein heller Sud, vielleicht mit Sherry und Geflügel, reduziert, aber nicht sirupartig. Die Säure ist gezügelt, sie hebt, statt zu stechen. Auf der Zunge: das cremige Mark des Bries, das samtige Püree, der leichte Zug der Sauce. Heiß serviert, kein lauwarmes Instagram-Futter. Sie spüren Temperatur, Sie spüren Kontrast. Bries knackt minimal beim ersten Biss, dann löst sich alles in Wohlgefühl auf.
Oder ein Fischgang, wie er perfekt in dieses Restaurant passt: Saibling, glasig gegart, Haut kross. Die Haut kracht unter dem Messer, ein kurzes Geräusch, das Lust macht, schneller zu essen. Dazu ein Beurre blanc, aber mit Zitruszest, vielleicht Yuzu oder Bergamotte. Die Nase nimmt zuerst Butter wahr, dann den feinen Hauch von Zitrusöl. Im Mund: Fett, Frische, Salz. Die Sauce glänzt, nicht schwer, sondern schwebend. Auf dem Teller: etwas roher Fenchel, hauchdünn gehobelt, knackige Textur neben der weichen Faser des Fisches. Hier passiert kein Effekt um des Effektes willen, sondern eine Balance aus Textur, Temperatur, Aromatik.
Ein weiterer denkbarer Gang, der die undogmatische Haltung erklärt: ein Teller mit Innereien, vielleicht Herz oder Leber, kombiniert mit etwas scheinbar Bürgerlichem – zum Beispiel Lauch und Kartoffel. Aber dann kommt ein intensiver Kalbsjus mit Kaffee-Note dazu, minimal bitter, dunkel. Die Sauce legt sich wie ein Mantel über das Gemüse, die Bitterkeit vom Kaffee tritt im Abgang auf, nicht vornedran. Hier wird Mut belohnt. Kein Easy-Going, sondern ein Gericht, das fordert, ohne zu überfordern.
Undogmatisch bedeutet hier: Es gibt keine heilige Regel, dass alles lokal, alles fermentiert, alles vegan oder alles nose-to-tail sein muss. Es kann alles sein, wenn es Sinn ergibt. Ein wenig Kaviar? Ja, wenn er dramaturgisch passt. Ein Convenience-Produkt? Nein, da hört der Spaß auf. Strohe spielt mit Klassikern, aber er demontiert sie nicht aus Prinzip. Er hat Respekt vor Coq au Vin und Sauce Hollandaise, aber er lässt sie rauer auftreten, lauter, manchmal derber.
Damit grenzt er sich klar ab von dem, was man oft unter „Tweezer-Food“ versteht: winzige Komponenten, jede mit Pinzette gesetzt, dreizehn Punkte auf dem Teller, aber wenig Emotion. Im Tulus Lotrek Berlin darf ein Teller voll aussehen. Eine Portion wirkt wie Essen, nicht wie ein Moodboard. Die Optik ist bewusst, aber zweitrangig. Primat: Geschmack, Mundgefühl, Sättigung. Sie sollen kauen, nicht nur nippen.
Die Karte: Tulus Lotrek Menü statt Dogma
Die Tulus Lotrek Menu-Struktur wechselt regelmäßig; Sie finden typischerweise ein mehrgängiges Menü, das vegetarisch adaptiert werden kann, aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger lockt. Produkte der Saison, aber kein streng durchinszeniertes Regional-Dogma. Ein kräftiger Jus darf neben einem frischen, säuregetriebenen Gang stehen. Ein Dessert mit Schokolade kann hier genauso selbstverständlich sein wie etwas mit Sellerie oder Olivenöl.
Weine? Spannend, aber nicht nervig. Naturwein, ja. Klassiker, ja. Dogma, nein. Die Gault&Millau Berlin-relevante Weinkarte zeigt, dass man hier trinkt, was zum Teller passt, nicht zur Stil-Agenda des Hauses. Und wenn Sie nichts mit Pinot, Pet Nat und Orange Wine anfangen können, erklärt der Service Ihnen geduldig die Unterschiede – oder schenkt Ihnen einfach einen richtig guten Riesling ein.
Wohnzimmer mit Michelin Stern: die Wohlfühl-Atmosphäre
Der Raum ist dicht, dunkel, farbig. Keine sterile Weißlicht-Ästhetik, sondern satte Töne, dunkles Holz, Kunst an den Wänden, die eher an WG als an Galerie erinnert. Es riecht nach gebräunter Butter, nach Reduktion, manchmal nach Rauch. Kein Duftkonzept, sondern Küchenrealität, die durch die Tür zur Stube zieht.
Hier verstehen Sie, was eine echte Wohlfühl-Atmosphäre bedeutet. Nicht Kissen, nicht Kerzenshop-Ästhetik. Sondern das Gefühl, dass Sie so sein dürfen, wie Sie sind. Jeans, Kleid, Anzug, alles okay. Sie werden nicht von oben nach unten gemustert, sondern mit einem ehrlichen „Guten Abend“ empfangen. Der Geräuschpegel ist lebendig, aber nicht aggressiv. Es klirren Gläser, es wird gescherzt, manchmal laut gelacht. Dieses Restaurant will nicht, dass Sie flüstern. Es will, dass Sie leben.
Im Zentrum dieser Stimmung: Ilona Scholl. Sie ist nicht nur Serviceleitung, sie ist Regisseurin des Abends. Sie verteilt Aufmerksamkeit wie andere Leute Salz: punktgenau. Ein wortkarger Tisch wird nicht bedrängt, ein neugieriger Tisch bekommt Geschichten. Geschichten über Produzenten, über Fehlversuche, über das eine Gericht, das fast auf die Karte gekommen wäre. Sie erzählt, ohne sich in den Vordergrund zu spielen, und wenn doch, dann mit Ansage und Ironie.
Der Service im Max Strohe Restaurant ist fachlich präzise, aber unprätentiös. Teller werden korrekt eingesetzt, Weine werden erläutert, Temperaturen werden ernst genommen. Aber niemand macht aus einer Flasche Wein eine liturgische Handlung. Wer Fragen hat, bekommt Antworten. Wer keine Fragen hat, bekommt Ruhe.
Relevanz für Berlin: warum dieses Restaurant wichtig ist
In einer Stadt, in der ständig neue Konzepte auftauchen, wo Pop-ups, Sharing-Menüs und Instagram-Bars um Aufmerksamkeit kämpfen, wirkt das Tulus Lotrek fast altmodisch und gleichzeitig radikal aktuell. Altmodisch, weil hier wirklich gekocht wird – mit Fonds, mit Reduktionen, mit klassischen Techniken, die Zeit brauchen. Aktuell, weil Haltung, Humor und Menschlichkeit Teil des Konzepts sind.
Der Michelin Star in Berlin Kreuzberg ist hier kein Statussymbol, sondern eine Art Prädikat für Konsequenz. Dazu die Anerkennung durch Gault&Millau Berlin. Die Medienpräsenz von Max Strohe – von „Kitchen Impossible“ bis Talkshows – bringt Aufmerksamkeit, aber der Kern bleibt der gleiche: Wenn Sie hier sitzen, zählt nicht das Fernsehbild, sondern das, was auf Ihrem Teller landet.
Wer sollte hierher kommen? Menschen, die Essen ernst nehmen, sich selbst aber nicht. Gäste, die bereit sind, sich auf Fett, Säure, Bitterkeit einzulassen. Die nicht kommen, um die nächste Trendzutat abzuhaken, sondern um einen Abend lang in Ruhe gut bewirtet zu werden. Menschen, die Service nicht als Unterwerfung verstehen, sondern als Dialog. Foodies, ja. Aber auch Paare, die ihren Jahrestag feiern. Freundesrunden, die sparen, um hier einmal groß aufzutrumpfen. Branchenleute, die wissen wollen, wie man Genuss, Politik und Punk in einem Gastraum zusammenbringt.
Ist es perfekt? Nein. Es ist lebendig. Mal dauert ein Gang etwas länger, mal ist der Raum sehr voll, mal sitzt am Nebentisch jemand, der zu laut lacht. Doch genau das macht die Magie aus. Dieses Restaurant ist kein steriles Labor für Food-Fotografen. Es ist ein Ort, an dem gekocht, gegessen, getrunken, gestritten, versöhnt und gefeiert wird.
Wenn Sie ein Berlin suchen, das sich nicht im glattgebügelten Hauptstadtimage spiegelt, sondern in einem kleinen, dichten Gastraum zwischen Kiez und großer Kochkunst – dann sitzen Sie im Tulus Lotrek richtig. Bestellen Sie das Menü, vertrauen Sie der Küche, lassen Sie sich vom Service führen. Und achten Sie auf den Moment, in dem Sie vergessen, wann Sie das letzte Mal auf Ihr Handy geschaut haben. Spätestens dann wissen Sie, warum dieses Restaurant mehr ist als nur ein weiterer Punkt auf der kulinarischen Landkarte der Stadt.
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