Lohnfortzahlung, Reformdebatte

Lohnfortzahlung: Reformdebatte erreicht neuen Höhepunkt

13.04.2026 - 15:10:56 | boerse-global.de

Anhaltend hohe Fehlzeiten belasten die Wirtschaft und lösen eine kontroverse Debatte über Karenztage, Jahreslimits und die telefonische Krankschreibung aus.

Lohnfortzahlung: Reformdebatte erreicht neuen Höhepunkt - Foto: über boerse-global.de
Lohnfortzahlung: Reformdebatte erreicht neuen Höhepunkt - Foto: über boerse-global.de

Rekord-Krankenstände bremsen die Konjunktur

Die wirtschaftliche Erholung in Deutschland leidet unter einem historisch hohen Krankenstand. Laut aktuellen Daten für 2026 verharren die Fehlzeiten deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Eine Studie des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) beziffert den Wertschöpfungsverlust der vergangenen vier Jahre auf bis zu 160 Milliarden Euro.

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Im Jahr 2025 lag der Krankenstand bei 5,4 Prozent. Pro Beschäftigtem summierte sich das auf durchschnittlich 19,5 Fehltage. Besonders betroffen war das Gesundheitswesen (6,2 Prozent), die IT-Branche verzeichnete mit 3,4 Prozent die niedrigsten Werte. Hauptursachen waren Atemwegserkrankungen und psychische Leiden, die um knapp sieben Prozent zunahmen.

Arbeitgeber fordern Karenztage und Jahreslimit

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) drängt auf eine grundlegende Reform. Ein Kernvorschlag: Die Lohnfortzahlung soll auf sechs Wochen pro Kalenderjahr begrenzt werden. Bisher gilt dieser Anspruch für jede einzelne Erkrankung neu.

Zusätzlich fordern Arbeitgebervertreter die Einführung von ein bis drei Karenztagen zu Beginn einer Erkrankung. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) berechnete, dass Unternehmen 2024 rund 82 Milliarden Euro für Lohnfortzahlung aufwendeten. Kritiker von SPD und Gewerkschaften lehnen das ab. Sie befürchten, dass Beschäftigte krank zur Arbeit gehen – mit erhöhten Infektionsrisiken und schwereren Verläufen.

Streitpunkt telefonische Krankschreibung

Besonders umstritten ist die Zukunft der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU). Bundeskanzler Friedrich Merz und Gesundheitsministerin Nina Warken stellten das pandemie-erprobte Instrument Anfang 2026 erneut zur Disposition. Die Union sieht darin eine Ursache für den hohen Krankenstand und Missbrauchspotenzial.

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Dagegen verteidigt der Hausärzteverband die Regelung. Vorsitzender Markus Beier warnt vor einer Abschaffung. Die telefonische AU entlaste die Praxen massiv und schütze Patienten vor Infektionsrisiken in Wartezimmern. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns betont, es gebe keine Belege für systematischen Missbrauch. Der Anteil der Telefon-AU liege bei nur rund einem Prozent.

Teilzeit-AU und Prävention als Alternativen

Angesichts verhärteter Fronten gewinnen alternative Ansätze an Bedeutung. Diskutiert wird etwa eine Teilzeit-Krankschreibung nach skandinavischem Vorbild. Beschäftigte könnten bei bestimmten Diagnosen stundenweise arbeiten, anstatt vollständig auszufallen. Befürworter versprechen sich eine erleichterte Wiedereingliederung.

Parallel fordern Pharmaverbände und Krankenkassen eine "Präventionswende". Da viele Ausfälle auf Atemwegsinfekte zurückgehen, könnten breite Impfkampagnen und besseres betriebliches Gesundheitsmanagement die Fehlzeiten senken. Unternehmen experimentieren zudem vermehrt mit Programmen zur mentalen Gesundheit.

Deutschland im internationalen Vergleich

Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland eine Spitzenposition bei der sozialen Absicherung ein. Das System garantiert eine hundertprozentige Lohnfortzahlung ab dem ersten Tag. OECD-Daten zeigen jedoch, dass der Vergleich der Fehltage oft durch unterschiedliche Meldeverfahren verzerrt wird.

Die Einführung der elektronischen AU (eAU) im Jahr 2022 erfasst in Deutschland nun auch sehr kurze Krankheitsphasen vollständig. Experten schätzen, dass dieser statistische Effekt bis zu 60 Prozent des dokumentierten Anstiegs der letzten Jahre erklären könnte. In vielen Nachbarländern gibt es keine vergleichbare Digitalmeldung.

Die politische Entscheidung über eine Reform wird für 2026 erwartet, bleibt aber hochexplosiv. Die weitere Entwicklung des Krankenstandes in den kommenden Monaten wird maßgeblich bestimmen, wie radikal die Gesetzesänderungen ausfallen.

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