Lexware Office und sevDesk führen den Markt für digitale Rechnungen
18.03.2026 - 00:00:26 | boerse-global.deDie deutsche Wirtschaft digitalisiert ihre Buchhaltung im Rekordtempo. Grund ist die schrittweise Einführung der E-Rechnungspflicht. Nachdem Unternehmen seit 2025 elektronische Rechnungen empfangen müssen, rüsten sie sich jetzt für die nächste Stufe: Ab 2027 müssen sie selbst strukturierte Rechnungen verschicken. Das befeuert einen harten Wettbewerb unter Software-Anbietern.
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Die Fristen ticken: Von der Übergangsphase zur Pflicht
Die gesetzliche Grundlage bildet das Wachstumschancengesetz. Seit Januar 2025 müssen alle Unternehmen in Deutschland elektronische Rechnungen in standardisierten Formaten wie XRechnung oder ZUGFeRD empfangen können. Einfache PDFs gelten nicht mehr als elektronische Rechnung.
Aktuell, 2026, befinden sich die Firmen noch in einer Übergangsphase. Sie dürfen weiterhin Papierrechnungen oder unstrukturierte PDFs versenden – sofern der Empfänger einverstanden ist. Doch diese Schonfrist läuft ab. Ab dem 1. Januar 2027 sind Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz von über 800.000 Euro verpflichtet, strukturierte E-Rechnungen an andere Unternehmen zu schicken. Ein Jahr später, ab 2028, gilt die Pflicht für alle, auch für Freiberufler und Kleinstunternehmen.
Die Folge: Die Nachfrage nach kompatibler Rechnungssoftware explodiert. Unternehmen suchen nach Lösungen, die sie rechtzeitig vor den Deadlines integrieren können, um ihren Zahlungsverkehr nicht zu gefährden.
Die Platzhirsche: Lexware Office gegen sevDesk
Im hart umkämpften Markt für Cloud-Buchhaltung setzen zwei Anbieter weiterhin die Maßstäbe: Lexware Office (ehemals lexoffice) und sevDesk. Beide garantieren die Einhaltung der neuen Vorschriften, unterstützen die gängigen Formate und bieten einen nahtlosen Export zu DATEV für den Steuerberater.
Lexware Office von der Haufe Group punktet bei Experten mit seiner starken Bankenanbindung und einem umfangreichen Funktionsumfang. Die Software erkennt Zahlungseingänge automatisch und weist sie den richtigen Belegen zu. Mit optionalen Modulen für die Lohnbuchhaltung ist sie besonders für wachsende KMU mit mehreren Angestellten attraktiv. Die Preise bewegen sich je nach Paket zwischen etwa 6 und 30 Euro im Monat.
sevDesk hingegen wird für seine intuitive Benutzeroberfläche gelobt. Sie spricht gezielt Freiberufler und Gründer ohne kaufmännische Vorkenntnisse an. Eine starke KI erkennt per Texterkennung (OCR) gescannte Belege und kategorisiert sie automatisch. Der Einstieg ist einfach, doch für erweiterte Funktionen wie Kostenstellenrechnung sind höherpreisige Tarife nötig. Beide Anbieter setzen auf Abo-Modelle und locken mit Wechselrabatten.
DATEV: Das Ende der kostenlosen Phase
Für viele Betriebe ist die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater untrennbar mit DATEV verbunden. Das Unternehmen hat daher eine eigene E-Rechnungsplattform auf den Markt gebracht. Sie dient als Brücke für Firmen, die kompatible Rechnungen direkt in den Workflow ihres Steuerberaters einspielen wollen.
Wichtig für Gründer: Die kostenlose Einführungsphase ist vorbei. Sie endete am 30. Juni 2025. Seit 2026 gilt ein neues Preismodell. Nutzer können monatlich 25 Rechnungen kostenlos versenden. Für jede weitere Rechnung fallen dann 50 Cent an. Für Freiberufler mit geringem Aufkommen ist das attraktiv. Größere KMU mit hohem Rechnungsvolumen sollten jedoch prüfen, ob ein Flatrate-Modell eines Drittanbieters langfristig günstiger ist.
Automatisierung und Nischenlösungen im Aufwind
Neben den großen Playern haben sich 2026 alternative Softwarelösungen etabliert, die auf Spezialbedarf und Automatisierung setzen. BuchhaltungsButler etwa zielt mit KI-gestützten Buchungsvorschlägen auf Unternehmen mit hohem Belegaufkommen wie E-Shops ab. Die Lernkurve ist steiler, die Effizienzgewinne können aber erheblich sein.
Plattformen wie Billomat oder FastBill bieten cloudbasierte Umgebungen für digital affine Firmen. Ihre Stärke liegt in umfangreichen Schnittstellen (APIs). Diese erlauben es, die Rechnungssoftware direkt mit CRM-Systemen oder Online-Shops zu verbinden. Automatische Wiederholungsrechnungen, Echtzeit-Zahlungsverfolgung und zentrale Kundendatenverwaltung sind für moderne KMU zum Standard geworden.
Mehr als nur Pflicht: Chancen für effizientere Prozesse
Die E-Rechnungspflicht modernisiert die deutsche Finanzinfrastruktur grundlegend. Zwar zielen die Behörden primär auf mehr Transparenz und weniger Mehrwertsteuerbetrug. Für die Unternehmen eröffnen sich aber erhebliche Effizienzvorteile.
Automatisierte Datenerfassung beseitigt manuelle Eingabefehler, beschleunigt Freigabeprozesse und verkürzt die Debitorenlaufzeit. Die Standardisierung der Rechnungsdaten ermöglicht zudem präzisere Liquiditätsplanungen. Branchenkenner betonen: Wer 2026 nur die gesetzliche Pflicht erfüllt, verpasst eine Chance. Wer die Softwarelösungen voll integriert, schlankert seine Abläufe und gewinnt eine bessere finanzielle Kontrolle.
Die Digitalisierung der Buchhaltung bietet auch neue Chancen, die steuerliche Liquidität durch degressive AfA und Sonderabschreibungen zu optimieren. Erfahren Sie in diesem 19-seitigen Leitfaden, wie Sie alle Vorteile des Wachstumschancengesetzes für Ihr Unternehmen nutzen. Kostenlosen A-Z Leitfaden für Abschreibungen sichern
Der Blick nach vorn: Die Weichen für 2027 sind jetzt zu stellen
Die Software-Entscheidungen von 2026 werden die operative Widerstandsfähigkeit der Unternehmen langfristig prägen. Je näher die Frist im Januar 2027 rückt, desto größer wird der Andrang auf Implementierungsdienstleister und Steuerberater. Unternehmen wird dringend geraten, ihre Migration jetzt abzuschließen, um ihre Teams rechtzeitig schulen zu können.
Die nationalen Vorgaben sind zudem nur der Anfang. Die EU-Initiative VAT in the Digital Age (ViDA) wird voraussichtlich ab 2028 grenzüberschreitende digitale Meldepflichten einführen. Wer heute in robuste, standardkonforme Software investiert, erfüllt nicht nur die deutschen Vorgaben, sondern rüstet sich auch für die kommende Ära der paneuropäischen Digitalbesteuerung.
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