Legal & General-Aktie: Hohe Dividende, neuer CEO – Chance für deutsche Anleger?
22.02.2026 - 04:00:42 | ad-hoc-news.deBottom Line zuerst: Die britische Versicherung- und Asset-Management-Gruppe Legal & General Group plc (ISIN GB0005603997) bleibt eine der spektakulärsten Dividendenstories im europäischen Finanzsektor – gleichzeitig sorgt der Führungswechsel zu CEO António Simões und die strategische Neuausrichtung für Unsicherheit am Markt. Für deutsche Anleger, die via Xetra oder London Stock Exchange investieren, eröffnet sich damit ein klassisches Chance-Risiko-Setup: hohe laufende Ausschüttungen versus Brexit-, Zins- und Regulierungssorgen.
Was Sie jetzt wissen müssen: Legal & General gehört zu den größten Anbietern von Lebensversicherungen, Rentenlösungen und passivem Asset Management in Europa. Der Markt preist aktuell vor allem Zins- und Immobilienrisiken ein – doch viele Analysten sehen die Dividende weiterhin als gut gedeckt und stufen die Aktie als unterbewertet ein.
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Analyse: Die Hintergründe des Kursverlaufs
Legal & General ist für deutsche Anleger vor allem aus zwei Gründen spannend: stabile Cashflows durch langfristige Verträge und eine außergewöhnlich hohe Dividendenrendite im Vergleich zu DAX-Versicherern wie Allianz oder Münchener Rück. Gleichzeitig ist der Kurs seit mehreren Jahren volatil, weil der Markt Rentenverpflichtungen, Immobilienengagements und Regulierung in Großbritannien sehr genau beäugt.
In den jüngsten Unternehmensmeldungen stand vor allem der Übergang an der Spitze im Fokus: Der frühere HSBC-Manager António Simões hat die Nachfolge des langjährigen CEOs Nigel Wilson angetreten. Simões will die Gruppe fokussierter auf kapitaleffizientes Wachstum und eine striktere Allokation des Eigenkapitals ausrichten – ein Signal, das an der Börse positiv aufgenommen wurde, aber kurzfristig für Bewertungsdiskussionen sorgt.
Auf der Ertragsseite profitiert Legal & General von den höheren Zinsen in Großbritannien und den USA, weil Neuverträge mit besseren Margen gezeichnet werden können. Gleichzeitig drücken Marktwertanpassungen in den Anleihe- und Immobilienportfolios auf die ausgewiesenen Buchwerte. Für einkommensorientierte Anleger ist entscheidend, dass der operative Cashflow die Dividendenansprüche weiterhin komfortabel deckt, wie das Management zuletzt mehrfach betont hat und unabhängige Analysten bestätigen.
| Kennzahl | Legal & General Group plc | Einordnung für deutsche Anleger |
|---|---|---|
| Branche | Versicherung, Altersvorsorge, Asset Management | Vergleichbar mit Allianz, Münchener Rück, aber mit stärkerem Fokus auf Renten- und Indexprodukte |
| Börsenplätze für deutsche Anleger | London Stock Exchange, Xetra / Frankfurt (Sekundärlisting) | Handel bequem in Euro über deutsche Broker möglich, aber Heimatbörse bleibt London |
| Währung | GBP (Britisches Pfund) | Zusätzliches Währungsrisiko bzw. -chance gegenüber Euro; relevant für Dividenden |
| Geschäftsschwerpunkte | Lebensversicherungen, Bulk-Annuities, betrieblich organisierte Renten, Indexfonds (L&G Investment Management) | Profiteur des demografischen Wandels und des Booms passiver Anlagestrategien – Trends, die auch Deutschland betreffen |
| Aktionärsstruktur | Breit gestreute institutionelle Investoren, Pension Funds, Retail-Anleger | Kein dominanter Großaktionär; Kurs wird stark von Analysten- und Fondsmeinungen geprägt |
| Dividendenpolitik | Attraktiv hohe Ausschüttungsquote, Fokus auf nachhaltigem Dividendenwachstum | Interessant für deutsche Einkommensinvestoren, unterliegt aber britischer Quellensteuer und Pfund-Schwankungen |
Warum die Aktie für deutsche Investoren relevant ist
Für Anleger in Deutschland ist Legal & General aus mehreren Perspektiven interessant:
- Dividendenalternative zu DAX-Versicherern: Im historischen Vergleich notiert die Dividendenrendite von Legal & General deutlich über dem Niveau vieler deutscher Standardwerte – bei allerdings höherer wahrgenommener regulatorischer und Marktvolatilität.
- Exposure zu britischem Rentenmarkt: Während der deutsche Kapitalmarkt stark von Lebensversicherungs-Regulierungen (Solvency II) und Niedrigzinsfolgen geprägt war, hat Großbritannien durch eigene Regeln und einen reiferen Pensionsmarkt andere Rahmenbedingungen. Das bietet Diversifikation gegenüber rein kontinentaleuropäischen Versicherern.
- Megatrends Demografie & ETF-Boom: Über die Tochter Legal & General Investment Management (LGIM) ist das Unternehmen global einer der größten Anbieter passiver Anlagestrategien. Damit partizipiert Legal & General am ETF-Trend, der auch unter deutschen Privatanlegern rasant wächst.
Hinzu kommt: Viele deutsche institutionelle Anleger – Pensionskassen, Versorgungswerke und Versicherer – halten bereits britische Renten- und Infrastrukturanlagen. Legal & General ist als Anbieter in diesem Segment aktiv, was die indirekte Vernetzung mit dem deutschen Markt verstärkt.
Makrofaktoren: Zinsen, Immobilien, Regulierung
Drei Themen bestimmen aktuell die Risikowahrnehmung der Aktie:
- Zinsentwicklung: Steigende Zinsen verbessern die Neugeschäftsmargen in der Lebensversicherung und bei Rentenverträgen, können aber kurzfristig zu Bewertungsabschlägen im Anleiheportfolio führen. Mit Blick auf Erwartungen zu langsamen, aber möglichen Zinssenkungen in Großbritannien spekulieren Investoren darauf, dass sich die Buchwerte mittelfristig erholen.
- Immobilien-Engagements: Legal & General investiert signifikant in Immobilienprojekten, insbesondere in Großbritannien. Der Markt reagiert sensibel auf Meldungen aus dem britischen Büro- und Wohnimmobiliensektor. Parallelen zu Sorgen über deutsche Gewerbeimmobilien (z.B. bei LEG, Vonovia, DIC Asset) werden häufig gezogen.
- Regulierung & Solvenz: Die Solvenzquoten von Legal & General liegen nach Angaben des Unternehmens deutlich über den regulatorischen Mindestanforderungen. Ratingagenturen und Aufseher achten aber besonders auf Langfristverpflichtungen gegenüber Pensionskassen – ein Thema, das nach den Turbulenzen im britischen Pensionssektor weiterhin kritisch verfolgt wird.
Performance im Vergleich zu deutschen Werten
Viele deutsche Anleger stellen sich die Frage: Statt in Allianz, Münchener Rück oder deutsche Lebensversicherer zu investieren – warum nicht gleich in einen britischen Player mit noch höherer Dividende?
Die Antwort ist differenziert: Während Allianz und Münchener Rück traditionell durch sehr stabile Bilanzqualität und lange Dividendenhistorie punkten, bewertet der Markt Legal & General mit einem deutlichen Abschlag beim Kurs-Gewinn-Verhältnis und Kurs-Buchwert-Verhältnis. Der Abschlag reflektiert unter anderem:
- höhere wahrgenommene Risiken im britischen Pensions- und Immobilienmarkt,
- Brexit-bedingte Unsicherheiten,
- das Währungsrisiko des Pfunds.
Für mutige Einkommensinvestoren kann genau dieser Bewertungsabschlag allerdings der zentrale Investmentcase sein: Hohe laufende Ausschüttung gegen die Bereitschaft, kurzfristige Kurs- und Währungsschwankungen auszuhalten.
Das sagen die Profis (Kursziele)
Aktuelle Analystenkommentare zu Legal & General zeichnen ein überwiegend konstruktives Bild, auch wenn sich die Tonlage nach den Zinsturbulenzen und Immobiliendiskussionen etwas eingetrübt hat. Aus den jüngsten Research-Reports großer Häuser (u.a. internationale Investmentbanken und britische Broker) lassen sich mehrere Kernaussagen herausfiltern:
- Bewertung: Viele Analysten sehen die Aktie auf Basis des erwarteten Gewinns je Aktie und der Dividendenrendite als unterbewertet. Das implizite Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt deutlich unter dem europäischen Versicherungssektor-Durchschnitt.
- Dividende: Der Konsens geht davon aus, dass die Dividende in den kommenden Jahren zumindest stabil bleibt, in einigen Szenarien sogar moderat wächst – vorausgesetzt, die Solvenzquote bleibt komfortabel über den Zielbandbreiten des Managements.
- Rating-Tendenz: Die Mehrzahl der Research-Häuser stuft die Aktie im Spektrum von "Hold" bis "Buy" ein, mit Kurszielen, die überwiegend oberhalb des aktuellen Marktpreises liegen. Das spiegelt einen moderaten Aufwärtsspielraum wider, kein aggressives Wachstumsnarrativ.
- Risikoindikatoren: Negativ hervorgehoben werden vor allem die Sensitivität gegenüber Kapitalmarktstress (z.B. sprunghafte Zinsbewegungen, Immobilienpreisrückgänge) und das politische Umfeld in Großbritannien.
Für deutsche Anleger ist wichtig: Einige internationale Banken mit starker Präsenz in Frankfurt und London verweisen explizit darauf, dass Legal & General im Dividendenuniversum Europas zu den attraktivsten Titeln gehört – allerdings klar als Value- und Einkommensinvestment, nicht als Wachstumsstory.
Was bedeutet das für Ihre Anlagestrategie?
Wenn Sie als deutscher Privatanleger über Broker wie Trade Republic, Scalable, ING oder Ihre Hausbank auf britische Werte zugreifen, sollten Sie bei Legal & General drei Punkte besonders berücksichtigen:
- Währung: Dividende und Kurs notieren in Pfund. Eine Euro-Stärkung kann die Rendite schmälern, eine Pfund-Stärkung sie erhöhen.
- Steuern: Dividenden unterliegen britischer Quellensteuer sowie der deutschen Abgeltungsteuer. Die effektive Netto-Dividende bleibt jedoch angesichts der hohen Bruttorendite in der Regel attraktiv.
- Risikoprofil: Das Investment eignet sich eher für Anleger mit mittlerem bis höherem Risikoappetit, die Kursschwankungen akzeptieren und den Fokus auf laufende Cash-Erträge statt auf kurzfristige Kursgewinne legen.
Wer das akzeptiert, erhält im Gegenzug ein Engagement in strukturellen Megatrends wie Altersvorsorge, nachhaltige Infrastruktur und ETF-Boom – Themen, die in Deutschland politisch und wirtschaftlich immer stärker in den Mittelpunkt rücken.
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Fazit für deutsche Anleger: Legal & General ist kein "sicherer Hafen" im Sinne einer Staatsanleihe, aber eine interessante Beimischung für Portfolios, die auf hohe laufende Erträge und Erschließung des britischen Pensions- und ETF-Marktes setzen. Wer bereits deutsche Versicherer hält, kann mit einem Engagement in Legal & General seine regionale und regulatorische Diversifikation ausbauen – sollte sich aber der erhöhten Volatilität und des Währungsrisikos bewusst sein.
Wie immer gilt: Diese Analyse ersetzt keine individuelle Anlageberatung. Prüfen Sie Ihre persönliche Risikotragfähigkeit oder sprechen Sie mit einem unabhängigen Finanzberater, bevor Sie investieren.


