Kindergeld wird automatisch: Finanzministerium plant Antrags-Pflicht abzuschaffen
19.02.2026 - 18:00:12Das Finanzministerium will Eltern ab 2027 den Kindergeld-Antrag ersparen. Ein neuer Gesetzentwurf sieht vor, dass die Leistung automatisch nach der Geburt eines Kindes fließt.
Ende des Papierkriegs für junge Familien
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) stellte den Entwurf am Donnerstag vor. Er betonte das Ziel eines modernen, serviceorientierten Staates. Künftig soll die Familienkasse die Daten für das Kindergeld automatisch von Standesämtern und Finanzbehörden erhalten. Eltern müssen dann nicht mehr aktiv werden.
„Der Staat kommt auf die Eltern zu, nicht umgekehrt“, so die Kernidee der Reform. Sie folgt einer Forderung der Sozialstaatskommission und soll den Alltag junger Familien spürbar erleichtern. Auch Arbeitsministerin Bärbel Bas unterstützt den Vorstoß.
So funktioniert die automatisierte Auszahlung
Die Technik soll im Hintergrund laufen: Melden die Eltern die Geburt beim Standesamt, werden die Daten automatisch an das Bundeszentralamt für Steuern und von dort an die Familienkasse übermittelt. Voraussetzung ist, dass mindestens ein Elternteil in Deutschland lebt, eine IBAN hinterlegt ist und der Steuerstatus geklärt ist.
Erfüllt eine Familie diese Kriterien, erhält sie nur noch eine Bestätigung der Zahlung. Komplexe Fälle – etwa bei Grenzgängern, Bürgergeld-Empfängern oder Kindern im Ausland – dürften aber weiterhin einen manuellen Antrag erfordern.
Stufenweise Einführung ab 2027
Geplant ist eine schrittweise Umsetzung, um die Systeme stabil zu halten:
* Phase 1 (März 2027): Familien, die bereits Kindergeld für ältere Geschwister beziehen, profitieren zuerst. Ihre Bankverbindung liegt bereits vor.
* Phase 2 (November 2027): Dann kommen Erstlingseltern hinzu, sofern ihre Bankdaten den Finanzbehörden bekannt sind – etwa über das ELSTER-Portal.
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Das Ministerium rechnet damit, dass jährlich rund 300.000 Anträge entfallen. Das entlastet sowohl die Eltern als auch die Behörden massiv.
Datenschutz im Fokus
Die Reform setzt auf einen sensiblen Datenaustausch. Kritiker hatten bei früheren Digitalisierungsprojekten Bedenken angemeldet. Das Finanzministerium betont, dass alle Vorgänge strikt den geltenden Datenschutzstandards entsprechen werden.
Die Zahlen zeigen den enormen Verwaltungsaufwand: 2025 zahlte die Familienkasse über 55 Milliarden Euro an etwa 17,6 Millionen Kinder aus. Seit Januar 2026 beträgt der Kindergeldsatz 259 Euro monatlich pro Kind.
Vanessa Ahuja, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, sieht in der Automatisierung einen „wichtigen Schritt zu einem effizienteren Sozialstaat“. Die Familienkasse bereite sich bereits auf die Umstellung vor.
Nächste Schritte im Gesetzgebungsverfahren
Nach der Vorstellung am Donnerstag geht der Entwurf nun in die Ressortabstimmung und Verbändeanhörung. Anschließend benötigt er die Zustimmung von Bundestag und Bundesrat. Da der Bürokratieabbau im Koalitionsvertrag steht, rechnen Beobachter mit einer Verabschiedung. Diskutiert werden dürften vor allem technische Details der Datenschnittstellen.
Für Familien, die 2026 ein Kind erwarten, gilt vorerst das alte Verfahren: Der Antrag muss weiterhin – auf Papier oder online über ELSTER – gestellt werden.
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