Kieler Instagram-Aktion: Digitaler Kirchenaustritt sorgt für bundesweiten Wirbel
09.02.2026 - 07:52:12Ein launiges Werbevideo der Stadt Kiel für digitale Behördendienste hat eine bundesweite Debatte über die Grenzen der Verwaltungsmodernisierung ausgelöst. Der Fokus auf den Kirchenaustritt stieß auf massive Kritik.
Die Landeshauptstadt wollte eigentlich nur für ihr neues Pilotprojekt werben: Seit Anfang Februar 2026 können Bürger bestimmte standesamtliche Angelegenheiten – darunter auch der Kirchenaustritt – komplett digital per Videoberatung erledigen. Doch die Art der Präsentation ging gewaltig nach hinten los.
Ein Daumen hoch für den Kirchenaustritt?
Das kurze Instagram-Video zeigte eine junge Frau im Amt, die erleichtert erfährt, dass sie ihren Kirchenaustritt nun von zu Hause aus erledigen kann. Ein lächelndes Gesicht und ein nach oben gereckter Daumen sollten die Bürgerfreundlichkeit des neuen Services unterstreichen.
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Doch die Botschaft kam ganz anders an. Für die Kirchen reduzierte die Inszenierung einen existenziellen Glaubens- und Lebensentscheid auf eine simple Verwaltungshandlung. „Sehr befremdlich, dass eine Verwaltung öffentlich den Kirchenaustritt bewirbt“, kritisierte Beate Bäumer, Leiterin des katholischen Büros Schleswig-Holstein.
Die Stadt reagierte prompt: Sie löschte das Video und entschuldigte sich für die „unglückliche Wahl des Beispiels“. Eine Sprecherin betonte, es sei nie um Werbung für den Austritt, sondern für das digitale Angebot an sich gegangen.
Digitalisierung auf dem Prüfstand
Der Vorfall wirft grundsätzliche Fragen auf. Das Onlinezugangsgesetz (OZG) verpflichtet Behörden zwar zur Digitalisierung ihrer Services. Doch der Kieler Fall zeigt: Nicht jeder Vorgang eignet sich für lockere Social-Media-Kampagnen.
„Ein Austritt berührt sehr persönliche Fragen des Glaubens und der Lebensgeschichte“, erklärt Pastor Wilko Teifke von der Nordkirche. Er erwarte von der Verwaltung mehr Sensibilität. Auch die CDU übte scharfe Kritik und warf der Stadt mangelndes Feingefühl vor.
Dabei ist der digitale Service an sich durchaus innovativ. In Schleswig-Holstein muss der Kirchenaustritt normalerweise persönlich beim Standesamt oder Notar erklärt werden – gegen eine Gebühr von 20 Euro. Die Videolösung bietet nun eine echte Alternative.
Lehrstück für ganz Deutschland
Der Kieler Wirbel entwickelt sich zum bundesweiten Lehrstück für die Verwaltungsdigitalisierung. Er macht deutlich: Die Kommunikation neuer Angebote erfordert ebenso viel Fingerspitzengefühl wie ihre technische Umsetzung.
Die Gretchenfrage lautet: Wie finden Behörden die Balance zwischen bürgerfreundlicher Effizienz und der nötigen Sensibilität für persönliche Lebensentscheidungen? Die reine Fokussierung auf Bürokratieabbau greift hier offensichtlich zu kurz.
Für Kiel bedeutet der Shitstorm einen kommunikativen Rückschlag – trotz eigentlich fortschrittlicher Digitalisierungsbemühungen. Doch die schnelle Reaktion zeigt auch Lernbereitschaft. Andere Kommunen in Deutschland dürften den Fall nun genau beobachten, wenn sie eigene digitale Dienste bewerben wollen.
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