Homeoffice, Forschungsergebnisse

KI und Homeoffice: Warum wir nicht produktiver werden

12.02.2026 - 18:11:12

Forschungsergebnisse zeigen, dass KI zu längerer Arbeitszeit führt und die Produktivität im Homeoffice ab einem bestimmten Anteil sinkt. Dies stellt etablierte Arbeitsmodelle infrage.

Zwei neue Studien stellen traditionelle Effizienz-Ansichten auf den Kopf. Eine Berkeley-Analyse zeigt, dass KI die Arbeitszeit verlängert, statt sie zu verkürzen. Fast zeitglich identifiziert das Fraunhofer-Institut einen kritischen „Kipp-Punkt“ für die Produktivität im Homeoffice. Diese Erkenntnisse zwingen zum Umdenken.

Das KI-Paradoxon: Mehr Tempo, mehr Arbeit

Die Verheißung von KI war stets Entlastung. Eine in der Harvard Business Review analysierte Studie der UC Berkeley zeichnet ein anderes Bild. Mitarbeiter beginnen Aufgaben zwar schneller, wandeln die gewonnene Zeit aber nicht in Freizeit um. Stattdessen übernehmen sie freiwillig mehr Verantwortung und dehnen ihre Arbeitszeit aus.

Der Grund ist psychologisch: KI senkt die Hürde, neue Aufgaben zu beginnen. Zusätzliche Arbeit erscheint machbar und lohnend. Diese schleichende Ausweitung führt jedoch zu kognitiver Ermüdung und erhöhtem Burnout-Risiko. Experten warnen vor dieser „getarnten Intensität“, die die Nachhaltigkeit von Arbeitsmodellen gefährdet.

Der Homeoffice-Kipppunkt: Ab 60 Prozent sinkt die Produktivität

Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation liefert klare Daten zur Remote-Arbeit. Die Untersuchung von rund 11.000 Beschäftigten zeigt: Mitarbeiter im Homeoffice sind zunächst bis zu 20 Prozent produktiver, besonders bei konzentrationsintensiven Aufgaben.

Doch die Studie identifiziert einen klaren Wendepunkt. Überschreitet der Homeoffice-Anteil etwa 60 Prozent, beginnt die Produktivität zu sinken. Die Autoren führen dies auf fehlende informelle Kontakte zurück. Ohne den spontanen Austausch im Büro leidet der Informationsfluss – soziale Erosionsprozesse setzen ein.

Klassische Methoden am Limit

Die neuen Erkenntnisse stellen etablierte Zeitmanagement-Methoden vor Probleme:
* Die Pomodoro-Technik verliert an Wirkung, wenn KI die Grenzen zwischen Arbeit und Pause verwischt.
* Die Eisenhower-Matrix hilft bei der Priorisierung, verhindert aber nicht die schleichende Ausweitung der Arbeitsmenge durch KI.

Die Herausforderung liegt nicht mehr nur in der richtigen Aufgaben-Priorisierung. Es geht zunehmend darum, ein gesundes Arbeitsvolumen zu definieren und soziale Interaktion bewusst zu planen.

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Effizienz muss neu gedacht werden

Der reine Fokus auf quantitativen Output – mehr Aufgaben in kürzerer Zeit – erweist sich als kurzsichtig. Echte Effizienz muss heute auch das Mitarbeiterwohlbefinden und die Qualität der Zusammenarbeit berücksichtigen.

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